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Wie du deine Chancen nutzt und auf der Karrieremesse glänzt

Selbstmarketing auf der Jobmesse

Erfolgreich auf der Karrieremesse

Die Jobmesse ist alles andere als Vergnügen. Eine gute Vorbereitung ist wichtig.

Gemütliches Schlendern, ein wenig Smalltalk und dazu Gratis-Geschenke oben drauf. Die klassische Jobmesse ist wohl der bequemste Weg von allen, um potenzielle Arbeitgeber kennen zu lernen. Wer das denkt, läuft Gefahr unterzugehen, denn bequem war der Weg zur großen Karriere wohl noch nie. Wer sich schon durch die lockere Messen-Atmosphäre blenden lässt, muss sich in der Schlange der Karrierejäger ganz weit hinten anstellen, denn Tatsache ist: Die Jobmesse ist alles andere als Vergnügen. Wer hier glänzen möchte, muss es besitzen: das Auge fürs Detail, das Gespür für eine Chance, den Instinkt für die richtigen Kontakte. Wie’s geht und was geht haben wir für euch beim Karrieretag Düsseldorf 2016 herausgefunden. Wir haben mit den Unternehmen gesprochen und gefragt, worauf es ankommt.

Nicht kampflos in die Arena

Grundsätzlich gilt schon mal eines: Wer nur das Offensichtliche sieht, hat schon verloren. Ja, eine Jobmesse gibt ein harmonisches Bild: Unverfängliche Gespräche, lockeres Händeschütteln, unverbindliches Sammeln von Broschüren und Flyern. Nett. An alle, die durch diese naive Brille schauen: Ihr habt es leider nicht in Runde Zwei geschafft. Denn wem es nicht gelingt, genauer hinzusehen, dem entgeht so einiges. Vor allem das Wesentliche: Eine Jobmesse ist wie eine Arena. Man verlässt sie als strahlender Sieger oder nichtssagender Verlierer. Alle Parteien sind vertreten: ihr, eure Konkurrenten und die großen Fädenzieher - die Unternehmen. Wenn ihr es also schaffen wollt, eure Konkurrenten auszustechen und am Ende vielleicht sogar selbst den Faden in der Hand zu halten, geht nicht ohne einen Schlachtplan ins Geschehen.

Der gekonnte Griff in den Schrank

1. Ob nun gut oder schlecht: Auch die Geschäftswelt ist oberflächlich. Das heißt: Euch kann man zunächst nicht in, sondern nur vor den Kopf gucken. Es liegt also in eurer Hand, euch gut zu verkaufen und das fängt wie immer schon beim Dresscode an.

„ Sich mit der Unternehmensphilosophie auseinandersetzen, beginnt schon beim Erscheinungsbild. Wir zum Beispiel kommen aus dem 5-Sterne Segment. Wer auf einer Messe zu uns kommt, bekleidet mit kurzen Shorts und tiefem Dekolleté, hat seine Karten schon vor dem ersten Gespräch verspielt.“ Yvonne Wawra, Human Resources Manager, Intercontinental Düssleldorf

Ihr müsst nicht zum Modeexperten werden, aber das gewisse Feingefühl für den richtigen Griff in den Kleiderschrank, wird jedes Unternehmen, jeder Chef und auch jeder Arbeitskollege von Euch verlangen. Beim Besuch auf der Jobmesse muss es kein Anzug, aber vielleicht zumindest das schickere Paar Schuhe und ein gebügeltes Hemd zur Lieblingsjeans sein.

„Auch ein fester Händedruck ist seit jeher ausschlaggebend für eine gelungenen ersten Eindruck."
Fester Händedruck sorgt für guten ersten Eindruck.

Die "gute alte Schule"

2. Hat man es dann doch bis ins Gespräch geschafft, sollte das Siegesgefühl nicht die Überhand gewinnen. Attention! Erst hier müsst ihr euch richtig profilieren und das vom ersten Moment an.

„Sympathie kann man natürlich kaum beeinflussen, aber auf ein paar wesentliche Dinge kann man im ersten Gespräch achten. Als Unternehmen wollen wir Leute, die etwas von sich selbst halten und das auch zeigen. Kommt jemand bei einer Messe auf unseren Stand zu, sollte der Blick fest und gleichzeitig freundlich sein. Bodengucker laufen ‚gegen die Wand‘. Auch ein fester Händedruck ist seit jeher ausschlaggebend für einen gelungenen ersten Eindruck.“ Simon Rofalkski, PIX Software

Im Grunde ist es also immer noch die „gute alte Schule“, die Gold wert ist: ein fester Händedruck, überzeugender Augenkontakt und eine aufrechte Haltung. Kleine Dinge, die einem Unternehmen den Eindruck vermitteln können, dass ihr euch bereit für einen Job fühlt. Ihr könnt Verantwortung übernehmen und wisst, worauf ihr euch einlasst. Das wollen potenzielle Arbeitgeber sehen und spüren.

Verbindlichkeit für verbindliche Angebote

3. Vorbereitung ist alles, auch auf einer Karrieremesse und um bei der Wahrheit zu bleiben: Es wird euch leicht gemacht. Sowohl Organisatoren als auch die Unternehmen selbst sorgen im Vorhinein einer Messe für genügend PR in eigener Sache. Wer sich über Anwesende und Programm informieren will, muss kein Hexenwerk betreiben. Wer ist da? Welcher Kontakt könnte für mich interessant sein? Was muss ich mitbringen?

