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Ausbildung & Studium im Bereich Naturwissenschaft & Technik lohnt sich

Mathematikstudent Max Klinger

Software zu programmieren gehört mit zum Repertoire von Mathematikern, einem Bereich der MINT-Fächer.

MINT-Absolventen sind gefragt wie nie zuvor

Die Fachkräftelücke habe Rekordniveau erreicht, vermeldet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im MINT-Frühjahrsreport. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik und bezieht sich auf eine akademische Qualifizierung und auf Ausbildungsberufe. Was MINT-Berufe zu bieten haben, verraten ein angehender Fachinformatiker, ein Mathe-Student und drei dual Studierende der Fachrichtungen Chemie, Maschinenbau und Elektrotechnik im Stuzubi MINT-Special.

Seit Jahren beklagen Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) oder die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) einen Fachkräftemangel im MINT-Bereich. Das IW spricht inzwischen von einem „Allzeit-Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen“: Im MINT-Frühjahrsreport 2018 ist von 486.600 offenen Stellen die Rede – eine Steigerung um 32,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für diejenigen, die sich für Mathe, Technik und Naturwissenschaften interessieren, bedeutet diese Entwicklung jedoch beste Berufschancen. Besonders gesucht sind derzeit Absolventen einer Berufsausbildung im MINT-Bereich – der Anteil der nichtakademischen Berufskategorien an der Fachkräftelücke liege bei rund zwei Dritteln, heißt es in der Studie des IW.

Als Fachinforma­tiker lernt Aljoscha Programmieren und erfährt jede Menge über Netzwerke.
Aljoscha Magon Fachinformatiker

Erfahrungsbericht Fachinformatiker - programmieren, tüfteln, schrauben

Zu den Ausbildungsberufen der MINT-Branche zählt unter anderem der Fachinformatiker. Denn: Wer programmieren lernen möchte, muss nicht unbedingt an die Uni. Aljoscha Magon erfährt bei seiner Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration, wie man Software entwickelt, wie Netzwerke und Datenbanken funktionieren und wie Hardware installiert wird.

„Schon in der neunten Klasse haben mich meine Familie und meine Freunde immer geholt, wenn sie Probleme mit dem Rechner hatten“, erinnert er sich. Nach einem Praktikum in der EDV-Abteilung eines Krankenhauses habe er sich entschieden, sein Interesse für Computer zum Beruf zu machen. „An die Uni wollte ich nach 13 Jahren Schule aber nicht“ erklärt er. Deshalb habe er sich auf einen Ausbildungsplatz beworben.

Nun lernt er unter anderem, Netzwerke zu erstellen und Schnittstellen für Geräte einzurichten, Bauteile an einem Mainboard, einem Drucker oder einem Notebook auszutauschen und Skripte für Software zu schreiben. Dabei ist er auch beim Kunden vor Ort tätig „Dass man als ITler nur vor dem Rechner sitzt, ist ein Gerücht“, betont er. Sein Ziel sei es, später einmal als Projektmanager zu arbeiten. Vorstellen könne er sich inzwischen aber auch, doch noch zu studieren – am liebsten parallel zum Beruf: „Es gibt ja jede Menge Angebote dieser Art.“

Max entschied sich allein aus Interesse an der Materie für das klassische Mathematikstudium.
Mathematik Studium Uni

Erfahrungsbericht Mathematikstudium - Mathe und der Satz vom Fußball

In der IT-Branche, in der übrigens der Fachkräftemangel laut IW-Studie am höchsten ist, könnte auch der Mathematik-Student Max Klinger arbeiten. Software zu programmieren gehöre mit zum Repertoire von Mathematikern, erklärt er. Für sich schließe er diesen Weg jedoch aus: „Vielleicht gehe ich in die Finanzwirtschaft, aber ich habe noch keinen Plan.“ Ebenso möglich sei eine Beschäftigung bei einer Rückversicherung: „Die Stochastiker unter uns landen dort oft und berechnen, wie wahrscheinlich welche Risiken sind.“

Entschieden hat sich Max für ein klassisches Mathematikstudium an der Universität allein aus Interesse an der Materie. Sich viele Stunden am Tag mit mathematischen Fragestellungen zu befassen falle ihm nicht schwer, sagt er: „Mathe ist einfach wunderschön.“

Gleich im ersten Semester habe er sich zum Beispiel mit dem Satz vom Fußball beschäftigt. Dieser besagt: Wenn man den Ball zur zweiten Halbzeit wieder auf die Mittelllinie legt, befinden sich mindestens zwei Punkte an exakt der gleichen Stelle im Raum wie beim ersten Anstoß – egal, wie man den Ball dreht und wendet. Alle Drehungen seien nämlich durch eine Achse beschreibbar, erklärt Max: „Das kann man nachweisen.“ Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften müsse man sich in der Mathematik nicht mit Ausnahmen plagen, die Gedankengebäude seien völlig schlüssig. Wer das Fach studieren wolle, müsse aber Begeisterung für die Thematik mitbringen: „Wer das hat, schafft sein Studium auch.“

Bei seinem Dualen Studium erwirbt David einen Bachelor in Chemie und macht eine Ausbildung zum Chemielaborant.
David Gehler Duales Studium Chemie

Erfahrungsbericht Chemiestudium - Versuch macht klug

Interesse für das Fach war auch bei David Gehler ausschlaggebend für seine Studienwahl. Schon als Schüler habe ihn Chemie fasziniert, berichtet er. Allerdings wollte er sein Wissen von Anfang an mit Praxis verbinden. Deshalb bewarb er sich für ein Duales Studium der Fachrichtung Chemie mit einer integrierten Ausbildung zum Chemielaboranten: „Das hat den Vorteil, dass man sofort Geld verdient und außerdem noch eine praktische Ausbildung bekommt.“

