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Start-up in Hamburg: Absolventen mit eigener Firma

Start-up gründen

Experten ermutigen Studenten und Absolventen zum Unternehmertum.

Experten raten: Geschäftsideen nicht auf die lange Bank schieben

Gerade mal das Studium abgeschlossen, oder sogar noch mitten drin, und schon ein eigenes Unternehmen gründen – kann das gutgehen? Doreen Hotze, Leiterin der Abteilung Gründungszentrum bei der Handelskammer Hamburg (HK), bejaht diese Frage, rät aber zu einer gründlichen Vorbereitung. Auch Claudia-Marie Dittrich, Leiterin der Hamburger Existenzgründungsinitiative (hei.) ermutigt Studenten und Absolventen zum Unternehmertum – denn für diese Gruppe gibt es durchaus interessante Förderangebote.

Auf Nummer sicher gehen und erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln, oder sofort durchstarten: Wer kurz vor oder nach dem Hochschulabschluss eine zündende Idee für eine Firmengründung hat, muss sich entscheiden. Doch was zunächst als die risikoreichere Variante erscheint, erhöht oft die Chance einer erfolgreichen Selbstständigkeit. „Vor allem im innovativen Bereich sollte man nicht zu lange damit warten, seine Idee zu verwirklichen, sonst ist sie überholt“, sagt Doreen Hotze.

Jedoch müsse der Schritt gut vorbereitet werden. „Einfach ins Blaue hinein gründen macht wenig Sinn“, mahnt die Expertin. Als Gründer hundertprozentig von seiner Idee überzeugt zu sein sei nicht ausreichend. Ausschlaggebend sei auch, ob es einen Markt und eine klare Zielgruppe für das Projekt gebe.

Tipps für den Businessplan

Das gelte auch für Studenten und Hochschulabsolventen. Das Alter der Akteure spiele bei Unternehmensgründungen für Neuentwicklungen aber eigentlich gar keine so große Rolle, erklärt Hotze: „Wenn man eine Unternehmensberatung gründen möchte, sollte man vorher sicher eine Zeit lang Erfahrungen sammeln, bei innovativen Vorhaben sind eher Kontakte und Netzwerke wichtig.“ Wesentlich sei jedoch die Vor- bereitung: „Wir raten deshalb immer zu einem Businessplan, auch wenn formal eigentlich keiner benötigt wird, weil man kein Fremdkapital braucht.“

Doreen Hotze, Leiterin der Abteilung
Gründungszentrum bei der Handelskammer Hamburg
Doreen Hotze

Für junge Gründer entsteht aber oft aus der Not eine Tugend. „Wer von der Hochschule kommt, macht meistens sowieso einen Businessplan, auch weil er in der Regel nicht genug Eigenkapital hat, um das Projekt zu finanzieren, und deshalb Gelder aufnehmen muss“, sagt Hotze. Den Businessplan schreibe der Gründer jedoch nicht für eine Bank, sondern immer für sich selbst. Denn wer planvoll gründe und sich mit der Branche, dem Markt und den Mitbewerbern konkret auseinandersetze, sei definitiv erfolgreicher.

Testen kann man seine unternehmerischen Fähigkeiten übrigens über ein Tool, das die HK kostenfrei zur Verfügung stellt. Das Instrument enthalte unter anderem einen Test mit dem Titel „Bin ich ein Unternehmertyp?“, verschiedene Videos und eine Vorlage für einen Businessplan. Sinnvoll sei außerdem, den Businessplan vor dem Einreichen bei möglichen Geldgebern von Experten prüfen zu lassen, empfiehlt Hotze: „Manchmal sind formale, inhaltliche oder Plausibilitätsfehler drin oder er ist zu fachlich geschrieben.“ Auch diesen Service bietet die HK jungen Gründern. Im Internet sind die Tipps der HK unter gruendungswerkstatt-hamburg.de zu finden.

Hotze rät Studenten und Absolventen aber auch, die Unterstützungsangebote der Hochschulen aufzusuchen: „Nutzt Vorlesungen, Workshops und kostenfreie lokale Beratungen. Dort erhält man Infos und Tipps zum Thema Selbstständigkeit.“ Wichtig sei zudem, sich im Vorfeld intensiv mit den Fördermöglichkeiten und den Voraussetzungen für deren Inanspruchnahme zu befassen, um sich nicht versehentlich durch eine falsche Reihenfolge der Schritte den Zugang zu öffentlichen Förderungen zu verbauen.

Claudia-Marie Dittrich, Leiterin der Hamburger Existenzgründungsinitiative
Claudia-Marie Dittrich

Netzwerk der Hochschulen

Auch Dittrich legt Studenten und Absolventen für den Start in die Selbstständigkeit das Netzwerk der Hochschulen ans Herz: „Man hat Kontakte zu Kommilitonen und Professoren, die einen unterstützen. Das fällt Jahrzehnte später weg.“

An den Hamburger Hochschulen würden Firmengründungen zunehmend gefördert, etwa durch Gründerzentren und eigene Lehrstühle für Entrepreneurship. Zum Beispiel habe die Technische Universität Hamburg eigene Programme für den Start in die Selbstständigkeit. „Gerade im innovativen, technologischen und digitalen Bereich kommen Gründungen immer öfter direkt aus den Hochschulen“, so die Expertin.Finanzielle Hilfen biete unter anderem das Förderprogramm InnoRampUp der IFB Innovationsstarter GmbH, einer Tochter der Hamburgischen Investitions- und Förderbank.

