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WG, eigene Bude, Studentenwohnheim oder Hotel Mama – vier Erfahrungsberichte

Das Studentenwohnheim in München-Freimann

Das Studentenwohnheim in München-Freimann

Wer sich für ein Studium entscheidet muss sich zwangsläufig auch mit der Frage beschäftigen, wie und wo er seine Zeit jenseits der Uni verbringen will. Doch bezahlbarer Wohnraum für studentische Budgets ist in vielen deutschen Städten Mangelware. Welche Wohnmöglichkeiten kommen für Studenten in Frage, und welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Wohnkonzepte? Ein WG-Bewohner und ehemaliger Einzelkämpfer, ein Mieter im Studentenwohnheim und ein Nesthocker wider Willen berichten über ihre Erfahrungen.

  • Bei WGs sollte man im Vorfeld entscheiden, wie eng man mit deinen Mitbewohnern verbunden sein will.
  • WG-Zimmer werden bevorzugt an Bewerber vermietet, die mit dieser Wohnform schon Erfahrung haben.
  • Eine eigene Wohnung eröffnet Freiräume, birgt aber auch das Risiko, sich einsam zu fühlen und ist in begehrten Großstädten für Studenten oft unbezahlbar.
  • Studentenwohnheime sind günstig und bieten viele Möglichkeiten, Kontakte zu schließen – aber die Plätze sind rar und die Wartezeiten oft lang.
  • Im Studium bei den Eltern zu wohnen ist praktisch und spart Kosten, sollte aber nicht zur Dauerlösung werden. 

Zweckgemeinschaft oder Familienersatz: So lebt es sich in einer WG

Die meisten Studenten entscheiden sich für eine Wohngemeinschaft. Die Miete wird geteilt und man hat beim Umzug in eine neue Stadt gleich ein paar Kontakte. Über Internetplattformen, Facebook oder Schwarze Bretter in Unis findet man alle Angebote in der Umgebung. Bevor man einziehen kann, muss man sich aber oft erst einmal einer Art Casting unterziehen. Schließlich teilt man sich eine Wohnung und will sichergehen menschlich zusammenzupassen.

Man muss sich also vorher im Klaren sein, ob einem gemeinsame Filmabende wichtig sind oder man lieber nur den Kühlschrank teilen will. Eine WG kann auf reiner Zweckmäßigkeit basieren. Gelegentlich trifft man sich morgens auf dem Weg zum Bad oder abends beim Kochen. Oder sie kann auch als Familienersatz fungieren. Wer eher ein Gemeinschaftstyp ist, sollte unbedingt darauf achten Leute zu finden, die gerne zusammensitzen und quatschen oder Sport im Park machen. Viele Studenten gründen im Verlauf des Studiums auch ihre eigene WG.

Raphael ist diesen Weg gegangen. Der 23-Jährige studiert Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Gießen (TH). Von Anfang an wollte er in einer WG wohnen. Als er mit dem Studium begann, war er aber noch nicht von zu Hause ausgezogen. Die Folge: Er bekam nur Absagen. Häufig wird von künftigen Mitbewohnern nämlich WG-Erfahrung erwartet. Aber wie soll man die bekommen, wenn einen niemand einziehen lässt?

„Kommt gerade von Mutti und hat noch kein Plan wie es läuft“ – so schildert Raphael die Reaktionen von WGs, bei denen er sich damals vorstellte. Dass er bereits im Elternhaus für sich kochen musste und unter anderem dadurch früh selbstständig geworden sei, hätten die Inserenten gar nicht berücksichtigt.

Nach einem halben Jahr habe er dann zufällig von einer Freundin erfahren, dass sie aus ihrer bestehenden WG ausziehen wollte, erzählt er. Zusammen mit einer weiteren Kommilitonin gründeten sie eine Dreier-WG. „Das Zusammenleben funktioniert prima“, schwärmt er heute. Über eine Whats-App-Gruppe werden beispielsweise Einkäufe organisiert: „Wer noch kurz was braucht aber gerade keine Zeit hat, schreibt einfach in die Gruppe. Einer der Mitbewohner bringt es dann mit.“ Wie sich Raphael seine Wohnsituation nach dem Studienabschluss vorstellt, weiß er noch nicht: „So weit im Voraus plane ich nicht“, sagt er und lacht.