„Natürlich ist die erste Begegnung auf einer Messe von der Atmosphäre wesentlich angenehmer als ein Vorstellungsgespräch im Betrieb. Bewerbern, die es wirklich ernst meinen, ist dieser Umstand allerdings gleich. Egal ob angespannte oder entspannte Stimmung: Leute, die es schaffen wollen, wissen, dass jeder Kontakt zum Unternehmen ein wichtiger ist.“ Carmen Choi, LBS

„Wer Verbindlichkeit präsentieren will, bringt etwas Handfestes mit: eine Bewerbungsmappe. Aus der Masse herauszustechen, erfolgt im ersten Schritt durch das eigene Auftreten im ‚face-to-face‘ -Gespräch. Der zweite Schritt ist die Mappe, die wir nach der Messe mitnehmen. Wer sich daran hält, hat gute Chancen mit dem Besuch der Messe den entscheidenen Schritt ins Unternehmen gemacht zu haben.“ Markus Tertilte, LBS

Eure Wahl ist exklusiv

4. Interesse zeigen, reicht nicht aus. Ihr wollt nicht einer von vielen sein - genauso geht es den Unternehmen auch. Sie wollen sehen, dass sie einen Sonderstatus bei euch einnehmen, sie wollen eure Identifikation mit dem Unternehmen.

„Jedes Unternehmen will Mitarbeiter, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Leidenschaft heißt in diesem Sinne Interesse und vor allem auch, dass man sich mit dem Betrieb und dessen Philosophie identifizieren kann. Auf einer Messe kann man das zeigen, indem man kluge Fragen stellt und eventuell kleine ‚Facts‘ ganz unverbindlich mit einfließen lässt. Man sollte nicht aufdringlich sein und natürlich aufpassen, dass man nicht wie ein ‚Klugscheißer‘ wirkt, aber wer das richtige Maß findet, bleibt bei uns im Gedächtnis.“
Anna Müller, Höffner

Auf der Messe ist es wichtig, sich aus der Masse abzuheben.
Wichtig ist es aus der Masse herauszustechen

Ratschläge vom Experten

Soweit das Echo der Unternehmen. Und was sagt der Experte, Business-Coach und Führungskräftetrainer Henryk Lüderitz?

...wie kann ich mich vor einer Jobmesse selbst motivieren, die Initiative zu ergreifen?

Bewerbungsprozesse verunsichern nach wie vor durch ihre mangelnde Transparenz. Auch fällt es vielen Young Professionals schwer, die eigenen Kompetenzen plus Persönlichkeit in den CV zu quetschen. Wer sich die intransparenten Prozesse ersparen möchte und gleichzeitig die Chance bekommen will, mit den verantwortlichen Entscheidern zu sprechen, der ist auf einer Jobmesse genau richtig. Besonders dann, wenn durch einen "exotischen" Lebenslauf das Risiko hoch ist, dass standardisierte Prozesse einen nicht bis zum persönlichen Gespräch kommen lassen. Diese Argumente sind für viele meiner Coachingkunden Anlass genug, mit guter Vorbereitung und Motivation auf Jobmessen zu erscheinen. Und für viele von ihnen auch mit dem erhofften Erfolg.

... welche Informationen sollte ich auf jeden Fall von mir preisgeben im Gespräch mit den Unternehmen?

In erster Linie die Informationen, die sich nicht oder nur schwierig im Lebenslauf abbilden lassen. Dazu gehören bspw. prägende Lebenserfahrungen, die zur Persönlichkeitsentwicklung beigetragen haben. Ausserdem ist es wichtig, sich in der Vorbereitung mit den Ziel-Unternehmen auseinanderzusetzen und zu überlegen, welche Probleme man dort lösen könnte. In diesem Zuge bietet es sich an, die persönlichen Kompetenzen in den "Ich bin die Lösung für einen Teil eurer Probleme"-Entwurf geschickt einzuflechten.

.... wie reagiere ich auf direkte Konkurrenten an einem Messestand?

Am einfachsten ist es, den großen Ansturm abzuwarten und lieber vorstellig zu werden, wenn weniger los ist. Sind die Stände dauerhaft belagert, empfiehlt es sich, per Blickkontakt einen Unternehmensvertreter höflich zum Gespräch aufzufordern und sich dann nur noch diesem Gesprächspartner zu widmen. Egal wer und was nebenan alles so passiert.

...wie hebe ich mich am besten von der breiten Masse ab?

Neben den Tipps von Meike in diesem Artikel zu den üblichen Verdächtigen Vorbereitung, Auftreten und professionellen Unterlagen, kann aus meiner Erfahrung eine entwicklungshungrige, selbstkritische und teamfähige Persönlichkeit ein guter Bonus sein. Unternehmen suchen immer seltener nach spitz ausgebildeten Experten. Agile Unternehmensstrukturen sind stark in Mode und Unternehmen können zukünftig mit "Nerds" weniger anfangen als mit universell einsetzbaren Mitarbeitern, die sich mit Herzblut für die Entwicklung des Unternehmens einsetzen.

Meike Kühlkamp

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