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Durchstarten statt scheitern: Studienabbrecher mit Ausbildung haben gute Chancen

Zweifel am Studium

Zweifel am Studium sind keine Seltenheit.

Auch das kann passieren: Nach einigen Semestern merkst du, dass dein Studium einfach nicht das Richtige für dich ist. Rund einem Drittel aller Bachelorstudenten ergeht es so. Die große Frage: Wie geht es jetzt weiter?

Direkt in den Beruf einzusteigen ist zwar verführerisch, birgt aber viele Risiken, wie zum Beispiel spätere Arbeitslosigkeit oder ein künftig geringeres Gehalt als mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Diese ist eine erfolgsversprechende Alternative, die Studienabbrechern gute Aussichten bietet und oft in eine Führungsposition mündet. Doch viel zu wenige der Studenten ohne Abschluss machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

„Viele Abiturienten betrachten es fast schon als Verpflichtung, nach dem Schulabschluss ein Studium zu beginnen“, sagt Andrea Mohoric, Leiterin des Projekts Queraufstieg in Berlin. Die Initiative vermittelt Studenten, die mit ihrem Studium unzufrieden sind, Beratungsangebote und zeigt ihnen Alternativen.

Vom Studenten zum Azubi

Wie das konkret aussehen kann, zeigt die Geschichte von Felix Stankewitz. Die Entscheidung zwischen Studium und Ausbildung stellte sich für ihn nach dem Abitur überhaupt nicht. Für ihn war klar: Seine Hochschulreife, die er mit guten Noten an einem renommierten Berliner Gymnasium absolvierte, würde ihn unweigerlich an eine Universität führen.

Felix schrieb sich gegen den Rat seines Vaters, der ihm eine betriebliche Ausbildung empfahl, für Elektrotechnik ein. Doch glücklich wurde er an der Uni nicht. Er wechselte in die Fachrichtung Informatik. Die Zeit verging.

Als er zehn Jahre nach dem Abitur immer noch keinen Abschluss in der Hand hat, trifft Felix endlich eine Entscheidung: Er wirft sein Studium hin. Doch was nun? Im Internet findet er das Programm „Your Turn“ der IHK Berlin. Die Berater vermitteln ihm einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker für Systemintegration bei einem Berliner IT-Unternehmen. „Wenn die Geschichte, die hinter einem Studienabbruch steckt, plausibel vermittelbar ist, dann sind wir sehr offen, jungen Menschen eine Chance anzubieten“, sagt Daniel Zapf, Geschäftsführer der Firma.

Felix hat diese Chance ergriffen. Nach 18 Monaten schließt er seine Ausbildung erfolgreich ab. Heute berät er Kunden und konzipiert im Team für EDV-Anlagen Lösungen der Systemintegration. Dazu gehören zum Beispiel die Migration von Serversystemen und die Integration von Komponenten.

Für Felix haben sich durch den Wechsel von der Uni in eine Ausbildung ganz neue Perspektiven ergeben. Bild: Anna Weise
Neue Perspektiven für Felix

Alles auf einen Blick

Doch laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beginnen nur 43 Prozent der Studienabbrecher eine Ausbildung. Schuld daran sei unter anderem, dass die duale Berufsausbildung noch immer falsch eingeschätzt werde, sagt Mohoric: „Entgegen der vorherrschenden Meinung ist Berufsbildung gegenüber der Hochschulbildung als gleichwertig zu betrachten. Da muss ein Vorurteil bekämpft werden, dem wir mit unserem Portal begegnen wollen.“

Das Webportal queraufstieg-berlin.de hat für Studenten, die an ihrer akademischen Ausbildung zweifeln, ein breites Informationsangebot. Mit Hilfe des Beratungsnavigators werden Nutzer anhand von fünf zentralen Fragestellungen zu passenden Informations- und Beratungsangeboten geleitet. So können die Nutzer klären, ob ein Wechsel der Fachrichtung oder ein Studienabbruch für sie in Frage kommt. Links zu den Beratungsangeboten von Institutionen wie der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer (HWK), der Arbeitsagentur und der Jugendberufsagentur helfen, eine passende Ausbildung zu finden – und Hinweise auf Bewerbungstrainings unterstützen die Studienabbrecher dabei, die Lehrstelle dann auch zu bekommen.

Reif und krisenfest

Sich mit Erfolg auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben sei für Studienabbrecher jedoch in der Regel gar nicht schwer, versichert Mohoric. Betriebe seien dieser Zielgruppe gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen: „Studienabbrecher werden sogar oft als persönlich reifer angesehen, denn sie haben bereits eine Krise in ihrem Leben bewältigt.“

Wer gerade noch in der Entscheidungsfindung stecke und in dieser schwierigen Situation Unterstützung benötige, finde bei queraufstieg-berlin.de von der Bildungsberatung über die Berufsberatung bis hin zur Psychologischen Beratung viele spezifische Angebote. Für die finanziellen Aspekte führe das Portal unter dem Menüpunkt Sozialberatung die richtigen Ansprechpartner auf. Dennoch weiß Mohoric: „Wer sich länger im Studium durchgekämpft hat, dem fällt der Abbruch schwer.“ Eine besondere Hürde sei es auch, die Entscheidung den Eltern mitzuteilen. Allerdings sei ein Wechsel oder eine Kurskorrektur in der Arbeits- oder Bildungsbiographie „kein Beinbruch“, betont die Expertin. Viele Bildungswege stünden Studienabbrecher außerdem auch zu einem späteren Zeitpunkt noch offen: „Es gibt keinen Beruf fürs Leben, heutzutage ist lebenslanges Lernen angesagt.“ Und gerade auch für Studienabbrecher gelte das Motto: „Jedes Ende ist ein neuer Anfang."

Linktipps

Ausbildungsplätze für Studienabbrecher: stuzubi.de/stellenboerse
Angebote für Studienabbrecher in Bayern: studienabbruch.bfz.de
Facebook-Auftritt der Akquisiteure in Bayern: facebook.com/studienabbruchbayern
Angebote für Studienabbrecher in Frankfurt: zweifel-am-studium.de/frankfurt 
Angebote für Studienabbrecher in Berlin: queraufstieg-berlin.de
Infos und Hilfen: studienabbruch-und-dann.de