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Start-ups und der Mittelstand – wie Unternehmen voneinander lernen können

Start-ups und der Mittelstand

Der Mittelstand sucht innovative Ideen bei Start-ups.

In der heutigen Unternehmenswelt zählen neue Faktoren. Die Geschäftswelt wird immer digitaler, schneller und vielseitiger. Dynamik und Agilität sind heute häufig Garant für den Unternehmenserfolg. Unternehmer müssen umdenken, denn die Gewinner von morgen sind die, die den Wandel und die Zukunft aktiv mitgestalten. Gerade der Mittelstand tut sich dabei jedoch häufig noch schwer. Auf der Suche nach einer Lösung, nach neuen Ideen und Prozessen wenden sich KMUs an die Start-up Szene und versuchen von den jungen, innovationsgetriebenen Gründern zu lernen und ihre Methoden auf die klassischen Geschäftsmodelle zu adaptieren.

Innovationskultur im Mittelstand

Die Unternehmer des Mittelstandes haben heute häufig genug von steifen Strukturen und endlosen Meetings, sie möchten eine Disruption ihrer Branche, jedoch eine, die sie mit anführen können, statt Opfer dieser zu werden. Doch gerade das Ausbrechen aus den festen Strukturen vieler Jahre oder Jahrzehnte ist es, was vielen Unternehmen Schwierigkeiten bereitet. Es fehlen die Kapazitäten, monetär und personell, um etwas Neues auszuprobieren und die Grenzen des eigenen Geschäftsfelds zu dehnen. Durch die Kooperation mit Start-ups erhoffen sich mittelständische Unternehmen die Lösungen, die sie selbst nicht schaffen können. Sie hoffen auf eine Revolution ihrer Branche.

Diese Revolution ist jedoch eine Unternehmensaufgabe. Es kann nicht oft genug gewarnt werden, dass alle im Unternehmen am selben Strang ziehen müssen. Den Mitarbeitern, vom Praktikanten bis zum Mittleren Management, muss bewusst sein, dass die Kooperation mit den Jungunternehmen keine Gefahr, sondern eine Chance darstellt. Die sogenannte „German Angst“ oder das „Not-Invented-Here“ Phänomen haben schon so mancher vielversprechenden Kooperation den Gar ausgemacht. Mitarbeiter müssen neue Produkte oder Prozesse es als Teil des eigenen Unternehmens ansehen. Die Mitarbeiter des Start-ups als Partner und nicht als Eindringlinge.

Es ist eine gehörige Portion Change Management notwendig, um die Mitarbeiter während des Wandels zu begleiten und ihnen ihre Fragen zu beantworten bzw. sie am Wandel teilnehmen zu lassen, denn sonst ist das Experiment Start-up am Ende zum Scheitern verurteilt. Es muss eine Innovationskultur bei den Mittelständlern entstehen. Statt also nach Start-ups zu suchen, die zur bereits bestehenden Kultur passen, müssen Mittelständler überlegen, wie ihre eigene Kultur eine Modernisierung erfahren kann, ohne dabei das zu zerstören, was sie als Unternehmen seit jeher ausgezeichnet hat. Eine schwierige Aufgabe, die sich jedoch am Ende lohnen wird.

Möglichkeiten der Zusammenarbeit

Die Möglichkeiten für Netzwerke und Kooperationen zwischen etablieren Mittelständlern und Start-ups sind vielfältig. Um ein Verständnis für die Start-up Szene zu erlangen, können KMUs zunächst an Veranstaltungen für Gründerinnen und Gründer teilnehmen oder selbst einen sogenannten Hackathon oder ein Barcamp initiieren. Bei letzten Punkten kommen Teilnehmer aus verschiedenen Bereichen und Branchen zusammen, um gemeinsam ein spezifisches Thema oder eine besondere Problemstellung zu bearbeiten.

Eine Alternative stellen Workshops da, bei denen Gründer und KMUs direkt aufeinandertreffen, um sich auszutauschen und vom anderen zu lernen. Der Kreativität des Mittelstands sind am Ende keine Grenzen gesetzt. Alles ist hier erlaubt, um den passenden Partner zu finden, der gemeinsam die Disruption des Unternehmensfeldes vorantreibt. Auch eine Vernetzung über Business Netzwerke wie XING oder LinkedIn ist denkbar. Unternehmen können sich dort in Gruppen über für sie relevante Technologien vernetzen und durch aktive Beteiligung in den dortigen Diskussionen ein starkes Expertennetzwerk aufbauen.

Start-ups und Mittelständler – Hürden in der Praxis

Die größte Gefahr für den Erfolg der Zusammenarbeit zwischen Mittelstand und Start-ups sind die in der Regel häufig sehr unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Es muss frühzeitig verstanden werden, was die kooperierenden Unternehmen jeweils an Vorteilen bringen und was der Unterschied der unterschiedlichen Firmentypen mit sich bringt. Start-ups müssen verstehen, dass es in größeren Unternehmen andere Prozesse und Werte gibt, die es einzuhalten gilt, daher darf kein Frust entstehen, wenn es etwas anders läuft als gewohnt oder auch mal länger dauert. Umgekehrt ist es aber ähnlich, Start-ups sind Unternehmen die sich gerade erst erfinden, ihr Geschäftsmodell verändert sich häufig und ist dynamisch; die festen Strukturen, die sich in KMUs finden, sind daher, wenn zu vehement auf das Start-up übertragen, ein Hindernis im Entwicklungsprozess der Jungunternehmer.

Sowohl Mittelständler als auch Start-ups müssen sich auf das Experiment einlassen und aufeinander Rücksicht nehmen. Nur so kann es zu einer erfolgreichen Kooperation kommen.

Über den Autor

Alexander Pinker ist Vorstand des Startup-Netzwerk SUN e.V., einem europaweiten Verein zur Förderung und Unterstützung junger Gründer.

Außerdem ist er Marketing- und Innovationsberater bei der Medialist Group, einem von ihm gegründeten Unternehmen, das sich mit der digitalen Innovation mittels Innovation-Profiling beschäftigt, Projektmanager für Multimedia und neue Technologien bei der GMM AG und Dozent im Fach Trend- und Innovationsmanagement.

Alles über neue Technologien, Trends und Innovationen gibt es auf seinem Blog unter http://www.medialist.info.