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Jura - Studium oder Ausbildung

Jura: Ausbildung oder Studium?

Rechtsexperten ohne Robe

Wer bei Gericht arbeiten will, muss nicht unbedingt Jura studieren

Ein Jurastudium ist hart, dauert lange, und das Risiko, den Abschluss nicht zu schaffen, ist vergleichsweise hoch. Doch was viele nicht wissen: Auch ohne juristisches Staatsexamen gibt es die Möglichkeit, sich den Herausforderungen des Rechtssystems zu stellen – zum Beispiel als Rechtspfleger oder Justizfachangestellter. Svea Kötschau (21) und Felix Rode (22) haben sich beim Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main beworben und werden nun in diesen Berufen ausgebildet.

Unterschiedlicher können Kindheitstraum und Wirklichkeit kaum sein. „Bis zu meinem Realschulabschluss wollte ich Tanzlehrerin werden“, erinnert sich Svea, die vor rund zwei Jahren an der Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden ihr Abitur gemacht hat. Statt das Tanzbein zu schwingen, beschäftigt sie sich heute jedoch mit Akten.

Wie es dazu kam? „Für die Ausbildung als Tanzlehrerin war ich damals noch zu jung, deshalb bin ich weiter zur Schule gegangen“, erklärt sie. Die Hochschulreife in der Hand, zog es sie – wie so viele Abiturienten – dann doch erst einmal an die Universität. Ihr bevorzugtes Fach: Jura. Doch statt sich gleich einzuschreiben, besuchte sie zunächst eine Probevorlesung. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte. „Das war mir alles viel zu trocken und zu theorielastig“, erzählt Svea. Auch die Erfahrungen von Freunden hätten sie eher abgeschreckt: „Einige meiner älteren Bekannten haben jahrelang Jura studiert, und wurden einfach nicht fertig."

Im Internet suchte Svea nach Alternativen. Fündig wurde sie beim OLG Frankfurt. Sie bewarb sich mit einem Anschreiben, einem Motivationsschreiben, ihrem Lebenslauf und den letzten beiden Zeugnissen für das Duale Studium zum Rechtspfleger: „So konnte ich mein Interesse für Jura mit meinem Wunsch verbinden, etwas Praktisches zu machen und später im öffentlichen Dienst zu arbeiten."

Was der Beruf konkret beinhaltet? Rechtspfleger sind Beamte und bei Gericht für Aufgaben zuständig, die früher Richter oder Staatsanwälte übernommen haben. Dazu gehören zum Beispiel Nachlassangelegenheiten wie Erbschaften, Grundbucheinträge, etwa bei Hausverkäufen, das Thema Betreuung, bei dem Verwandte oder Rechtsanwälte für demente oder geistig erkrankte Menschen bestimmte rechtlich relevante Entscheidungen treffen, oder die Strafvollstreckung, bei der es zum Beispiel darum geht, eine Drogentherapie statt einer Gefängnisstrafe anzuordnen.