Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Services erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Auslandspraktika im Studium an der International School of Management

Payam während des Praktikums im Kongo

Nach seinem Praktikum im Kongo hat Payam eine Hilfsorganisation gegründet.

Kulturschock in Vollzeit in der Ferne

Praktikum im Silicon Valley, in Argentinien und im Kongo: Lust auf eine doppelte Dosis an Neuem? Wer ein Praktikum im Ausland absolviert, kann ins Arbeitsleben hineinschnuppern und gleichzeitig ein anderes Land kennenlernen. An der International School of Management (ISM), einer staatlich anerkannten Privathochschule mit Standorten in ganz Deutschland, sind Auslandspraktika bei einigen Studiengängen sogar verpflichtend. Wie Arbeiten am anderen Ende der Welt funktioniert, erzählen die ISM-Studenten Isabel Kruse (22), Theresa Koch (22) und Payam Imani (29).

Isabel hatte die Chance, im Silicon Valley ein Praktikum zu absolvieren.
Isabel absolvierte eine Praktikum im Silicon Valley

Apple, Google, Facebook – neben ihrem Status als Leader der Digitalisierung haben diese Weltkonzerne noch eine Gemeinsamkeit: Ihr Hauptsitz liegt im Silicon Valley, einem Landstreifen südlich von San Francisco in Kalifornien. Geprägt von der Elite-Universität Stanford tummeln sich in der Gegend außerdem eine Reihe innovativer Start-ups. Hier ein Praktikum zu absolvieren – für viele ein Traum. Für Isabel, die inzwischen an der ISM in Dortmund ihren Master in International Business absolviert, wurde dieser Traum Wirklichkeit. Wie sie das geschafft hat? „Zufall“, sagt Isabel und lacht.

Vor einigen Jahren sei sie als Praktikantin im Bereich Finance und Controlling bei einem Aachener Unternehmen für IT-Sicherheit gewesen. Die Firma habe im Silicon Valley ein kleines Büro eröffnet und ihr dort ein weiteres Praktikum angeboten: „Da sagt man natürlich nicht nein, so eine Chance bekommt man nur einmal.“ Nicht ganz einfach sei jedoch die Wohnungssuche gewesen, die bei Auslandsaufenthalten meistens ohne persönliche Besichtigungen vom Heimatort aus stattfindet. Über das – übrigens ebenfalls im Silicon Valley gegründete – Vermietungsportal Airbnb habe sie sich nach Zimmern umgesehen. Doch die Unterkunft, die Isabel am besten gefiel, stellte sich als riskant heraus: „Meine späteren Kollegen haben mich gewarnt, dass die Gegend absolut unsicher ist, und es dort viel Kriminalität gibt.“ Mit Unterstützung der Mitarbeiter der neuen Niederlassung, die einige Zimmer für sie besichtigt hätten, habe sie aber eine schöne Wohngemeinschaft in einem sicheren Viertel gefunden.

Vertriebsprozesse verstehen

Das achtköpfige Team habe sie von Anfang an in den Arbeitsprozess mit eingebunden, berichtet Isabel. Im Vertrieb habe sie unter anderem Kundenanfragen in den Computer eingegeben, Ange- bote und Rechnungen geschrieben und Kollegen bei Meetings begleitet: „Das war sehr spannend und das erste Mal, dass ich Vertriebsprozesse im Ganzen beobachten konnte, vom ersten Kundenkontakt bis zum Vertragsabschluss.“ Zuvor habe sie ein völlig falsches Bild vom Vertrieb gehabt: „Ich dachte, das ist Klinkenputzen, aber da steckt viel mehr dahinter.“ Ihre Erfahrungen im Silicon Valley seien mit ausschlaggebend, dass sie sich im Master nun auf den Bereich Sales spezialisiert habe.

