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Planlos nach der Schule – mit den Joblingen fand Florian aus seiner Orientierungslosigkeit und hat heute seinen Traumjob

Die Joblinge helfen bei der Ausbildungssuche. Bild: JOBLINGE

Nach jahrelangem Suchen hat Florian mit den Joblingen die richtige Ausbildung gefunden. Bild: JOBLINGE

Etwa ein Drittel aller Abiturienten nimmt sich nach der Schule eine Auszeit, und auch Absolventen des mittleren Schulabschlusses wissen oft nicht, wo es beruflich hingehen soll. Aber was tun, wenn die Orientierungsphase kein Ende nimmt? Genau das ist Florian Brauer (26) passiert – und er ist nicht der einzige, dem es so ergangen ist. Die Joblinge unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen der Einstieg in den Beruf nicht glatt verläuft. Florian hat über die Initiative seinen Traumjob gefunden und macht nun eine Ausbildung als IT System Elektroniker in Mülheim an der Ruhr.

  • Familiäre Krisen oder Fehleinschätzungen der eigenen Interessen können den Berufseinstieg verzögern. Wer den Start in eine Ausbildung nicht alleine schafft, kann Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Die Joblinge unterstützen junge Menschen bei der Berufswahl, der Bewerbung und in der ersten Zeit der Ausbildung, erwarten im Gegenzug aber Motivation und Engagement.
  • Etwa 70 Prozent der Teilnehmer starten nach dem Joblinge-Programm in eine Ausbildung.

Als Florian noch zur Schule ging, waren seine Aussichten eigentlich gar nicht so schlecht. Er absolvierte die Fachoberschule mit Qualifikation und schaffte es in die gymnasiale Oberstufe. Sein Berufswunsch: Lehrer. „Ich habe regelmäßig ein Jugendhaus in Essen besucht und konnte mir die Arbeit mit Kindern gut vorstellen“, erzählt er.

Doch dann kam alles anders. Familiäre Probleme und die Scheidung der Eltern brachten Florians Konzept ins Wanken. Er brach die Schule nach der zwölften Klasse ab. Um sich neu zu orientieren, begann er in der Jugendeinrichtung seiner Kindheit einen Bundesfreiwilligendienst. Doch überrascht stellte er fest: „Immer mit den Kindern zu sein, das war mir zu anstrengend.“ Als Honorarkraft gab er außerdem Nachhilfe für Gymnasiasten und engagierte sich in der Mittagsbetreuung: „Aber die Arbeit mit Jugendlichen war auch nicht mein Ding.“

Nach dem Freiwilligendienst kam das große Nichts. Mit einem Job im Getränkemarkt habe er sich „irgendwie über Wasser gehalten“, erinnert sich Florian: „Ich war komplett planlos.“ Er begann eine Ausbildung zum Mechatroniker, brach ab, jobbte wieder: „Irgendwann habe ich dann gemerkt, so kann es nicht mehr weitergehen, ich muss etwas machen.“

Vom Jobben zur Wunsch-Ausbildung

Die Kombination aus Büroarbeit und handwerklichen Tätigkeiten beim Kunden findet Florian sehr abwechslungsreich.
Jobling Florian Brauer bei der Arbeit.

Über seine Sachbearbeiterin beim Jobcenter habe er von den Joblingen erfahren und sich für das Programm angemeldet. Bevor die Organisation die Teilnehmer unterstützt, müssen sie jedoch erst einmal zeigen, dass sie genug Engagement mitbringen. In einem dreitägigen ehrenamtlichen Projekt bei Renovierungsarbeiten in einer Kindertagesstätte sei die Motivation der Kandidaten getestet worden. „Es gab mehr Bewerber als Plätze, nur 20 konnten mitmachen“, berichtet Florian. Der sanfte Druck habe ihm aber gutgetan: „Man musste sich von den anderen abheben, und das war interessant.“

Florian hat die erste Aufgabe gemeistert und war beim Programm der Joblinge dabei. Er bekam einen Mentor – ein ehemaliger Lehrer – mit dem er gemeinsam über seine Interessen und Fähigkeiten reflektierte. In den Gesprächen habe er sich an seine frühere Begeisterung für Informatik erinnert: „Schon als Zwölfjähriger habe ich meinen Rechner aufgeschraubt, aber das hatte ich ganz vergessen, und gar nicht daran gedacht, dass man daraus einen Beruf machen kann.“ Im Verlauf dieser Orientierungsphase habe er sich dafür entschieden, es in der IT-Branche zu versuchen.

Auch Präsentationstechniken seien bei den Joblingen geübt worden, etwa das sichere Auftreten im Vorstellungsgespräch. Ihre Bewerbungsunterlagen erstellen die Teilnehmer selbst. Jedoch werden die Papiere von Experten geprüft und bei Bedarf verbessert. Um zu vermeiden, dass sich die Kandidaten auf den falschen Ausbildungsplatz bewerben, wenden die Joblinge übrigens einen Trick an: Erst wird das Anschreiben verfasst, dann werden Stellenanzeigen herausgesucht, die dazu passen.

Florian hat auf diese Weise seinen heutigen Arbeitgeber kennengelernt, die Firma GST Gesellschaft für Sicherheitstechnik mbH. Bei einem einwöchigen Probearbeiten habe er erste Einblicke in die Ausbildung bekommen. „Als ich gesehen habe, wie abwechslungsreich das ist, und dass man nicht nur vor dem PC sitzt, sondern auch immer wieder zum Kunden fährt, war mir klar, das ist für mich das richtige“, schwärmt er.

Die Zeiten der Orientierungslosigkeit sind für Florian vorbei. Seine Pläne für die Zukunft: Nach der Ausbildung will er sich zum staatlich geprüften Techniker weiterbilden. Allerdings räumt er ein: „Alleine hätte ich es glaube ich nicht bis hierher geschafft, ohne die Joblinge würde ich vermutlich jetzt noch in den Seilen hängen.“

Die Joblinge im Ruhrgebiet – Zahlen und Fakten

Standorte: Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen (weitere Filialen in Duisburg, Oberhausen und Mülheim in Planung)
Mitarbeiter: 23 Festangestellte und 280 ehrenamtliche Mentoren
Teilnehmende Jugendliche: Insgesamt mehr als 1.050 Joblinge, 45 Prozent mit Fachoberschulreife
Unternehmen: Rund 220 Firmen im Ruhrgebiet stellen in Zusammenarbeit mit den Joblingen Auszubildende ein und bieten Praktika an.
Erfolgsquote: Etwa 70 Prozent der Jugendlichen, die am Programm der Joblinge teilnehmen, beginnen danach eine Ausbildung.
Infos und Kontakt: joblinge.de, FACEBOOK: Joblinge Ruhr

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