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In der Modebranche sind Kreativität und Sinn fürs Machbare gefragt

Mode-Berufe

Auf der Abschlussfeier der Modeschule haben kleine Models die Kollektion von Rabea auf dem Laufsteg präsentiert.

Als Fashion-Victim seine Leidenschaft zum Beruf zu machen ist gar nicht so einfach – denn der Markt ist umkämpft und der Preisdruck ist hoch. Rabea Vonstein hat es geschafft. Die 23-Jährige ist Absolventin der Schule für Modemacher in Münster und entwickelt inzwischen Kinderkollektionen für das Label Tom Tailor. Ihr Tipp: Realitätssinn und Verständnis für das Handwerk bringen einen im Modegeschäft oft weiter als ein zu hoher Anspruch an die Selbstverwirklichung.

  • Wer im Modegeschäft Fuß fassen möchte, braucht eine solide Ausbildung.
  • Neben Kreativität ist auch Interesse am Handwerk und technischen Prozessen gefragt.
  • Auch in der Mode sind Praktika sinnvoll, um den Arbeitsalltag im Vorfeld kennenzulernen.

„Der Duffle-Coat ist eines meiner Lieblingsteile, ein ganz hochwertiger Stoff mit Alpaka“, schwärmt Rabea. Entworfen hat sie den Mantel für Kinder, der bei einer Modenschau ihrer Schule auf dem Laufsteg präsentiert wurde, für ihre Abschlusskollektion. Doch Glitzer und Glamour gehören heute nicht zu ihrem Arbeitsalltag. Ihre Projekte beginnen meistens mit einer Trendrecherche. „Ich verschaffe mir erst einmal einen Überblick über den Markt und schaue mich um, was andere Labels gerade so machen“ erzählt sie.

Davon inspiriert entwirft sie am Computer die Schnitte für ihre Kollektion. „Natürlich ist es wichtig, dass die Sachen gut aussehen“, räumt sie ein. Gerade bei Mode für Kinder und Babys komme es aber ebenso darauf an, dass die Kleidungsstücke bequem seien: „Das sind dann oft Jogginghosen, und man nimmt weiche Stoffe, die sich auch gut anfühlen.“ Gemeinsam mit ihrer Abteilungsleiterin bespricht sie ihre Entwürfe und sendet die Daten an die Produktion. „Man kann schon kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen, aber man muss auch wissen, was machbar ist“, sagt Rabea.

Mode-Ausbildung: Lernen, was geht

Bei Kindermode spielt auch Bequemlichkeit eine große Rolle.
Schule für Modemacher

Was umsetzbar ist, weiß die junge Modemacherin ganz genau. An ihrer Schule hat sie gelernt, wie ein Schnitt aussehen muss, welche Eigenschaften die unterschiedlichen Stoffe und Garne haben, wie die Maschinen funktionieren, mit denen die Kleidungsstücke produziert werden, und wie die Kosten einer Kollektion kalkuliert werden. Sie hat Modezeichnungen mit Buntstiften per Hand angefertigt und geübt, die Entwürfe in technische Zeichnungen am Computer zu verwandeln. Ebenfalls Teil der Ausbildung: eine Gesellenprüfung als Maßschneiderin.

„In der Firma zeichnen wir aber nichts mehr per Hand, das passiert alles am Computer“ erklärt sie. Auch ihre Fähigkeiten als Schneiderin setze sie im Arbeitsalltag nicht mehr ein. Jedoch sei ihr der handwerkliche Teil der Ausbildung sehr wichtig gewesen: „Das braucht man, um den Produktionsprozess wirklich verstehen zu können.“

Gerne genäht habe sie außerdem schon als Kind. Bei den ersten Versuchen an der Nähmaschine ihrer Mutter sei sie gerade einmal zehn Jahre alt gewesen. Entstanden seien dabei sowohl Kleidungsstücke für sie selbst – zum Beispiel ein Kleid mit Baumwolloberteil und Chiffonrock, das sie zur Abiturfeier ihrer Schwester getragen habe – als auch für viele Kinder in ihrer Verwandtschaft: „In dieser Zeit sind in unserer Familie ganz viele Babys geboren worden, für die ich dann etwas genäht habe.“

Einige dieser Stücke habe sie ihrer Mappe beigefügt, die sie zur Bewerbung an der Schule für Modemacher eingereicht habe. Enthalten gewesen seien auch Arbeiten, die sie für ihr Fachabitur für Gestaltung angefertigt habe, zum Beispiel ihre Facharbeit in Form einer kleinen Skulptur und einige Stillleben: „Die Schule ist relativ offen, was die Art der kreativen Arbeitsproben angeht.“ Eigens für die Mappe erstellt habe sie jedoch Modezeichnungen: „Das musste ich auch erst üben, weil ich es vorher noch nie gemacht hatte.“

Um sich auf ihre Bewerbung an der Schule für Modemacher vorzubereiten, habe sie sich nach dem Fachabitur sogar eine einjährige Auszeit genommen und ein Praktikum in der Damenschneiderei im Bereich Kostüm am Theater Osnabrück absolviert. Verlangt werden praktische Erfahrungen für die Aufnahme an der Schule jedoch nicht.

Ihre Ausbildung sei sehr vielseitig und praxisbezogen gewesen, sagt Rabea: „Als Fächer hatten wir zum Beispiel Stoffkunde und Verfahrenstechnik, aber auch BWL, Produktmanagement, Controlling und Betriebsorganisation.“ Der Unterricht finde montags bis donnerstags jeweils von 8 bis 16 .15 Uhr und am Freitag bis 12.15 Uhr statt. Im vierten Semester werde außerdem im Rahmen einer Projektarbeit mit einer Firma eine fiktive Kollektion erstellt, und im sechsten Semester gebe es ein verpflichtendes halbjähriges Praktikum, das den Auszubildenden Einblicke in ihre spätere Tätigkeit verschaffe: „So weiß man von vornherein, wie der Arbeitsalltag später abläuft.“ Von dieser Bodenhaftung profitiere sie nun. „Mein Beruf ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt habe“, sagt Rabea. Ein Traumberuf? Vielleicht nicht immer – aber eine kreative Aufgabe, die auch im realen Leben viel Freude machen kann.

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