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Berufseinstieg als Ingenieur: Die richtige Strategie

Berufseinstieg als Ingenieur

Bei einem Berufseinstieg als Ingenieur ist die richtige Strategie wichtig.

Der Berufseinstieg eines Ingenieurs kann für die gesamte Karriere entscheidend sein. Besonders problematisch ist es, wenn die Lücke zwischen dem Studienabschluss und der ersten festen Stelle zu groß wird. Eine gute Bewerbungstaktik und alternative Möglichkeiten versprechen Abhilfe.

Einige Kardinalfehler beim Umstieg von Hochschule in der Berufspraxis sollten vermieden werden, um den Lebenslauf nicht mehr als nötig zu belasten und den Berufseinstieg als Ingenieur zu erleichtern.

Oberste Zielsetzung für Hochschulabsolventen muss es sein, möglichst lückenlos im Anschluss an das Studium ein Beschäftigungsverhältnis zu beginnen. Mit anderen Worten: Die zeitliche Lücke zwischen Studienende und Einstieg in den Erstjob sollte so klein wie möglich gehalten werden. Nur so wird verhindert, dass schon zu Karrierebeginn der Lebenslauf erste Macken zeigt. Je größer die Lücke zum Berufseinstieg wird, desto unangenehmer werden im Lauf der Zeit die Nachfragen der Personaler ausfallen und auch bei späteren Stellenwechseln wird der mühsame Berufseinstieg immer wieder ein beliebtes Thema für Personaler sein, um hier mit Fragen den Finger in die Wunde zu legen.

Den erstbesten Job antreten?

Dennoch wäre es verkehrt, für einen Berufseinstieg gleich den erstbesten Job zu akzeptieren. Dann tritt die hässliche Zeitlücke zwischen Studienende und erstem Beschäftigungsverhältnis nach dem Studium zwar nicht auf, aber Karriereförderlich fällt ein übereilter oder unpassender Einstieg häufig nicht aus. Nur mühsam kann später ein verkehrter Start korrigiert werden. Um Zeitlücke und Fehltritt zu vermeiden, muss im Grunde mit der richtigen Karriere- und Bewerbungsstrategie zur Sache gegangen werden.

Maximal sollten zwischen Ende des Studiums und Einstieg in den ersten Job nicht mehr als sechs Monate liegen. Danach wird es schwieriger, weil sich der Kandidat offensichtlich selbst überschätzt hat, was seinen Stellenwert im Arbeitsmarkt betrifft, oder er die Arbeitsmarktsituation insgesamt verkehrt eingeschätzt hat. Das ist nicht gerade die beste Verkaufsempfehlung für einen Berufseinstieg als Ingenieur! Wie dem auch sei, die Lücke wird immer dem Kandidaten angekreidet. Zudem ziehen nach einem halben Jahr für die meisten Studienfächer frische Kandidaten in den Arbeitsmarkt ein.

Schon aus dem Studium heraus bewerben

Schon im Studium sollten sich Kandidaten bewerben.
Bewerbungen schon im Studium

Damit es erst gar nicht zu einer größeren Lücke vor dem Berufseinstieg kommt, sollte sich der vorausschauende Kandidat bereits aus dem laufenden Studium heraus intensiv bewerben. Früher war dies selbstverständlich. Heute haben es sich viele Ingenieure angewöhnt, sich zunächst auf das Studium zu konzentrieren. Erst nach den letzten Klausuren beziehungsweise nach der Abschlussarbeit wird sich mit dem lästigen Thema des Bewerbens beschäftigt. Im Sinne eines Multiprojektmanagements und bei einer guten Zeitplanung sollte kein Ingenieur damit überfordert sein, beide Aktivitäten parallel laufen zu lassen.

Von der allerersten Bewerbung bis zum tatsächlichen Berufseinstieg können in Anbetracht der unklaren Lage auf den Märkten durchaus sechs, vielleicht auch neun Monate vergehen. Der Einstellungsprozess dürfte zukünftig in den Unternehmen (noch) zäher werden. Die Personalbedarfszahlen, die heute gerade frisch errechnet wurden, können Morgen schon hinfällig sein!

Der Kandidat, der gestern noch zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden sollte, erhält stattdessen eine Absage – oder besser, die Bewerbungsmappe wird aufgehoben, vielleicht fallen die nächsten Quartalszahlen wieder besser aus und der Kandidat wird wieder interessant. Insofern sollte eher zu viel und frühzeitig in Bewerbungsaktionen investiert werden.

Die Karrierestrategie muss passen

Zwar muss der einzelne Absolvent genau wissen, was er will, er muss aber auch genau hinschauen, was der Markt für Ingenieure hergibt. Im Idealfall stimmen Vorstellungen des Kandidaten und Marktmöglichkeiten überein, wenn nicht, muss der Kandidat Bereitschaft zeigen, auf den Markt zuzugehen, um hier Möglichkeiten zu entdecken, die er früher verworfen hat oder ihm gänzlich verborgen blieben.

