Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Services erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Natur wird Technik - Interaktive Ausstellung stellt Fachrichtung Bionik vor

Das Fach Bionik verbindet Biologie & Maschinenbau

Alexander arbeitet in der Lehrwerkstätte von Otto Bock

Alles im Griff: Alexander arbeitet in der Lehrwerkstätte von Otto Bock an vielen kleinen Details für innovative Armprothesen. Fotos: BIOKON e.V.

Interaktive Ausstellung stellt zukunftsweisende grüne Berufe vor

Maschinen, Geräte und Werkstoffe für den Weltmarkt entwickeln und sich gleichzeitig mit Natur beschäftigen und einen Beitrag zum Umweltschutz leisten – ein Gegensatz? Mitnichten.

Die Fachrichtung Bionik verbindet Wissenschaften wie Biologie mit Disziplinen wie Maschinenbau und schafft dadurch Berufe, die natürliche Prozesse für die Technik nutzen. „GREEN UP YOUR FUTURE“, eine Wanderausstellung zum Mitmachen, stellt derzeit Studien- und Ausbildungsgänge aus dem Bereich Bionik und weitere grüne Berufe vor. Gezeigt wurde das Projekt auch auf der Karrieremesse Stuzubi in Berlin.

„Jedes unserer Ausstellungsstücke hat einen gewissen Wow-Effekt“, schwärmt Dr. Rainer Erb, Geschäftsführer der Organisation „BIOKON – Forschungsgemeinschaft Bionik Kompetenznetz e.V.“, die die Kampagne „GREEN UP YOUR FUTURE“ gemeinsam mit dem „Green Economy Academy e.V.“ veranstaltet. Noch bis 2019 tourt das Projekt durch deutsche Städte, um junge Leute für grüne Berufe zu begeistern.

Gezeigt wird zum Beispiel eine bionisch inspirierte Handprothese. Auf Knopfdruck kann sie von den Besuchern gesteuert werden. „Die Hand real zu benutzen geht natürlich nicht, wenn man seine eigenen Hände noch hat. Aber wir haben dafür gesorgt, dass man bei den Exponaten so viel wie möglich ausprobieren kann“, erklärt Erb. Was Bionik bedeutet, erläutert er anhandeiner Haifischhaut. „Dinge, die länger in natürlichen Gewässern wie Seen oder dem Meer sind, bewachsen irgendwann mit Algen, Seepocken und Muscheln“, so der Experte. Bei Haifischen und Rochen passiere dies aber nicht. Dieser Effektwurde von Bionikern untersucht und für technische Produkte genutzt: „Wir haben uns genau angeschaut, wie eine Haihaut strukturiert ist, und diese Eigenschaften auf einen Lack übertragen.

Das Bionik-Känguru ist im Teamwork entstanden, es ist aber auch ein bisschen das „Baby“ von Nadine. Bei Präsentationen hilft sie ihm auf die Sprünge.
Nadine und ihre Hightech-Version eines Kängurus

Schiffe mit Haihaut

Mit diesem Lack werden nun Boote und kleinere Schiffe gestrichen. Der Vorteil: Die neue Farbe verhindert den Bewuchs. Das senkt den Treibstoffverbrauch erheblich und damit auch die Umweltbelastung und die Kosten.

„Es stimmt nämlich nicht, dass Ökologie und Ökonomie gegensätzlich sind, bei der Bionik geht das Hand in Hand“, sagt Erb. Der entwickelte Lack sei außerdem im Unterschied zu bisherigen Anti-Fouling-Anstrichen weder giftig noch umweltschädlich.

Einziges Manko: Die neue Farbe ist bisher zwar streichfähig, jedoch nicht spritzfähig. „Große Schiffe werden aber heutzutage nicht mehr gestrichen, sondern nur noch gespritzt“, erklärt Erb. Einen spritzfähigen Schiffslack zu entwickeln sei eine Herausforderung, an der Wissenschaftler aus der Bionik aktuell arbeiten.

Mit dem Hai per Du: Stefanie hat an der Hochschule Bremen die Struktur der Haihaut erforscht.
Stefanie hat die Haihaut erforscht

Blick über den Tellerrand

Wo man Bionik lernen kann? Angeboten wird der Studiengang, der Elemente der Biologie mit Aspekten des Maschinenbaus verbindet, zum Beispiel an der Hochschule Bremen, der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen und der Hochschule Rhein-Waal in Kleve.

„Wer auf diesem Gebiet arbeiten will, muss aber nicht unbedingt studieren“, betont Erb. Beteiligt seien an Aufgaben der Bionik auch Fachkräfte verschiedener Ausbildungsberufe wie etwa Lacklaboranten oder Chemikanten.

Grundsätzlich sei Bionik eine interdisziplinäre Wissenschaft, bei der Vertreter mehrerer Fachrichtungen in großen Teams zusammenarbeiten: „Wichtig ist deshalb auch, dass man dazu in der Lage ist, übergreifend zu denken und über den Tellerrand hinauszuschauen.“

Die Arbeit im Labor geht Hand in Hand: Der Ausbilder erklärt dem Lacklaborant-Azubi Heinrich das Tropfenmessgerät.
Ausbilder erklärt dem Lacklaborant-Azubi Heinrich das Tropfenmessgerät

Bionik in der Praxis

Was das heißt, verdeutlicht die Ausstellung „GREEN UP YOUR FUTURE“. Dort sind neben den Exponaten auch Azubis und Studierende zu sehen, die Einblicke in ihren Arbeits- und Studienalltag geben. Zwar sind sie nicht persönlich vor Ort, aber in Form von lebensgroßen Darstellungen sympathischer Original-Protagonisten.

„Das sind reale Personen, die wirklich in der Bionik tätig sind“, sagt Erb. Zu jedem vorgestellten Beruf können die Ausstellungsbesucher Filme abspielen,  die ganz konkret zeigen, wie die Figuren im echten Leben Aufgaben der Bionik umsetzen.

Zu sehen war „GREEN UP YOUR FUTURE“ auf der Karrieremesse Stuzubi am Samstag, 11. Februar 2017, von 10 bis 16 Uhr im Hotel MOA in Berlin. Einen zweiten Termin wird es von Montag, 24. bis Freitag, 28. April 2017 auf der Hannover Messe geben.

Geplant sind zudem zahlreiche weitere Standorte in ganz Deutschland. Ort und Zeit der Ausstellungen werden jeweils im Internet unter green-up-your-future.de bekannt gegeben. Auf der Homepage gibt es darüberhinaus jede Menge Infos und Filme zum Thema Bionik.