An der Hochschule befasst sich David nun mit Chemie, Biotechnologie und Mikrobiologie, aber auch Physik und Mathematik. Obwohl er in Mathematik als Schüler stets Bestleitungen erzielt habe, sei das Fach für ihn im Studium eine echte Herausforderung, gesteht er: „Hier arbeiten wir mit Funktionen, bei denen die Bildung des Integrals durchaus anspruchsvoll ist.“

Im Betrieb wendet David sein Wissen an und stellt zum Beispiel aus Alkohol und Säure Esther her. „Erst rechne ich aus, wie viel dabei herauskommen müsste, und dann prüfe ich, ob die Menge stimmt“, erzählt er. Auch an der Kontrolle von Abwasserproben auf darin enthaltene Substanzen sei er beteiligt. Mit den an der Hochschule erworbenen Theorien könne er konkrete Probleme bearbeiten: „Und die Ergebnisse stimmen dann auch in der Praxis.“

Seinen Beruf habe er zwar ausschließlich aus persönlichen Interessen gewählt, räumt David ein. Über die guten Karrierechancen von Naturrwissenschaftlern sei er sich aber bewusst. Vor allem, wenn sein Studium gerade einmal anstrengend sei, sei dieser Aspekt durchaus motivierend, sagt er.

Philipp studiert dual Maschinenbau mit einer Ausbildung zum Industriemechaniker.
Philipp Baier Duales Studium Maschinenbau

Erfahrungsbericht Maschinenbau - Giganten in Papier

Philipp Baier fand seinen beruflichen Weg über ein Auslandspraktikum. In der Indonesischen Hauptstadt Jakarta lernte er sechs Wochen lang den Arbeitsalltag eines Maschinenbauers kennen – und zwar an einer riesigen Papiermaschine. „Bis dahin wusste ich noch nicht, ob ich in die wirtschaftliche oder technische Richtung gehen will“, erzählt er. Die Anlage habe ihn jedoch so fasziniert, dass er sich bei dem Unternehmen beworben habe.

Nun absolviert er ein ausbildungsintegriertes Duales Studium der Fachrichtung Maschinenbau samt Abschluss zum Industriemechaniker. Das bedeutet: Als Lehrling schweißt, feilt, bohrt und fräst Philipp in der Ausbildungsstätte seines Betriebs. Gleichzeitig übernimmt er im praktischen Teil seines Studiums schon erste Ingenieursaufgaben. Zum Beispiel hat er an der Entwicklung einer Konstruktion für einen Versuchsstand gearbeitet, mit dem der Gummibezug von Walzen getestet wird. „Dazu modelliert man das Bauteil am Computer“, erklärt Philipp.

An der Hochschule erhält er unter anderem Unterricht in Mathematik, Physik, Chemie, technischer Mechanik, Festigkeits- und Strömungslehre und dem Fach Maschinenelemente. Spezialisiert hat er sich auf den Bereich Konstruktion. Nach seinem Abschluss will er in seinem Unternehmen als Serviceingenieur arbeiten und Kunden aus aller Welt bei der Wartung und Instandsetzung von Papiermaschinen beraten.

Irene absolviert ein Duales Studium in Elektrotechnik samt Ausbildung zur Elektronikerin.
Irene Thomas Duales Studium Elektrotechnik

Erfahrungsbericht Elektrotechnik - komplexe Mathematik in der Raffinerie

Irene Thomas liebäugelte nach dem Abitur zunächst mit einem Physikstudium. Nach einem Beratungstag für Schüler an der Universität entschied sie sich jedoch für ein ausbildungsintegriertes Duales Studium der Fachrichtung Elektrotechnik in Kombination mit einer Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik.

Den praktischen Teil ihres Studiums verbringt sie hauptsächlich in einer Raffinerie. „Ich wollte in den Energiebereich“, sagt sie. Unter der Aufsicht von erfahrenen Facharbeitern wechselt sie zum Beispiel Ventile und Motoren oder Lampen aus. Dabei lerne sie die Anlage und die Funktionsweise ihrer Einzelteile kennen, erklärt sie.

Wie die Raffinerie im gesamten arbeite, werde den Studierenden in Seminaren vermittelt. Auch eigene Projekte habe sie bereits übernommen und zum Beispiel ein Bandfördermodell zur Sortierung von Metall- und Kunststoffwürfeln programmiert und gebaut, berichtet sie.

An der Hochschule befassst sie sich unter anderem mit Differenzial-, Integral- und Vektorrechnung, Physik, Informatik, Regelungstechnik und natürlich Elektrotechnik. Nach ihrem Abschluss könne sie sich vorstellen, ihr Wissen noch durch ein weiterführendes Masterstudium zu vertiefen.

Als Frau zählt Irene übrigens im MINT-Bereich immer noch zu einer Minderheit. Selbst ihre Familie und ihre Freunde seien über ihren Berufswunsch zunächst verwundert gewesen, erinnert sie sich. Ihr Erfolg im Studium habe ihr Umfeld aber zum Umdenken bewogen, und aus der anfänglichen Verwunderung sei Bewunderung geworden.

Die Karrierewege von Aljoscha, Max, David, Philipp und Irene zeigen jedoch vor allem eines: Der MINT-Bereich ist vielfältig und bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Gemeinsam ist allen Richtungen, dass die Absolventen mit hervorragenden Berufsaussichten rechnen können. Darf man der Prognose des IW und der Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände Glauben schenken, wird sich daran in den kommenden Jahren auch nichts ändern.