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Uni oder Fachhochschule? Die früheren Grenzen werden fließender

Unterschiede zwischen Uni und FH

Vor dem Studium solltest du einige Unterschiede zwischen Uni und FH kennen.

Fachhochschulen und Universitäten – das waren mal zwei getrennte Welten. Heute sind die Grenzen etwas fließender geworden. Das fängt schon beim Namen an. Denn Fachhochschulen heißen heutzutage „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ oder gleich neudeutsch „University of Applied Sciences“. Das macht die Sache für Schulabgänger bei der Studienwahl nicht gerade einfacher. Vielen Schülern ist nicht so ganz klar, worin die Unterschiede liegen.

Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

Praxis oder Forschung.

Traditionell galt der Grundsatz: An der Fachhochschule (FH) lernen die Praktiker, an der Uni die Theoretiker. Ganz so schwarz-weiß ist das Bild heute nicht mehr. Von der Tendenz her stimmt die Aussage aber immer noch. Wer lieber in die Forschung gehen will, ist an der Uni richtig, die FH ist dagegen das passende Modell für Studenten, die mehr Anwendung wollen. Angehende Ingenieure im Maschinenbau zum Beispiel müssen an der Uni anfangs viel Mathe pauken. Da benötigen die Studenten einen langen Atem und dabei geht manchem unterwegs die Puste aus.

An der FH ist die Verknüpfung mit der Praxis oft gelungener. Dadurch ist den Studenten häufig schneller klar, wofür sie lernen. „Die Unterschiede sind aber kleiner geworden“, betont Cort-Denis Hachmeister vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh. Ein Grund sei die Bachelor-Umstellung: So gehöre der Anwendungsbezug nun auch an der Uni dazu, schließlich soll sich der Bachelor für den Beruf qualifizieren. Und Praktika seien auch im Uni-Studium vorgesehen. Ein ganzes Praxissemester sei aber nach wie vor ein typisches Merkmal der FH. Ein weiteres Kriterium sei, das alle Professoren Berufspraxis mitbringen müssen.

Studienangebot.

An einer FH ist das Fächerspektrum deutlich kleiner. Traditionell hatte sie im Wesentlichen nur Betriebswirtschaftslehre (BWL), Ingenieurwissenschaften und Soziale Arbeit im Programm, erläutert Hachmeister. Auf der anderen Seite stand die Universität mit einer breiten Auswahl. Heute gibt es zum einen die Entwicklung, dass Unis sich verstärkt profilieren und sich auf eine Auswahl von Fächern beschränken. Zum anderen sind an Fachhochschulen neue Fächer wie Kommunikations- oder Pflegemanagement entstanden, Geisteswissenschaften sind aber weiterhin die Domäne der Unis. So sucht man Germanistik an der FH vergeblich.

Zulassung.

Einen Unterschied gibt es weiter bei den Regeln für die Zulassung: Für ein FH-Studium reicht die Fachhochschulreife, Universitäten verlangen in der Regel das Abitur. An Universitäten gibt es dafür einen geringeren Anteil an zulassungsbeschränkten Studiengängen (40,1 Prozent) als an Fachhochschulen (45,8 Prozent), wie eine CHE-Auswertung für das Wintersemester 2016/2017 zeigt.

Abschlüsse.

Den Diplom-Ingenieur gibt es zwar vereinzelt noch – unter anderem an der HTW Dresden mit Zusatz „FH“, an der HTW Dresden ohne den Zusatz. In der Regel vergeben beide Hochschultypen aber den Bachelor und Master und sind damit gleichgestellt. Auch ein Wechsel von der FH zur Uni und umgekehrt ist im Prinzip möglich – auf jeden Fall formal gegeben.

Auch in der Wertigkeit der Abschlüsse gibt es keine Unterschiede mehr. In der Praxis kann es bei einem Wechsel zwar Hürden geben. Das liegt aber nicht unbedingt an Hochschulbarrieren, sondern auch daran, dass sich unterschiedliche Bachelor- und Masterprogramme nicht immer reibungslos verbinden lassen.

In der Regel ist der Doktortitel nach wie vor den Unis vorbehalten
Doktortitel in der Regel nur an Unis.

Doktortitel.

Als erste Fachhochschule in Deutschland hat die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Fulda im vergangenen Jahr das Promotionsrecht erhalten. Sie darf damit ihren Studenten einen Doktortitel verleihen. In der Regel ist das aber nach wie vor den Unis vorbehalten.

Zufriedenheit.

An der Fachhochschule gibt es im Vergleich zur Uni etwas mehr Studenten, die insgesamt zufrieden mit den Bedingungen im Studium sind. Das hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) ermittelt. So schneidet die FH in dem Punkt etwas besser ab als die Uni (69 zu 64 Prozent). Überfüllte Hörsäle sind dabei an Unis ein größeres Problem als an der FH. Laut DZHW fühlt sich an der Uni rund jeder Fünfte dadurch beeinträchtigt, an der Fachhochschule ist es nur jeder Zehnte. Auch Klagen über Anonymität sind an der Uni verbreiteter. Für Studenten, die nichts so kontaktfreudig sind, besteht gerade an großen Massenunis die Gefahr, dass sie sich einsam fühlen. An einer kleineren FH kommt man schneller ins Gespräch. An der FH ist die Betreuung zudem häufig intensiver, und die Gruppen sind kleiner.

Berufsvorbereitung.

An Fachhochschulen fühlen sich Studenten besser für die Berufswelt gewappnet als an der Universität. Das zeigen Daten des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Demnach findet jeder Zweite an der FH, dass er eine gute Berufsvorbereitung erhält. An der Uni sagt das nur jeder Dritte. Auch für den Praxisbezug der Lehrveranstaltungen geben deutlich mehr Studenten an der Fachhochschule als an der Uni gute Noten.

Bist du dir noch nicht sicher, ob ein Studium das Richtige für dich ist, hilft dir unser Artikel Uni, Ausbildung oder beides? weiter, der dir die weitere Bildungseinrichtungen in Grundzügen vorstellt: Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften, private Akademien und Betriebe.