Durchschnittsmieten* für WG-Zimmer und Wohnungen im Überblick

Durchschnittsmieten* für WG-Zimmer und Wohnungen im Überblick
Stadt WG-Zimmer 30-Quadratmeter-Wohnung
*inklusive Nebenkosten, Stand: 2018
Berlin 363 438
Essen 276 335
Dortmund 269 340
Düsseldorf 396 471
Frankfurt 474 595
Hamburg 410 499
Hannover 337 420
Köln 388 502
Leipzig 263 327
München 616 785
Nürnberg 373 489
Stuttgart 485 651

Die eigenen vier Wände

Wer komplett auf eigenen Füßen stehen und weder über anderer Leute Unordnung hinwegsehen, noch zum Aufräumen aufgefordert werden möchte, ist in einer eigenen kleinen Wohnung am besten aufgehoben. Man muss sich nicht an Putzpläne halten oder sich den Liebeskummer der Mitbewohner anhören. Die schlechte Milch im Kühlschrank gehört einem definitiv selbst und niemand beschwert sich über den Geschirrstapel in der Spüle.

Als Student einen Vermieter zu finden ist aber oft gar nicht so einfach, gerade in Großstädten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Trotzdem lohnt es sich, erst einmal auf eigene Faust zu suchen. Im Internet oder in der Zeitung wird man fündig. Ein Makler sollte nur im Notfall hinzugezogen werden, denn die Provision zahlt häufig der Mieter. Tipp: ein Wohnungsgesuch schalten. Viele Vermieter wollen nicht mit Anfragen überhäuft werden und schreiben passende Mieter lieber selbst an.

Die eigenen vier Wände bieten viele Vorteile, haben aber auch einige Nachteile - zum Beispiel hohe Kosten und einen relativ großen organisatorischen Aufwand. Gerade in einer neuen Stadt kann man sich außerdem auch mal schnell alleine fühlen. Erfahrungen mit dem Leben in einer eigenen Wohnung konnte Raphael sammeln, bevor er in seine WG gezogen ist. Eine Einzimmerwohnung habe er in der kleinen Universitätsstadt Gießen relativ leicht gefunden. „Die war allerdings weit weg vom Schuss“, erinnert er sich.

Am Anfang hätten ihn seine Eltern finanziell unterstützt. Durch Nebenjobs habe er auch selbst etwas zur Miete beigetragen. Für Raphael sei der größte Nachteil an einer eigenen Wohnung aber weniger die finanzielle Belastung, sondern das fehlende Zusammenleben gewesen. „Wenn man abends die Tür hinter sich schließt, ist man halt alleine“, sagt er. Auf Dauer sei das nicht sein Ding gewesen. Allerdings ist diese Frage, wie so vieles, typusbedingt. Der eine fühlt sich einsam – ein anderer genießt die Ruhe.

Keine Langeweile im Studentenwohnheim

Im Studentenwohnheim ist ehrenamtliches Engagement gefragt. Auch Richard übernimmt freiwillig Aufgaben.
Wohnen im Studentenwohnheim

Wer nicht zu tief in die Taschen greifen will, sich einen Rückzugsort wünscht, aber trotzdem nicht auf Gesellschaft verzichten möchte, ist mit einem Zimmer oder Apartment in einem Studentenwohnheim gut beraten. Die Plätze sind aber sehr begehrt. Das bedeutet: Wartezeiten von bis zu fünf Semestern.

Man muss sich im Vorfeld bewerben und bestimmte Kriterien erfüllen. Wohnen beispielsweise die Eltern im Einzugsgebiet des öffentlichen Nahverkehrs, hat man in bestimmten Städten keinen Anspruch auf einen Platz im Wohnheim.

Wer alle Hürden genommen und einen Zimmerschlüssel in der Hand hat, kann dafür alle Vorzüge des Studentenlebens auskosten. Im Wohnheim findet man schnell Anschluss zu anderen Studenten und lebt oft in Uninähe. Wer seine Ruhe will oder eher ein Einzelgänger ist, sollte sich um ein Zimmer weit entfernt von der Küche und anderen Gemeinschaftsräumen bemühen. Denn dort treffen sich die meisten Leute. Schnell kann eins zum anderen führen und wer gerade noch mit dem Kochlöffel akribisch Spaghetti umgerührt hat, tanzt bei einem spontanen Partyabend plötzlich auf dem Tisch. Zur Sicherheit sollte man also immer eine Packung Ohrstöpsel in der Nachtischschublade griffbereit haben.

Wie der Alltag im Studentenwohnheim konkret aussieht, weiß Richard. Der 23-Jährige studiert technische Kommunikation und Redaktion an der Technischen Universität München (TUM) und lebt in der Studentenstadt in München-Freimann. Sein Tipp: „Wer einen Platz im Wohnheim will, sollte Bereitschaft zeigen, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen.“ Um viele Bereiche der Hausverwaltung kümmern sich die Studenten nämlich selbst – etwa um die Hauskasse, den Hausladen, in dem sich die Studierenden günstig mit elementaren Lebensmitteln versorgen können, oder die Wartung der Waschmaschinen.

