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Jurastudium als Plan B

Duales Studium Rechtspflege

Rechtspfleger müssen sich mit Gesetzestexten auskennen.

Der Beruf sei mit einer hohen Verantwortung verbunden, erklärt Weber. Wie Richter und Staatsanwälte seien nämlich auch Rechtspfleger inhaltlich in ihren Entscheidungen unabhängig: „Wenn ich eine Eintragung beim Registergericht nicht erteile, nutzt es nichts, sich darüber bei meinem Vorgesetzten zu beschweren, die Entscheidung darüber liegt erst einmal allein bei mir.“ Wer mit dem Ergebnis nicht einverstanden sei, müsse den juristischen Weg beschreiten und Rechtsmittel einlegen.

Von den Entscheidungen der Rechtspfleger hänge viel ab – beim Registergericht etwa gehe es indirekt auch um Arbeitsplätze und die Entwicklung der Region als Wirtschaftsstandort. Werde eine Eintragung im Handelsregister nicht erteilt, könne das Unternehmen seinen Betrieb nicht aufnehmen. Trotz der großen Verantwortung sei es aber nötig, zügig über die jeweiligen Fälle zu entscheiden: „Sonst schafft man sein Arbeitspensum nicht.“ Wer sich für das Studium bewerbe, müsse daher nicht nur gewissenhaft, sondern auch entscheidungsfreudig sein. Von Vorteil sei auch die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren: „Man kann und muss sich seine Arbeit und die Arbeitszeit weitgehend selbst einteilen.“ Dies biete viel Freiheit und große Spielräume. Auch Home-Office sei an bis zu elf Tagen im Monat möglich. Gefragt sei aber auch ein hohes Maß an Disziplin, um die anspruchsvolle Tätigkeit zu bewältigen.

Bewerbung beim zweiten Anlauf

Nachdem ihr erster Versuch, Rechtspflegerin zu werden, gescheitert sei, habe sie erst einmal vier Semester Jura studiert, berichtet Weber: „Das war mein Plan B.“ Als sich gezeigt habe, dass ihr Notenschnitt nicht für Positionen wie etwa das Richteramt ausreichen werde, habe sie sich erneut für das Duale Studium beim OLG beworben – diesmal mit Erfolg.

Im Unterschied zur Universität sei das Studium an der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege in Rotenburg an der Fulda stark verschult. Es gebe feste Unterrichtszeiten, einen Klassenverband und oft auch klassischen Frontalunterricht: „Beim Jurastudium waren wir 600 Studierende, in der Rechtspflege dann nur noch 60, das ist wie in einer kleinen Familie.“

Dank ihres Vorwissens aus der Uni seien ihr Fächer wie Zivil- und Verwaltungsrecht von Anfang an leichtgefallen. Einstellen müsse man sich jedoch auf einen Praxisschock beim ersten Einsatz in der Behörde. „Als ich das erste Mal vor einer Akte saß, hatte ich gar keine Ahnung, was ich damit tun soll“, verrät Jeannine Weber. Schwierig sei auch, dass die hochkonzentrierte Tätigkeit immer wieder unterbrochen werde, etwa durch Anrufe oder Publikumsverkehr. Dann müsse man dazu in der Lage sein, sich wieder schnell in die komplexe Thematik einzufinden.


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