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Mitarbeiterführung im Wandel - Motivation statt Druck

Abteilungsleiterin Christine Wüst

Christine Wüst ist bei DFS Abteilungsleiterin im Bereich Personal.

Sparringspartner und Vertraute

Weiblich, jung, und in einer Führungsposition – gibt es das? Eher selten, auch heute noch. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Christine Wüst (38, Diplom-Betriebswirtin) übernahm bereits kurz nach dem Studium Personalverantwortung. Heute ist sie Abteilungsleiterin für Personal bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). Ihr Credo: motivieren statt kontrollieren.

Sie ist eine von wenigen. „Im Personalbereich arbeiten fast nur Frauen. Trotzdem sind die Führungsposten nahezu immer mit Männern besetzt. Wie das statistisch geht, verstehe ich nicht so ganz“, sagt Wüst. Allerdings gehört sie zu denjenigen, die dieses Missverhältnis ein bisschen zurechtrücken. Eine Ausnahme ist sie jedoch nicht nur in Bezug auf ihr Geschlecht. Außergewöhnlich ist auch das Alter, in dem ihre Laufbahn als Führungskraft begann. „Ich war damals gerade einmal 26“, erinnert sie sich.

Wie sie das geschafft hat? „Schon als Teenager war ich eigentlich immer diejenige, die alles organisiert und die Clique zusammengehalten hat“, erzählt sie. Ob sie sich selbst ein bisschen als Alpha-Tier sieht? „Ein bisschen ist gut“, sagt Wüst und lacht. „Ich bin auf jeden Fall ein Alpha-Tier.“

Erste Erfahrungen mit Führungsaufgaben habe sie bereits im Allgemeinen Studentenausschuss ihrer Hochschule in Ludwigshafen gesammelt. Über die ehrenamtliche Aufgabe habe sie gemerkt, dass es ihr Freude bereite, Entscheidungen zu treffen: „Entscheidungsfreudig sollte man unbedingt sein, wenn man im Bereich Mitarbeiterführung arbeiten will.“

Konkrete Einblicke in das Thema habe sie sofort nach dem Studium bekommen. Schon in ihrem allerersten Job bei einem großen Hersteller von Küchenarmaturen und Spülen sei sie für die Betreuung von Auszubildenden und Studenten zuständig gewesen: „Ich habe damals von meinem Arbeitgeber einen großen Vertrauensvorschuss bekommen.“ Nach zwei Jahren informeller Führungstätigkeit habe sie den offiziellen Titel für ihre Position erhalten.

Jedoch sei die Aufgabe nicht immer einfach gewesen. Ältere Mitarbeiter hätten mitunter Probleme, junge Vorgesetzte zu akzeptieren, räumt Wüst ein. Eine Frau aus ihrem Team habe ihr sogar ganz direkt mitgeteilt, dass sie nicht mit ihr zusammenarbeiten wolle: „Ich habe ihr daraufhin klar gesagt, dass das Leben kein Wunschkonzert ist, aber ich sie gerne kennenlernen möchte.“ Etwas später habe die Mitarbeiterin nach zwanzig Jahren zum ersten Mal im Büro Geburtstag gefeiert, gemeinsam mit ihr und dem Team: „Das war für mich wirklich ein schöner Erfolg.“

Führungskräfte müssen loslassen

Auch heute setzt Wüst darauf, das Vertrauen ihrer Mitarbeiter zu gewinnen. Ihre Strategie sei, Verantwortung abzugeben und das eigenständige Lösen von Aufgaben zu fördern. Als Führungskraft müsse man auch lernen, loszulassen: „Wenn die Leute für das, was sie tun, selbst verantwortlich sind, engagieren sie sich auch. So kommt man viel weiter als mit Druck und Kontrolle.“ Sie stehe ihren Mitarbeitern jederzeit beratend zur Seite und treffe Entscheidungen, wenn jemand nicht mehr weiterwisse: „Aber eigentlich erledigen sie ihre Aufgaben selbst, und ich bin eher ein Ratgeber und Sparringspartner.“

Bewährt habe sich diese Methode auch in ihrem Job bei DFS. Allerdings bedeutet das Delegieren von Verantwortung an Mitarbeiter nicht, dass man als Führungskraft die Füße hochlegen kann. Der Arbeitsaufwand sei enorm, sagt Wüst: „Aber mir macht das nichts aus, für mich ist Arbeit nicht kräftezehrend, sondern eher eine Energiequelle.“

Und Familie? Auch das ist möglich – Wüst ist Mutter einer kleinen Tochter. Jedoch räumt sie ein: „Ohne Unterstützung geht es nicht.“ Zwar gebe es bei DFS flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit zum Home-Office, gerade bei Führungskräften sei der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern aber wichtig. Dank ihrer Eltern bringe sie alles unter einen Hut: „Sie holen meine Tochter vom Kindergarten ab.“ Um Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können, hat die Abteilungsleiterin außerdem einen festen Grundsatz: Sie arbeitet nicht am Wochenende. „Der Samstag und der Sonntag gehören mir und meiner Familie“, sagt sie.

Wie Mitarbeiterführung heutztage aussieht, und wie man erkennen kann, ob eine Führungsposition für einen selbst in Frage kommt, erklären die Experten und Buchautoren Professor Sven Litzcke und Dr. Karin Häring im Stuzubi-Interview.