Auch Richard engagiert sich ehrenamtlich. „Ich habe die Aufgaben meiner Schwester übernommen, die auch hier gewohnt hat“, erzählt er. Durch seine Schwester habe er auch schon vor seinem Einzug einen Eindruck vom Alltag im Studentenwohnheim bekommen. Gerade für Erstsemester sei diese Wohnform eine gute Möglichkeit, von Anfang an Kontakte zu knüpfen: „Man lernt sofort Leute kennen.“ Anschluss finde man etwa bei den regelmäßigen Stockwerkpartys oder Stockwerkversammlungen, bei denen Organisatorisches besprochen werde.

Wer glaubt, die Bewohner des Studentenwohnheims verbringen ihr Studium in einer einzigen Dauerparty, irrt sich jedoch. „Wir haben hier alle mal Prüfungen und müssen schlafen. Wenn es zu laut ist, kann man das einfach ansprechen“, versichert Richard. Auch der Rückzug in die Privatsphäre sei problemlos möglich: „Manche wohnen hier ganz für sich und studieren einfach.“

Die Wohnungen in der Studentenstadt sind etwa 18 Quadratmeter groß, haben ein Bad mit Dusche und Toilette und eine Küche mit Spüle, zwei Kochplatten und einem Kühlschrank. Wer aufwändiger kochen möchte, kann die Gemeinschaftsküchen nutzen, die es auf jedem Stockwerk gibt. Kein Luxus, aber doch ausreichend, findet Richard: „Wir haben hier alles, was mach braucht.“ Unschlagbar ist bei dieser Wohnform außerdem der Preis. Mit 256 Euro Miete pro Monat liegen die Kosten nur 6 Euro über dem Betrag, der im BAföG-Satz als Ausgabe für Wohnen angesetzt wird.

Stressfrei zu Hause bleiben

David wohnt bei seinen Eltern und pendelt zur Uni.
Student David wohnt bei seinen Eltern.

Wenn die Uni in der Heimat liegt, lohnt es sich vor allem finanziell, die erste Zeit zu Hause zu wohnen. Für Studenten, die kein BAföG erhalten oder sich in teuren Unistädten die Lebenskosten nicht leisten können, hat diese Option große Vorteile. Neben der meist viel zu hohen Miete kann man sich auch das Geld für ein Bett und einen neuen Schreibtisch sparen. Und falls man mal vergisst einzukaufen, ist der Kühlschrank trotzdem stets gefüllt. Gerade bei Lernstress ist ein ruhiges Umfeld außerdem Gold wert. Um aber irgendwann einmal selbstständig auf eigenen Beinen stehen zu können, sollte Hotel Mama nicht zur Dauerlösung werden. Wichtig sind auch Absprachen fürs Zusammenleben.

Manchmal ist die Entscheidung, weiterhin bei den Eltern zu wohnen, auch eher aus der Not geboren. David, der im dritten Semester Politikwissenschaften an der Hochschule für Politik in München studiert, lebt noch immer zuhause in dem Münchner Vorort Erding. Wer in der Bayerischen Landeshauptstadt in ein WG-Zimmer ziehen möchte, muss mindestens mit 500 Euro Miete im Monat rechnen – und viele Angebote sind deutlich teurer. „Das finde ich einfach unverhältnismäßig“, sagt der 19-Jährige. Mehr als 400 Euro wolle er nicht ausgeben. Ein Budget, mit dem man in München kaum fündig wird.

Um im Studentenwohnheim unterzukommen, wohnt er aber zu nah an der Uni. Da er noch im Einzugsbereich des öffentlichen Nahverkehrs lebe, habe er bei der Platzvergabe keine Chance, erklärt er. Doch der Bahnverkehr im Münchner Umland hat seine Tücken. Verspätungen und Ausfälle sind an der Tagesordnung. „Ich habe nachts schon eineinhalb Stunden auf dem Abstellgleis gewartet“, erzählt er. Wenn alles glattgehe brauche er für die Fahrt zwischen der Hochschule und seiner Wohnung etwa zweieinhalb Stunden am Tag. Die Zeit zum Lernen nutzen? Fehlanzeige. „Oft bekommt man ja gar keinen Sitzplatz“, sagt David.

Mit seinen Eltern und den drei jüngeren Geschwistern versteht er sich gut. Sich zu konzentrieren, wenn die Kinder toben, sei aber nicht immer einfach, räumt er ein. Ein bisschen anstrengend seien manchmal auch die vielen Fragen zu seinem Studium: „Papa will immer alles wissen.“ Nach seinem geplanten Auslandssemester habe er vor, sich noch einmal ernsthaft auf dem Wohnungsmarkt umzuschauen. „Es ist zwar schön, wenn Mama immer alles macht, aber...“, sagt David mit einem Schmunzeln im Gesicht.

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