Isabel hat in den USA viele tolle Leute aus der ganzen Welt getroffen.
Isabel mit Freunden im Mission Dolores Park

Schwieriger als erwartet sei in der ersten Zeit jedoch die Verständigung gewesen. Immer wieder sei es vorgekommen, dass sie bestimmte Fachwörter nicht gekannt habe. Falsche Scham sei in solchen Fällen völlig unangebracht: „Ich habe einfach nachgefragt, das war nie ein Problem.“ Ungewohnt waren für Isabel zunächst auch die Arbeitszeiten. Ihre Kollegen seien um 7.30 Uhr ins Büro gekommen und bis 16 Uhr geblieben: „Das kannte ich aus früheren Praktika so nicht.“ Auch Mittagspausen habe es nicht in der für Deutschland üblichen Form gegeben. Statt gemeinsam in der Kantine oder Cafeteria habe jeder für sich am Schreibtisch gegessen: „Das fand ich etwas schade, weil man sich nicht so austauschen konnte und ich nicht richtig zur Ruhe kam.“

Ihr Verhältnis zu den Kollegen sei sehr gut gewesen, privat habe sie sich aber nicht mit ihnen getroffen. Grund dafür sei das Alter gewesen: „Alle anderen waren mindestens 40, hatten Familien und einen anderen Lebensrhythmus als ich.“ Deshalb habe sie sich schon in der ersten Woche ihres Praktikums über eine App bewusst um Kontakte bemüht: „So habe ich viele tolle Leute aus der ganzen Welt kennengelernt.“

Insgesamt habe sie sehr von ihrem fünfmonatigen Auslandspraktikum profitiert, sagt Isabel. In diesem Jahr zieht es sie erneut in die Ferne. Im Herbst wird sie ein Auslandssemester in England beginnen.

In Argentinien hat Theresa eine ganz andere Arbeits- & Kommunikationskultur
kennengelernt.
Theresa lernte die Kultur in Argentinien kennen

Jobvermittlung in Südamerika

Theresa, die an der ISM in Dortmund derzeit ihren Master der Fachrichtung Organizational Psychology & Human Resources Management macht, hatte vor ihrem Praktikum in Argentinien schon Auslandserfahrung. Ein Freiwilligendienst in Marokko und ein Auslandssemester in Lettland haben sie auf dem Geschmack gebracht. „Ich wollte einfach noch einmal etwas anderes sehen“, sagt sie. Einige Monate nach ihrer Rückkehr aus Lettland stand sie ohne Koffer am anderen Ende der Welt – und zwar in Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens. Ihr Ziel: eine Personalagentur, in der sie erste Praxisluft schnuppern und die Kenntnisse aus ihrem Bachelor-Studium der Fachrichtung Wirtschaftspsychologie an der ISM anwenden wollte.

Ein Flug sei damals ausgefallen, so dass sie ihr Gepäck verloren habe, erinnert sich die 22-Jährige. Ihre Mitbewohnerin, eine Studentin, habe ihr aber sofort geholfen, das Problem zu lösen: „Ich hatte das Zimmer virtuell auf gut Glück gemietet.“ Die Wohnung sei sehr schön gewesen, und auch mit ihrer Mitbewohnerin habe sie sich gut verstanden: „Wenn es schlimm gewesen wäre, hätte ich mir eben von dort aus etwas anderes suchen müssen.“

Auch an ihrer Arbeitsstelle sei sie sehr herzlich aufgenommen worden. Um das Praktikum zu bekommen, sei jedoch etwas Hartnäckigkeit nötig gewesen, räumt Theresa ein. Im Internet habe sie gezielt nach Unternehmen im Bereich Personalvermittlung im spanischsprachigen Südamerika recherchiert, berichtet sie. Da sie keine ausgeschriebenen Praktika gefunden habe, habe sie sich initiativ beworben. Insgesamt habe sie rund 30 Bewerbungen verschickt. Die meisten Unternehmen hätten nicht reagiert. „Das ist dort so üblich, statt abzusagen antwortet man einfach nicht.“ Bei ihrer späteren Tätigkeit in der Jobvermittlung habe sie dieses Vorgehen ebenfalls beobachten können.

