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Freiwilligendienst, Au-pair-Programm im Ausland

Auslandsaufenthalt in den USA

Wer seinen Auslandsaufenthalt gut organisiert, hat mehr davon.

Fernweh hat viele Gesichter - Auslandstipps von Eurodesk

Freiwilligendienst, Au-pair-Programm, Wwoofen und Workcamp – vier junge Frauen im Abenteuer

Wer ins Ausland will, hat jede Menge Möglichkeiten. Um sich dabei nicht zu verzetteln, hilft eine professionelle Beratung. Mathilda Wenzel, Rebecca Hoffmann, Pauline Bollongino und Luzie Rembold haben sich Tipps geholt über Eurodesk, einem europäischen, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der EU-Kommission geförderten Informationsnetzwerk. Mathilda ist danach als Freiwillige in Russland, Rebecca als Au-pair in den USA, Pauline auf einer Öko-Farm in Norwegen und Luzie in einem Workcamp in Finnland gelandet.

Seit Juni duscht Mathilda kalt. „Im Sommer stellen sie hier das warme Wasser ab“, erklärt die 19-Jährige. Hier, das ist Wladimir – eine Stadt in Russland, rund 200 Kilometer von Moskau entfernt. Mathilda absolviert dort einen Europäischen Freiwilligendienst. Ihre Aufgabe: die Mitarbeit in einem Jugendclub.

„Gleich nach dem Abi studieren, das wollte ich nicht. Ich wusste auch noch gar nicht was“, erzählt sie. Auf einer Messe habe sie die Eurowerkstatt Jena entdeckt, die junge Menschen im Auftrag von Eurodesk über Auslandsaufenthalte berät. Dort habe sie auch von der Möglichkeit erfahren, mit einem Europäischen Freiwilligendienst nach Russland zu gehen: „Das hatte ich gar nicht gewusst und dachte, das Programm gibt es nur für EU-Länder.“ Im Rahmen der Beratung sei ihr das Projekt näher vorgestellt worden. Zunächst habe sie Bedenken gehabt: „Das war so weit weg, und über Russland hört man ja so einiges. Außerdem konnte ich kein Russisch.“ Mit der Zeit sei jedoch ihre Entscheidung gereift. „Irgendwann wusste ich, es ist genau das Richtige“, sagt Mathilda.

Mathilda ging zum Freiwilligendienst nach Russland.
Auslandsaufenthalt-Freiwilligendiesnt in Russland

Seit fast einem Jahr lebt sie nun in Wladimir in einem Studentenwohnheim. Vormittags besucht sie einen Russischkurs an der Universität. Nachmittags arbeitet sie in einem Jugendclub, gibt den Jugendlichen Deutschunterricht und hilft der Leitung bei der Beantwortung von Mails. Die Kommunikation mit den Besuchern des Clubs sei anfangs nicht einfach gewesen, räumt Mathilda ein: „Die jungen Leute in Russland sprechen nicht flächendeckend Englisch.“ In ihrem Russischkurs habe sie aber schnell Kontakte geknüpft. Immer wieder erstaunt sei sie außerdem über die Gastfreundschaft im Land: „Man kennt sich gerade mal eine halbe Stunde, und wird schon zum Essen eingeladen, und trifft dann auch gleich die ganze Familie mit Oma und Opa.“ Bei diesen Einladungen gebe es oft traditionelle russische Gerichte. Zu den landestypischen Speisen zähle Kohl, Rote Beete und Kartoffeln mit verschiedenen Soßen, berichtet Mathilda. In der Kantine der Universität esse sie auch oft Piroggen, die in Osteuropa weit verbreiteten, gefüllten Teigtaschen. Immer wieder koche außerdem ein Kollege in der Arbeit für das gesamte Team: „Dann gibt es häufig Buchweizen, so kleine, braune Körner.“ Salat werde in Russland grundsätzlich mit viel Mayonnaise serviert.

