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Kriminologie in der Praxis – ein BKA-Student berichtet von seinem Studium

Duales Studium beim BKA

Wenn die Kapazitäten der Landespolizeien nicht mehr ausreichen, wird das BKA aktiv.

Organisierte Kriminalität und Terror bekämpfen, das klingt spannend. Wer glaubt, der Berufsalltag von Kriminalkommissaren sei so actionreich wie im Fernsehkrimi, irrt sich jedoch. „Um Verbrechen aufzuklären, braucht man logisches Denkvermögen, Empathie und viel Geduld“, sagt Julius Müller (Name von der Redaktion geändert). Und er muss es wissen: Der 24-Jährige studiert im dritten Jahr des dualen Studiengangs zum Kriminalkommissar beim Bundeskriminalamt (BKA).

Polizist gehört zu den Traumberufen vieler kleiner Jungen. Doch längst nicht alle, die diesen Weg wählen, verwirklichen damit einen Kindheitstraum. Er sei erst in der neunten Klasse auf die Idee gekommen zur Polizei zu gehen, berichtet Julius. Um herauszufinden, ob der Beruf zu ihm passt, absolvierte er mehrere Schülerpraktika, dabei auch eines bei der Landespolizei in Rheinland-Pfalz und eines beim BKA. „Das war sehr spannend“, erinnert er sich. Aktiv mitgearbeitet habe er als Schüler zwar noch nicht, er habe aber tiefe Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Polizeiarbeit bekommen – und sich für ein Studium beim BKA entschieden. „Ich wollte lieber an langfristigen Projekten mitwirken und Fälle abschließend bearbeiten“, erklärt er. Das sei bei der Bundesbehörde besser möglich als bei der Schutzpolizei.

Im Studium lernt er nun alles, was er zur Aufklärung von schwerster Kriminalität und internationalen Verbrechen braucht. Dazu gehört unter anderem die Analyse von Tatorten mit moderner Kriminaltechnik: „Dabei geht es zum Beispiel um Methoden zur Sicherung der DNA-Spuren von Tätern oder wir untersuchen, ob eine Schusswaffe schon einmal abgefeuert wurde.“ Auch psychologische Aspekte seien wichtig, etwa die Nachvollziehbarkeit von Straftaten. Als Kriminalkommissar müsse man sich sowohl in das Opfer als auch in den Täter hineinversetzen können. „Wir erfahren viele spannende Hintergründe von Verbrechen“, sagt Julius. Kriminologie und Kriminalistik seien an der Hochschule seine Lieblingsfächer. Weiterer Schwerpunkt seien juristische Fachrichtungen, etwa Strafrecht, die Landespolizeigesetze und auch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Im viermonatigen Grundstudium, das in Brühl bei Köln stattfindet, komme außerdem noch BWL und VWL hinzu. Mathematische Kenntnisse seien im Studium weniger gefragt. „Logisches Denkvermögen, wie es in der Mathematik nötig ist, braucht man in der Kriminologie natürlich schon“, betont Julius.

Ihre Kenntnisse wenden die angehenden Kriminalkommissarinnen und Kriminalkommissare in Praxisphasen in verschiedenen Einsatzstellen an. Mitgearbeitet hat Julius bereits in der Landespolizei in Mannheim. Anders als beim Schülerpraktikum sei er nun als vollwertige Arbeitskraft mit eingebunden gewesen, erzählt er. Beteiligt gewesen sei er unter anderem am Fall der im Pfingstweiher gefundenen Babyleiche, der Anfang 2018 durch die Presse ging: „Die Polizei Mannheim hat sehr viel Personal dafür eingesetzt, aber das Verbrechen konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.“ Anders als im Krimi brauche man als realer Kommissar einen langen Atem: „Man muss zäh sein, die Handschellen klicken nicht nach 90 Minuten.“ Eine psychische Belastung? „Für mich nicht“, sagt Julius. Wem ein Fall zu nahe gehe, könne sich jedoch Hilfe holen: „Da gibt es bei uns entsprechende Stellen.“

Sport und Schusswaffentraining

Um Verbrechen aufklären zu können ist oft auch Büroarbeit nötig. Bild: BKA
Duales Studium zum Kriminalkommissar. Bild: BKA

Basis für die Aufklärung von Verbrechen sei das sorgfältige Sammeln und Auswerten von Informationen. Genau hier liege der Schwerpunkt des BKA: „Es ist schon eher ein Bürojob. Wer jeden Tag Action auf der Straße braucht, ist bei der Schutzpolizei besser aufgehoben.“ Allerdings seien die Einsatzgebiete nach dem Studium vielfältig. BKA-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen zum Beispiel den Personenschutz für hochrangige Politiker und begleiten Persönlichkeiten wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Reisen. Ausgebildet werden sie auch für komplexe Fälle internationaler und organisierter Kriminalität, für die die Kapazitäten der Landespolizeien nicht mehr ausreichen. Das international ausgerichtete BKA bietet außerdem diverse Möglichkeiten zu Auslandseinsätzen.

Teil der Ausbildung ist auch der Umgang mit Schusswaffen und Techniken zur Selbstverteidigung. „Wir werden auf alles, was vorfallen könnte, gut vorbereitet“, versichert Julius. Damit die Studierenden den körperlichen Anforderungen gewachsen sind, müssen sie im Bewerbungsverfahren einen sportlichen Eignungstest schaffen. Mit Kraft- und Ausdauertraining habe er sich darauf vorbereitet. Auch im Dienst spiele Sport eine wichtige Rolle: „Es ist zwar nicht verpflichtend, aber wir haben die Möglichkeit, während der Arbeitszeit beim Dienstsport zu trainieren.“ Julius trainiert zum Beispiel mit einigen anderen Studierenden Triathlon.

Wie man feststellen kann, ob man sich für das Studium beim BKA eignet? „Ein gewisses Bewusstsein für Recht und Unrecht sollte man haben, bei mir war das jedenfalls da“, sagt Julius. Wichtig seien auch Ausdauer, Logik und die Fähigkeit, sich in andere Menschen einfühlen zu können. Wer sich bewerbe, solle sich auf jeden Fall vorher gut informieren, rät er: „Ich habe das gemacht, und das Studium ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Alle Infos zum Studium beim BKA gibt es unter www.bka.das-richtige-machen.de.