Eine Personalagentur habe ihr jedoch ein Vorstellungsgespräch per Skype angeboten. Die Verständigung sei anfangs aber ein bisschen holprig gewesen: „Das argentinische Spanisch ist doch etwas anders.“ Auf Englisch auszuweichen sei jedoch in Argentinien keine Option: „Das kann dort nicht jeder.“

Nach dem ersten Gespräch per Webcam sei alles sehr schnell gegangen: „Das ist die südamerikanische Kultur, wenn man sich ein bisschen kennt, sind die Dinge ganz unkompliziert.“ Die Spontanität der Südamerikaner prägte Theresas Praktikum von Anfang an. Nach der ersten Woche habe sie eigenständig Projekte übernommen, Bewerber eingeladen und später sogar Assessment-Center geleitet und Vorstellungsgespräche geführt. „Das wäre in Deutschland im Praktikum undenkbar“, sagt Theresa und lacht.

Die Herzlichkeit der Menschen in Argentinien hat Theresa sehr fasziniert.
Die Menschen in Argentinien sind sehr herzlich

Bewerbungsfotos mit Hund

Für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich sei auch das argentinische Bewerbungsverfahren: „Da schicken die Kandidaten als Foto auch mal ein Selfie mit Hund mit.“ Vorstellungsgespräche seien teilweise völlig spontan mit einem Vorlauf von einer halben Stunde vereinbart worden. Ähnlich unkonventionell sei es im Assessment-Center zugegangen: „Die Bewerber haben manchmal ganz verrückte Aufgaben bekommen, und mussten zum Beispiel versuchen, ein Fahrrad ohne Sattel zu verkaufen.“ Bei Führungskräften sei das Vorgehen etwas förmlicher gewesen. Jedoch würden auch hier Methoden eingesetzt, die nach europäischen Standards völlig veraltet seien. Etwa würden den Bewerbern mehrdeutige Bilder gezeigt und aus den jeweiligen Interpretationen der Kandidaten bestimmte Schlüsse gezogen: „So etwas macht man bei uns schon lange nicht mehr.“

Spürbar sei bei ihrem Praktikum im Personalbereich auch die angespannte soziale Situation Argentiniens gewesen. Die Arbeitslosigkeit sei hoch, und die Sicherungssysteme seien ungleich schlechter als in Deutschland: „Die Leute dort brauchen ganz dringend einen Job.“ Auch auf einfache Stellen, etwa im Callcenter, seien Hunderte an Bewerbungen eingegangen. Auf die Stimmung der Argentinier schlägt sich die wirtschaftliche Unsicherheit jedoch nicht nieder. Die Herzlichkeit der Menschen habe sie immer wieder beeindruckt, schwärmt Theresa. Mit ihren Kollegen habe sie auch außerhalb der Arbeit oft Kontakt gehabt und in den knapp drei Monaten ihres Praktikums viele neue Leute kennengelernt.

Auch für Theresa war die Zeit in Argentinien wahrscheinlich nicht der letzte Auslandsaufenthalt. „Ich möchte schon nochmal woanders hin“, sagt sie. Wichtig sei aber, sich im Vorfeld gut über das jeweilige Land und die angebotene Praktikumsstelle zu informieren.