„Einiges hier ist ganz anders als daheim, aber man gewöhnt sich daran und merkt es dann gar nicht mehr“, sagt sie. Das Leben in Russland ist für Mathilda Alltag geworden. Sie hat sich mit vielen russischen Studenten angefreundet: „Die meisten jungen Menschen in Russland studieren, und die Uni hier in Wladimir hat einen guten Ruf, vor allem in Architektur und den Ingenieurfächern.“ Eines jedoch sei völlig unüblich: Sich zwischen Schule und Studium ein Jahr Auszeit zum Reisen zu nehmen. „Darum werde ich hier oft beneidet“, verrät Mathilda.

Was sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland studieren will, weiß sie übrigens inzwischen: Russisch soll es sein, in Kombination mit einem geisteswissenschaftlichen Fach. „Ich will den Kontakt zu dem Land, der Sprache und der Kultur auf keinen Fall verlieren“, betont sie. Langfristig könne sie sich gut vorstellen, einmal für eine Organisation zu arbeiten, die sich mit dem Austausch zwischen Deutschland und Russland beschäftigt.

Babysitten im Big Apple

Weit weg von Zuhause hat es auch Rebecca Hoffmann gezogen – allerdings in Richtung Westen. Wenige Monate nach dem Abitur trat die heute 21-Jährige eine Au-pair-Stelle im New Yorker Stadtteil Brooklyn an. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in diese Stadt komme“, sagt sie.

Dass sie einmal als Au-pair Mädchen ins Ausland gehen würde, habe sie aber schon in der zehnten Klasse entschieden. „Ich habe als Jugendliche regelmäßig Baby gesittet und habe zwei kleine Schwestern“, erklärt sie. Über den Stuttgarter Eurodesk-Partner tips’n‘ trips habe sie sich immer wieder informiert: „Ich wollte auf jeden Fall weit weg, Europa kam nicht in Frage.“

Auf eine passende Au-pair-Familie musste Rebecca aber einige Zeit warten. Über einen Au-pair-Pool, bei dem die Bewerber erst von den Gastfamilien ausgesucht werden und der Kontakt dann über ein Matching-Verfahren zustande kommt, habe sie neun Zuschriften erhalten. Ihr Bauchgefühl habe ihr bei den ersten Angeboten jedoch dazu geraten, diese Stellen nicht anzunehmen.

Bei ihrer späteren Gastfamilie habe die Chemie hingegen von Anfang an gestimmt. Nach einigen Skype-Gesprächen entschied sie sich für die Stelle – und stieg in den Flieger. Rund ein Jahr lang war Rebecca für die Betreuung eines zweijährigen Jungen zuständig: „Es war aber alles ganz entspannt.“ Morgens habe sie mit der Familie gefrühstückt. Vormittags sei sie mit dem Kleinen meistens auf den Spielplatz oder einmal in der Woche auch mit anderen Kindern und ihren Betreuerinnen in den Zoo gegangen. Das Mittagessen habe sie häufig nur aufgewärmt: „Ich hatte daheim extra kochen geübt, habe das aber kaum gebraucht, weil meine Gastmutter so oft vorgekocht hat.“ Nach dem Mittagsschlaf des Jungen habe sie am Nachmittag häufig noch einen zweiten Ausflug mit dem Kind unternommen.

„Viele machen ein Au-pair-Programm nur um zu reisen, aber eigentlich steht die Kinderbetreuung im Vordergrund“, erklärt Rebecca. In den USA werde bei Projekten, die mit Gütesiegel zertifiziert seien, als Voraussetzung ein Minimum von 200 Stunden als Babysitter verlangt, die Bewerberinnen vorweisen müssten. Dafür wird den Teilnehmerinnen eine Reihe an Sicherheiten garantiert: eine maximale Wochenarbeitszeit von 45 Stunden, ein Sprachkurs, eine geregelte Vergütung, ein eigenes Zimmer, keine Übernahme von Hausarbeiten, die nicht das Kind betreffen und ein fester Ansprechpartner vor Ort.