Dittrich rät sogar explizit dazu, Geschäftsideen noch während des Studiums umzusetzen. Zwar sei die Doppelbelastung eine gewisse Herausforderung: „Aber die haben andere auch. Und dank zahlreicher Anlaufstellen, auch bei der hei., ist der erste Schritt in die Selbstständigkeit gar nicht so schwierig.“ Immer mehr setze sich nämlich der Trend durch, die eigene Firma im Nebenerwerb zu gründen und den bestehenden Job beizubehalten. Hier seien junge Gründer im Vorteil, da sie in der Regel noch ohne Familie und daher mit weniger Verpflichtungen belastet seien. Studenten und Absolventen könne sie nur ermutigen: „Wenn man eine gute Idee hat, sollte man gleich loslegen.“

Start-up Gründer Daniel Barke von Mylittlejob
Daniel Barke von Mylittlejob

Wäre es einfach, würde es jeder machen“

Start-up Gründer Daniel Barke von Mylittlejob im Interview

Daniel Barke ist gerade einmal 27 Jahre und leitet schon ein international tätiges Unternehmen. Und zwar sein eigenes. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden Marlon Litz-Rosenzweig hat er kurz vor seinem Studienabschluss vor fünf Jahren die Firma Mylittlejob gegründet – mit Erfolg. Vor kurzem hat der Betrieb eine Niederlassung in New York eröffnet. Stuzubi hat mit dem Jungunternehmer gesprochen.

Mit 27 bist du für einen Unternehmer relativ jung. War diese frühe Gründung von Anfang an geplant?

Eigentlich nicht. Ich habe ursprünglich BWL in München studiert und mein Mitgründer Marlon, den ich schon von Schulzeiten kenne, Philosophie, Politik und VWL an einer Uni in England. Die Idee zu Mylittlejob ist entstanden, als wir einen Studentenjob gesucht haben. Erst einmal haben wir im Einzelhandel gejobbt, in der Mode. Da sind wir dann rausgeflogen, im T-Shirtfalten waren wir nicht so gut. Dann brauchten wir schnell für drei Wochen einen Ersatz, und haben einfach nichts gefunden. Sogar in Bars hat man uns abgewiesen, weil die Zeit für eine Einarbeitung zu kurz war. Da haben wir uns überlegt, weshalb es so schwer ist, als Student einen Job mit flexibler Zeiteinteilung zu finden, bei dem man seinen Kopf ein bisschen anstrengen kann. Und daraus entstand dann die Idee zu Mylittlejob.

So eine Idee auch umzusetzen, ist aber nicht ganz einfach. Habt ihr euch professionell beraten lassen?

Nicht im traditionellen Sinn. Die klassischen Wege fanden wir für unser Business zu bürokratisch. Über formale Dinge wie die Gründung einer GmbH oder die Einstellung von Mitarbeitern kann man sich außerdem ganz gut eigenständig informieren. Wir sind aber oft auf Netzwerkveranstaltungen gegangen und haben Kontakte zu anderen Gründern geknüpft. Die konnten wir dann anrufen und um praktischen Rat fragen.

Ist es also wichtig, dass man bei der Gründung auf das Wissen von erfahrenen Unternehmern zurückgreifen kann?

Ja, aber nicht ausschließlich. Ich glaube, man braucht beides, sehr erfahrene Menschen und solche, die auf dem gleichen Level sind wie man selbst. Ein Modell als Vorbild zu nehmen, das 20 Jahre alt ist, bringt nicht unbedingt etwas, das entspricht ja nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten – Erfahrungen mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen schon.

Wie sieht es aus mit einem Businessplan? Macht das Sinn und hattet ihr einen?

(Lacht) Ja, natürlich hatten wir einen Businessplan, ich habe ja BWL studiert. So ein Papier ist aber in erster Linie wichtig für einen selbst, dass man sieht, wo man steht, und sich darüber klar wird, wo man hin will. Das muss nicht 50 Seiten lang sein, 15 Seiten reichen auch.

Verlangt wird ein Businessplan aber auch, wenn man Fördermittel oder Kredite beantragt. Habt ihr das gemacht?

Natürlich, ein Studentenbudget ist ja meistens eher klein, da kann man keine großen Sprünge machen. Wir haben eine Förderung durch Business-Angels bekommen. Und jetzt vor kurzem haben wir unsere zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen, das ist ein wichtiger Schritt für junge Unternehmen. Maßgeblich nutzen wir das Geld, um unsere internationale Expansion voranzutreiben.

Ist es schwierig, als Student ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Aus meiner Sicht ist das Studium eigentlich die beste Zeit für so ein Projekt. Als Student lebt man nicht wie ein König, die Lebenshaltungskosten sind noch sehr niedrig. Man hat meistens keine großen Verpflichtungen, keine Riesenwohnung, keine Familie und kein Haustier. Und man muss keinen gut bezahlten Job aufgeben. Das Risiko bei der Gründung ist im Studium so gering wie nie mehr sonst im Leben. Marlon und ich hatten damals nichts zu verlieren. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre es eben eine interessante Erfahrung gewesen.

Aber eine Menge Arbeit ist es schon…

Klar, das gehört zum Gründen und auch für die folgenden Jahre dazu, viel arbeiten für wenig Geld. Da muss man sich durchbeißen, wenn man wirklich an seine Sache glaubt. Darin liegt aber auch das Demokratische, diese Hürde haben nämlich alle, auch die Mitbewerber. Wäre es einfach, würde es ja jeder machen.