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Nach der Schule ins Ausland - eine professionelle Beratung lohnt sich

Tipps zum Auslandsaufenthalt

Wer nach der Schule ins Ausland will, hat viele Möglichkeiten.

Volontourismus - mal eben schnell die Welt retten

Die Entscheidung, nach der Schule ins Ausland zu gehen, fällt oft spontan – doch um von der Auszeit in fernen Ländern wirklich zu protieren, sollte man sich vorher ein paar Gedanken machen, was man von dem Projekt eigentlich erwartet. Wie man einen Auslandsaufenthalt auch in kurzer Zeit gut plant und welche Fehler man vermeiden sollte, verrät Annette Westermann von Eurodesk im Stuzubi-Interview.

Stuzubi: Ins Ausland zu gehen ist bei jungen Leuten sehr beliebt, über Eurodesk werden jährlich etwa 60.000 Beratungen zu dem Thema durchgeführt. Welche Ziele sind besonders begehrt?

Annette Westermann: Die Mehrheit will nach Übersee. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die wir beraten, interessieren sich dabei für den englischsprachigen Raum. Im Trend liegen vor allem Australien und Neuseeland, aber auch die USA. Für Großbritannien hat die Nachfrage seit dem Brexit ein bisschen nachgelassen. Wir empfehlen aber auch immer, sich innerhalb der EU umzuschauen. Auch in Europa gibt es spannende Orte, die viele gar nicht kennen. Grundsätzlich ist es ratsam, sich nicht zu sehr auf ein bestimmtes Land zu xieren, sondern bei der Entscheidung mehr das Projekt zu berücksichtigen, das bei dem Auslandsaufenthalt durchgeführt wird. Es bringt nichts, am Wunschzielort einer Tätigkeit nachzugehen, die einem gar nicht liegt.

Stuzubi: Gibt es auch bei den Programmen bestimmte Vorlieben?

Annette Westermann: Viele sind da ganz oen und legen sich überhaupt nicht fest. Häug werden aber Freiwilligendienste nachgefragt. Das Spektrum ist da sehr breit und reicht von sozialen Projekten über Gesundheit, Naturschutz, Jugendarbeit und Sport bis zum Denkmalschutz. Die Leute wollen sich sinnvoll engagieren und helfen. Das ist an sich schön, aber hier zeichnet sich auch eine Entwicklung ab, die wir mit Skepsis beobachten, der sogenannte Volontourismus. Schwierig ist es zum Beispiel, wenn die Freiwilligen mit traumatisierten Menschen arbeiten sollen. Wer in einem Frauenhaus in Afrika oder im Kinderheim in Indien lebt, braucht die Unterstützung von ausgebildeten Fachkräften. Ein Schulabgänger aus Deutschland, wie soll der denen denn helfen? Der Freiwillige merkt dann auch, dass er eigentlich gar nicht gebraucht wird und ist enttäuscht.

Annette Westermann gibt Tipps für den Auslandsaufenthalt.
Annette Westermann ist Expertin für Auslandsaufenthalte

Stuzubi: Dann raten Sie von solchen Vorhaben ab?

Annette Westermann: Die Entscheidung für oder gegen ein Programm muss jeder selbst treen, wir sind grundsätzlich neutral. Solange Volontourismus niemandem schadet, und sich der Freiwillige darüber bewusst ist, was passiert, ist auch das in Ordnung. Wir möchten den Jugendlichen nur dabei helfen, darüber nachzudenken, was sie wollen. Das gilt auch für Work and Travel, eine Variante, die ebenfalls oft nachgefragt wird. Manche haben davon falsche Vorstellungen, etwa, was die körperliche Arbeit angeht. Im australischen Outback ohne Handyempfang bei sengender Sonne acht Stunden auf einer Ananasfarm zu arbeiten ist in der Realität für viele eher mäßig romantisch. Auch der nanzielle Aspekt wird häug nicht richtig eingeschätzt. Der Verdienst beim Work and Travel reicht, wenn man Glück hat, gerade einmal dazu, um in den Arbeitsphasen den Lebensunterhalt zu bestreiten. Man braucht also Rücklagen.