„Die Regelungen für Au-pairs sind in den USA sehr streng“, sagt Rebecca. Die festen Strukturen erleichtern den Mädchen auch, Kontakte zu knüpfen und sich in den neuen Alltag einzufinden. Ihre Betreuerin habe bereits eine Verbindung zu einem anderen Au-pair in der Nähe ihres späteren New Yorker Wohnorts hergestellt, als sie noch in Deutschland gewesen sei, berichtet Rebecca: „Und als ich dann dort war, habe ich natürlich noch viele andere aus dem Programm kennengelernt.“

Schnell habe sich eine Gruppe von Mädchen zusammengefunden. Jedoch seien die meisten von ihnen aus Deutschland gewesen: „Das war ein bisschen schwierig, ich wollte doch Englisch sprechen.“ Auch mit dem Jungen habe sie auf Deutsch kommuniziert, da die Eltern eine zweisprachige Erziehung vorgesehen hätten. „Trotzdem habe ich in dem Jahr einen Zugang zur englischen Sprache gefunden, den ich in der Schule so nie erreicht habe“, sagt Rebecca. Inzwischen studiert sie Kultur- und Medienbildung in Ludwigsburg. Ihre Gastmutter hat sie kürzlich besucht – sie hat nun zwei Kinder.

Süße Zicklein und fauler Fisch

Nicht ganz so weit und nicht ganz so lang wie Mathilda und Rebecca ist Pauline gereist. Damals war die inzwischen 22-Jährige gerade 19. Ihr Ziel: Norwegen. „Nach dem Abitur war es für mich einfach komisch, nicht mehr zu lernen“, erzählt sie. Deshalb habe sie damit begonnen, sich auf eigene Faust norwegisch beizubringen: „Ich fand das witzig.“ Ebenfalls über den Eurodesk-Partner tips’n‘ trips erfuhr Pauline von der Möglichkeit, in Norwegen an Wwoofing-Projekten teilzunehmen. Das bedeutet: Man arbeitet auf einer ökologischen Farm, und kann dafür dort kostenfrei essen und wohnen. „Erst hatte ich einen Wust an Infos“, erinnert sich Pauline. Die professionelle Beratung habe dann aber schnell Klarheit gebracht. Für Wwoofing habe gesprochen, dass das Programm auch kurzfristig angetreten werden könne. Die Anmeldefrist betrage meistens nur zwei oder drei Wochen: „Man schreibt die Farmen an, und sie antworten, ob man kommen kann.“ Auch während des Aufenthalts sei man völlig flexibel: „Man verpflichtet sich zu nichts und kann jederzeit wieder abreisen.“

Pauline ist auf ihrer Farm sechs Wochen lang geblieben. „Es war superschön“, schwärmt sie. Zu ihren Aufgaben habe unter anderem gehört, sich um Ziegen und deren Jungen zu kümmern: „Außerdem durfte ich die ganze Zeit Traktor fahren.“ Erinnern könne sie sich aber auch an eine anstrengende Woche, in der Heu gewendet und zu Ballen verarbeitet werden musste. Wer sich für Wwoofing entscheide, müsse mit körperlicher Arbeit rechnen: „Aber ich mag das, wenn einem die Hände wehtun und man abends weiß, was man gemacht hat.“

Das Pensum ist indes moderat. Mithelfen müssen die Teilnehmer in der Regel etwa fünf Stunden pro Tag. Oft habe sie morgens bis 9 Uhr, manchmal sogar bis 10.30 Uhr geschlafen, berichtet Pauline: „Dann haben wir gefrühstückt, bis etwa 13 Uhr gewerkelt, mittaggegessen und nochmal ein paar Stunden was gemacht.“ Daneben gebe es noch viel Zeit, Land und Leute kennenzulernen – etwa die norwegische Küche: „Da isst man auch mal Sachen, die man sonst nicht bekommt, zum Beispiel vergammelten Dosenfisch.“ Das landestypische Gericht werde mit Kartoffeln serviert. „Schmeckt nicht gut, aber interessant“, sagt Pauline und lacht.

