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Nicht immer ist für eine Führungsposition ein Studium nötig

Nach der Ausbildung in eine Führungsposition. Bild: Ikea Deutschland

Nadine schaffte es nach der Ausbildung in eine Führungsposition. Bild: Ikea Deutschland

Ein gutes Abitur ist wichtig – aber für beruflichen Erfolg in bestimmten Branchen nicht zwingend erforderlich. Bestes Beispiel: der Handel. Nadine Bogacki hat mit 14 Jahren die Hauptschule verlassen. Heute koordiniert die 28-Jährige als Teamleiterin bei Ikea in Eching die Einsätze ihrer Mitarbeiter, plant Flächen und wertet Umsatzanalysen aus. Als Vorgesetzte ist sie für Kollegen aller Altersgruppen mit ganz unterschiedlichen Bildungsbiographien zuständig. Ihr Erfolgsrezept: Ehrgeiz und die Bereitschaft, sich Zeit zu nehmen.

  • Der Einzelhandel bietet auch Schulabsolventen ohne Hochschulreife interessante Karrierechancen.
  • Obwohl Nadine nur einen Hauptschulabschluss hatte, strebte sie von Anfang an eine leitende Position an.
  • Nach einem herausragenden Ausbildungsabschluss stieg die gebürtige Fränkin als stellvertretende Teamleiterin in den Beruf ein und ist nun für ein eigenes Team verantwortlich.
  • In den kommenden Jahren stehen Nadine weitere Möglichkeiten für einen beruflichen Aufstieg offen.
  • Ihr Tipp für Schüler mit Hauptschulabschluss: keine Angst vor neuen Stoffgebieten, viel lernen und sich die nötige Zeit nehmen.

Schon als Schülerin war sich Nadine sicher: Sie will etwas mit Menschen machen. „Kommunikation liegt mir einfach“, sagt sie. Nach einem Schulpraktikum im Einzelhandel sei sie sich sicher gewesen und habe begonnen, sich nach Ausbildungsplätzen als Einzelhandelskauffrau umzusehen. Doch als sie sich nach dem Schulabschluss in ihrer Heimatstadt Schweinfurt in Franken auf Lehrstellen bewarb, musste sie ernüchtert feststellen: nichts als Absagen. „Rund 90 Bewerbungen habe ich damals verschickt“, erinnert sie sich. Das Problem: Sie war gerade einmal 14 Jahre alt: „Das war den meisten Unternehmen einfach zu jung.“

Deshalb habe sie zunächst eine Ausbildung zur staatlich geprüften Sozialbetreuerin begonnen, eine schulische Ausbildung, mit der gleichzeitig auch die mittlere Reife erworben wird. Schon bald habe sich aber gezeigt, dass die Arbeit im Altenheim nicht das richtige für sie sei: „Das war psychisch zu belastend.“ Die Ausbildung abzubrechen sei für sie aber nicht in Frage gekommen. „Was ich einmal angefangen habe, das bringe ich auch zu Ende“, betont Nadine. 

Dennoch habe sie ihr ursprüngliches Ziel nicht aus den Augen verloren. Auch den Anspruch, es bis zur Führungskraft zu schaffen, habe sie von Anfang an verfolgt. Ihr Vater arbeite ebenfalls in einer leitenden Position: „Ich war schon immer ehrgeizig und wollte das auch.“

Mit 17 Jahren bewarb sich Nadine erneut im Einzelhandel – und zwar deutschlandweit. Als sie eine Zusage von Ikea bekam, zog sie von Schweinfurt ins Münchner Umland und absolvierte ihre Ausbildung mit so guten Leistungen, dass sie von der IHK ein Stipendium für Weiterbildungsmaßnahmen erhielt. In Fächern wie Mathematik und Betriebswirtschaftslehre habe sie zwar viel lernen müssen, räumt sie ein: „Ich kannte das ja noch nicht in der Form aus der Schule.“ Auch Englisch sei eine Herausforderung gewesen, da an den Hauptschulen bestimmte Fachbegriffe nicht vermittelt würden: „Aber alles in allem war es gut machbar.“

Nach der erfolgreich bestandenen Ausbildung bot ihr der Betrieb eine Übernahme an – als sogenannte „Mitarbeiterin mit Potenzial“. Dies sei bereits eine Vorstufe zur Führungskraft, erklärt Nadine. Der Start in dieser Position sei jedoch nicht ganz einfach gewesen: „Die Kollegen kannten mich ja noch als Azubi, und plötzlich hatte ich was zu sagen.“ Jedoch habe sie in dieser Zeit wichtige Erfahrungen gesammelt und sich zunehmend etabliert.

Seit rund zwei Jahren ist Nadine nun Teamleiterin. „Im Prinzip hätte ich mich schon vor vier Jahren auf so eine Stelle bewerben können“, räumt sie ein. Jedoch sei es ihr immer auch wichtig gewesen, alle Möglichkeiten, sich zu entwickeln, voll auszuschöpfen: „Daran ist mir mehr gelegen als am schnellen Erfolg.“

Karriereziel Sales-Managerin

Nadine ist Teamleiterin in der SB-Halle des Ikea-Möbelhauses in Eching bei München. Bild: Ikea Deutschland / André Grohe
Karriere im Handel. Bild: Ikea Deutschland / André Grohe

Inzwischen koordiniert sie das gesamte Team des Selbstbedienungsbereichs des Möbelhauses. Die meisten ihrer Mitarbeiter sind Männer. Probleme habe sie damit nicht, betont sie: „Ganz im Gegenteil, bei uns herrscht eine ganz offene und direkte Kommunikation, das mag ich.“ Zu Nadines Aufgaben zählen unter anderem die Einteilung von Schicht- und Urlaubsplänen, logistische Entscheidungen wie die Platzierung von Waren, die Auswertung von Verkaufszahlen und die Planung von Bestellungen. Mit Büroarbeit verbringe sie etwa ein bis zwei Tage in der Woche. Auch im Verkaufsraum arbeitet sie häufig mit. Der direkte Kontakt zum Kunden sei ihr wichtig, erklärt sie: „Mein Arbeitsalltag ist sehr abwechslungsreich.“

Ihr nächstes Karriereziel: die Position der Sales-Managerin. Ein Zeitfenster habe sie sich dafür aber nicht gesetzt, sagt Nadine: „Ich weiß, dass ich diesen Schritt gehen werde, aber wann ist noch offen. Es passiert, wenn es passiert.“

Unter den Azubis, die auch Nadines Abteilung durchlaufen, gibt es übrigens auch immer wieder Abiturienten. Der Weg über die Ausbildung für Einzelhandelskaufleute werde von Bewerbern mit Hochschulreife aber eher selten beschritten: „Die meisten entscheiden sich für eine Ausbildung zum Handelsfachwirt.“ Damit sei ein Direkteinstieg in eine Führungsposition einfacher.

Allerdings sei die Ausbildung in der Regel mit Einsätzen in verschiedenen Häusern und daher auch mit Ortswechseln verbunden. Wer noch bei den Eltern wohne, wähle deshalb eher die klassische Berufsausbildung. Völlig unabhängig von der Art des Berufseinstiegs steht indes eines fest: Nach oben führen viele Wege – mit und ohne Hochschulreife.

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