Stuzubi: Sind Auslandsaufenthalte immer mit Kosten verbunden?

Annette Westermann: Ja, einen Teil der Finanzierung muss man immer selbst übernehmen, auch bei geförderten Freiwilligendiensten. Eine Ausnahme bildet das Europäische Solidaritätskorps, das ehemals Europäischer Freiwilligendienst hieß und bis auf höchstens eine kleine Beteiligung an den Reisekosten von der Europäischen Union voll gefördert wird. Das Europäische Solidaritätskorps eignet sich daher auch für Leute, die kein Geld für einen längerfristigen Auslandsaufenthalt haben. Bei den anderen geförderten Freiwilligendiensten bewegt sich der Eigenanteil in einem moderaten Rahmen. Es gibt auch die Möglichkeit, den Eigenanteil durch den Aufbau eines sogenannten Unterstützerkreises zu nanzieren. Hier werben die Jugendlichen um Spenden für ihr Auslandsprojekt bei Leuten aus ihrem Umfeld oder führen Aktionen durch, mit denen sie Geld verdienen. Die Spender bekommen von den Entsendeorganisationen eine Spendenquittung, die sie steuerlich geltend machen können. Die Jugendlichen verpichten sich, ihre Spender regelmäßig über ihren Dienst zu informieren, womit ihre Erfahrungen auch in die Öffentlichkeit gelangen.

Stuzubi: Wie sieht es mit der klassischen Au-pair-Stelle aus, machen Jugendliche das noch?

Annette Westermann: In diesem Bereich geht die Nachfrage ein bisschen zurück, obwohl Au-pair das älteste aller Auslandsprogramme ist. Wer sich dafür interessiert, sollte über eine Organisation gehen, die das Au-pair Gütezeichen hat. Damit ist dann eine gute Betreuung gesichert, man hat einen Ansprechpartner vor Ort, ein eigenes Zimmer, bekommt einen Sprachkurs und vieles mehr. Auf keinen Fall sollte man sich einfach eine Gastfamilie im Internet suchen.

Stuzubi: Und bei den anderen Auslandsaufenthalten, wie ndet man da eine gute Organisation?

Annette Westermann: Ein gewisses Kriterium ist die öentliche Förderung. Diese Programme werden einer bestimmten Prüfung unterzogen. Man kann aber nicht pauschal sagen, dass geförderte Projekte gut und private Anbieter schlecht sind. Es gibt auch sehr anspruchsvolle kommerzielle Programme. Hier muss man aber genau hinschauen und lesen, was im jeweiligen Vertrag steht.

Stuzubi: Wie viel Zeit sollte man für die Organisation eines Auslandsaufenthalts einplanen?

Annette Westermann: Je früher man anfängt, desto mehr Auswahl hat man. Viele wollen aber spontan ins Ausland, und oft auch nur für relativ kurze Zeit. Das geht auch, wir haben auf unserer Webseite einen Last Minute Markt. Es springen nämlich auch immer wieder Teilnehmer kurzfristig ab, zum Beispiel, wenn sie überraschend einen Studienplatz bekommen, sodass wieder Plätze frei werden.

Stuzubi: Was für Tipps können Sie sonst noch geben?

Annette Westermann: Hilfreich ist es, wenn man vor dem Auslandsaufenthalt einmal mit jemandem sprechen kann, der das Programm schon absolviert hat. Viele Organisationen bieten solche Gespräche mit Ehemaligen an. Außerdem ist natürlich eine neutrale Beratung gut. Auf unserer Internetseite können Jugendliche nach Ansprechpartnern in ihrer Nähe suchen und einen Termin vereinbaren.

Stuzubi: Haben Sie auch selbst einmal einen Auslandsaufenthalt absolviert?

Annette Westermann: Ja, ich war im Studium als Fremdsprachenassistentin in Frankreich.

Stuzubi: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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