Kennengelernt hat sie bei dem Projekt Wwoofer aus der ganzen Welt – unter anderem zwei Profi-Fußballerinnen aus den USA, von denen eine sie kürzlich besucht hat. Eines ist Pauline bei ihrem Auslandsaufenthalt jedoch nicht gelungen: Norwegisch zu lernen. „Dort sprechen alle so gut Englisch, dass man ganz automatisch die Sprache wechselt.“ Genutzt habe die Reise allerdings ihren Englischkenntnissen: „Das konnte ich danach richtig gut.“ Mitgenommen habe sie von ihrem Abenteuer außerdem eine große Portion Selbstständigkeit: „Wenn man dann an der Uni Erstsemester sieht, die erschrecken, wenn sie einen Seminarraum nicht finden, denkt man sich nach so einem Auslandsprojekt nur ganz entspannt ‚ach, da hab‘ ich schon Schlimmeres erlebt‘.“

In Finnland die Schulbank streichen

Wie interessant Skandinavien sein kann, hat auch Luzie erlebt. Die 17-Jährige war bei einem Workcamp in Finnland. Das Besondere daran: Während für die meisten Auslandsaufenthalte Volljährigkeit vorgeschrieben ist, können an diesen Programmen auch Jugendliche unter 18 Jahren teilnehmen. Erfahren habe sie von dieser Möglichkeit über die Jugendinformation des Eurodesk-Partners tips’n‘ trips, erzählt Luzie: „Ich wollte immer schon ins Ausland, also habe ich mich für das Programm beworben.“

Wie der Name schon sagt, ist ein Workcamp allerdings kein reiner Urlaub. Bei dem zweiwöchigen Projekt habe sie etwa fünf Stunden am Tag mit Arbeiten verbracht, berichtet sie. Ihre Aufgabe: die Renovierung einer Schule mit Internat. „Wir haben zum Beispiel Bänke gestrichen und den Garten verschönert“, sagt Luzie.

Gewohnt habe die Gruppe gemeinsam mit den Betreuern im Schulgebäude. Da das Projekt in den Ferien stattgefunden habe, sei das Haus leer gestanden. Ihr Zimmer habe sie sich mit anderen Mädchen geteilt: „Ich war mit zwei Französinnen und einer Türkin aus Istanbul zusammen, und wir haben uns sehr gut verstanden.“ Aufgestanden seien die Teilnehmer des Camps jeweils um 7.30 Uhr morgens. Nach dem Frühstück traf sich die Gruppe zum Finnischkurs. „Dabei haben wir auch viel über die Kultur des Landes erfahren, das war sehr witzig“, sagt Luzie. Die Finnen seien zum Beispiel leidenschaftliche Saunagänger. Verbreitet sei in dem Land auch das Pflücken von Blaubeeren und der Verzehr von Blaubeerkuchen.

Kontakte zu Finnen habe sie allerdings nur wenig geknüpft, räumt sie ein: „Das lag daran, dass die Schule relativ abgelegen im Wald war.“ Unter den Teilnehmern sei der Austausch aber sehr intensiv gewesen: „Wir waren ganz international, dabei waren eine Polin, zwei aus der Türkei, drei kamen aus Italien und zwei aus Frankreich.“ Kommuniziert habe sie mit den anderen Jugendlichen auf Englisch, und in der Freizeit auch viele Ausflüge mit ihnen unternommen, etwa zu einem nahe gelegenen See: „Das Wasser war zwar kalt, aber trotzdem sind wir viel geschwommen.“ Einmal seien die Camp-Teilnehmer auch mit dem Fahrrad eine Stunde lang zur nächsten Stadt gefahren. „Das war alles klein und ländlich, dort gab es auch nur einen Supermarkt. Es war aber sehr schön“, schwärmt Luzie.

Die zwei Wochen in Finnland haben in ihr nun die Lust auf weitere Auslandserfahrungen geweckt. „Nach dem Abitur möchte ich dann gerne einmal weiter weg“, kündigt sie an. Vorstellen könne sie sich zum Beispiel Afrika. Auch für solche Projekte gibt es bei Eurodesk die richtigen Anlaufstellen. Infos unter www.rausvonzuhaus.de.