Damit es wirklich mit dem Berufseinstieg als Ingenieur klappt, ist in konjunkturell schwierigen Zeiten ein hohes Maß an Flexibilität angesagt. Der Einzelne sollte sich nicht stur auf bestimmte Unternehmensgrößen, Branchen, Funktionen, Regionen, Unternehmen fixieren. Junge Hochschulabsolventen tun gut daran, sich von eingefahrenen Klischees zu trennen und sich Unternehmen und Branchen mit wachen Augen anzusehen. Welche Unternehmen passen noch zu mir, außer meine wenigen Favoriten, bei denen sich jeder bewirbt? Welche Branchen werden zukünftig an Bedeutung einbüßen, welche werden auch noch bei einem Abschwung gut aussehen? Ist es wirklich wichtig, dass ein Unternehmen fünf Sterne auf der Brust hat oder sitze ich nicht im Mittelstand krisenfester?

Die Bewerbungsstrategie heißt bei einer schlechteren Marktlage: „Aus allen Rohren auf den Arbeitsmarkt schießen!“ Dies bedeutet: Besuch von Jobmessen und Rekrutierungsveranstaltungen, Registrierung in Bewerberdatenbanken, Besuch von Branchen-/Industriemessen, Initiativbewerbungen (insbesondere auch beim Mittelstand), Bewerben auf Stellenanzeigen in Print und Online. Statt zögerlich fünf Bewerbungen in den Markt zu schicken, sollte hier die Schlagzahl deutlich erhöht werden, um den Berufseinstieg zu ermöglichen.

Während bei guter Marktlage der eine oder andere Schönheits-, Grammatik-, Stil-, Rechtschreibfehler den Ingenieuren großzügig verziehen wurde, sind Zeiten des konjunkturellen Abschwungs immer solche, in denen das Haar in der Suppe gesucht und meistens auch gefunden wird. Betrachtet man heute Online-Bewerbungen, so wimmelt es teilweise von Fehlern. Zwar kann immer damit argumentiert werden, dass online eben oberflächlicher ist als die klassische Bewerbung. Nachlässigkeitsfehler lassen aber immer auch auf das wahre Interesse des Kandidaten an dem Unternehmen, die Ernsthaftigkeit der Bewerbung oder aber auf ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal schließen. Das erschwert den Berufseinstieg.

Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Eine gute Vorbereitung für Vorstellungsgespräche ist nötig.
gute Vorbereitung für Vorstellungsgespräche

Nur bei wenigen Kandidaten reihen sich die Vorstellungsgespräche wie die Perlen auf der Schnur aneinander und geben ausreichend Gelegenheit zum Training. Insofern sollten Vorstellungsgespräche bestens vorbereitet werden. Besonders wichtig ist es, eine inhaltlich durchdachte Motivation herüberzubringen, weshalb der beworbene Job und Arbeitgeber für den Kandidaten besonders interessant sind und warum er/sie genau auf die Position passt.

Bevor lange Zeit verstreicht und die zeitliche Lücke deutlich größer als sechs Monate wird, sollte über Verzögerungsstrategien für den Arbeitsmarkteintritt nachgedacht werden. Besonders beliebt sind hier Maßnahmen wie das Aufbaustudium, die Promotion, die empirische Abschlussarbeit, das Auslandspraktika/-semester/-studium. Wichtig ist es, eine breitere Aufstellung im Arbeitsmarkt für nachfolgende Bewerbungen zu bekommen. War etwa das erste Studium zu speziell (Fahrzeugbau), empfiehlt es sich, die Zusatzausbildung allgemeiner zu wählen. Aber auch ein höherer akademischer Grad kann den Berufseinstieg als Ingenieur ermöglichen. So sollte etwa der Bachelor über ein zusätzliches Masterstudium nachdenken. Interessant sind auch Zusatzausbildungen, die auf Schlüsselqualifikationen abzielen, wie Projektmanagement oder Controlling.

Alternative Praktikum: ein kleiner Anfang

Wer, aus welchen Gründen auch immer, keine Möglichkeit zu einer zusätzlichen Ausbildungsmaßnahme hat, wird über einen „kleinen“ Anfang nachdenken. Hin und wieder versuchen sich Kandidaten, etwa über ein Praktikum in den Job zu bringen. Sicherlich ist es sinnvoller einem Praktikum nachzugehen als nichts zu tun. Möglicherweise springt auch eine Vollzeitbeschäftigung heraus. Dennoch führt das Praktikum nach dem Studium immer zu größerem Erklärungsbedarf. Das einschlägige Praktikum ist allerdings immer noch besser als die artfremde Tätigkeit. Bei letzterer entfernt sich der Kandidat mehr und mehr von seinem Fachstudium bis ihm letztlich niemand mehr abnimmt, dass er einen Ingenieurjob ausfüllen kann - der Berufseinstieg als Ingenieur rückt dann in weite Ferne.

Weitere Infos unter: ingenieurkarriere.de