Das Fest der Schule an seinem Praktikumsort hat Payam tief beeindruckt.
Fest der Schule im Kongo

Jenseits aller Standards

Einen mutigen Sprung ins kalte Wasser wagte Payam bei seinem Auslandspraktikum, der seinen Bachelor und Master in International Management an der ISM in Frankfurt absolviert hat. Im Rahmen seines Studiums sammelte er rund drei Monate lang Praxiserfahrung im Kongo in Afrika – dem drittärmsten Land der Welt. „Ich wollte die Chance nutzen und statt etwas Traditionellem etwas Exotisches machen“, erklärt er. Zudem habe sich die Möglichkeit angeboten, weil einer seiner Freunde sich mit einer Farm im Kongo selbstständig gemacht habe: „Wie man in Afrika unternehmerisch tätig ist, hat mich interessiert. Also habe ich die Gelegenheit wahrgenommen.“

Rund einen Monat lang habe er auf der Farm gearbeitet und gelebt – ohne Strom und ohne Wasser. „Ich habe mit angepackt, Maissäcke abgefüllt und am Markt verkauft“, erzählt Payam. Sein Alltag sei in dieser Zeit weitab von europäischen Verhältnissen gewesen. Zu Beginn des Aufenthalts sei er in die Stadt gefahren, um sich mit Wasser und Lebensmitteln einzudecken. Essen und Trinken müsse man jeweils für einen ganzen Monat genau rationieren: „Und aus der Dusche kamen gerade einmal drei Tropfen Wasser, so dass man nach dem Duschen nicht so sauber war, wie man es sich gewünscht hätte.“

Nach diesem Praktikumsabschnitt eröffnete Payam in der kongolesischen Stadt Lubumbashi einen Laptophandel. „Das war sehr spannend, so ein Geschäft von null auf hundert aufzubauen“, schwärmt er. In wenigen Wochen habe er 1.000 Euro Gewinn generiert.

Jedoch funktioniere das Geschäftsleben im Kongo ganz anders als in Europa. Zwar verfüge das Land über ein sehr ausgearbeitetes Rechtssystem, das unter der belgischen Kolonialherrschaft entstanden sei. Eine Durchsetzung der bestehenden Vorschriften finde aber nicht statt. Persönliches Vertrauen sei deshalb enorm wichtig. „In Deutschland verlässt man sich auf den Rechtsstaat. Im Kongo muss man sich einen guten Ruf aufbauen, um mit den Leuten Geschäfte machen zu können“, erklärt Payam.

Vom Praktikum zum Ehrenamt

Konfrontiert gewesen sei er während seines Praktikums aber auch mit großer Armut: „Da fühlt man sich fast schon unethisch, wenn man etwas hat.“ Einige Menschen, zu denen er Kontakt gehabt habe, seien Analphabeten gewesen. Schwierig sei teilweise auch die Verständigung. Die offizielle Amtssprache im Kongo sei Französisch, doch nicht jeder beherrsche sie. Etwa habe einer seiner Fahrer nur Swahili gesprochen: „Wir haben dann irgendwie kommuniziert, und uns letztlich verstanden.“

Trotz der erschreckenden Armut seien die Menschen im Kongo aber sehr liebevoll und hilfsbereit. Deshalb habe er sich in dem Land immer sicher gefühlt: „Wenn dort einer auf der Straße umfällt, sind sofort zehn andere da, die sich um ihn kümmern.“

Die Eindrücke, die Payam aus seinem Praktikum mitgenommen hat, haben ihn so geprägt, dass er eine offizielle, steuerbegünstigte Hilfsorganisation gegründet hat, um eine Schule in der Nähe der Farm, auf der er tätig war, zu unterstützen. „Diese Menschen brauchen ganz dringend Hilfe. Und Zugang zu Bildung, nur so geht es“, betont Payam. Noch gut im Gedächtnis geblieben sei ihm ein Schulfest, bei dem eines der Kinder das Alphabet aufgesagt habe: „Alle Eltern haben völlig begeistert geklatscht, weil sie die Chance gesehen haben, dass es ihren Kindern vielleicht einmal besser gehen wird als ihnen. Das berührt einen dann schon.“

Payams Hilfsorganisation ist auf Facebook vertreten – und Bewerbungen von Praktikanten, die beim Aufbau der Schule im Kongo mithelfen wollen, sind höchst willkommen.