Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Services erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Ausbildung im öffentlichen Dienst - am Puls der Politik

Marc Priebusch hat sich für den Beruf des Verwaltungsfachangestellten entschieden.

Marc Priebusch macht eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Bundeswirtschaftsministerium.

Verwaltung im öffentlichen Dienst – das klingt nach Schreibtisch. Doch wer den Beruf in einem Bundesministerium ausübt, organisiert auch große Veranstaltungen, bereitet Reisen vor und trifft den ein oder anderen Minister. Marc Priebusch (19) absolviert eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Fachhochschulreife inklusive. Er hat an Themen des Koalitionsvertrags mitgearbeitet, ist dem Bundesminister Peter Altmaier begegnet – und plant nach seinem Abschluss ein Studium zum Verwaltungswirt.

„Eigentlich wollte ich früher was mit Autos machen“, erinnert sich Marc. Dass er heute in einem Büro sitzt und nicht in der Werkstatt steht, verdankt er einem Praktikum – oder besser gesagt, zwei. In der neunten Klasse habe er sein Berufspraktikum bei einem großen Autohersteller absolviert, berichtet er: „Da habe ich gemerkt, dass die Arbeit in der Werkstatt einfach nichts für mich ist.“ Überzeugt habe ihn dagegen ein Ferienpraktikum im Amtsgericht in Spandau. Zu seiner Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz zum Verwaltungsfachangestellten beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie habe ihn außerdem seine Mutter motiviert, die in der öffentlichen Verwaltung arbeite. Privat begeistere er sich zwar immer noch für Autos, räumt Marc ein: „Aber mir ist klargeworden, dass ich mich beruflich mehr für Büroarbeit interessiere.“

Vierstelliges Gehalt fürs Abi

Beworben hat sich Marc beim Ministerium noch während der gymnasialen Oberstufe. Weil die Ausbildung auch mit einem integrierten Erwerb der Fachhochschulreife möglich sei, habe er sich nach der Zusage dafür entschieden, die Schule vorzeitig zu beenden. „Jetzt bekomme ich mein Abi bezahlt“, sagt Marc mit einem Schmunzeln. Sein monatliches Bruttogehalt ist vierstellig – seit dem ersten Tag der Ausbildung.

Seinen Beruf erlernt Marc in den verschiedenen Referaten des Bundesministeriums, an der Berufsschule und im Ausbildungszentrum. „Bei einem meiner praktischen Einsätze konnte ich sogar daran mitarbeiten, Themen herauszufiltern, die für den Koalitionsvertrag eine Rolle spielen“, berichtet Marc. Sehr spannend sei auch die Organisation einer Veranstaltung im März zur Vernetzung von Start-ups mit Investoren gewesen. Die Location dafür habe er selbst ausgesucht und den Holzmarkt am Spreeufer in Friedrichshain vorgeschlagen. Die besondere Herausforderung: In einem Rechtfertigungsschreiben habe er seine Wahl genau begründen müssen. „Für das Projekt wurden ja Steuergelder ausgegeben“, erklärt Marc.

Seine Arbeit habe sich aber nicht nur auf die Planung beschränkt, er habe auch an der Veranstaltung teilgenommen. Die Eröffnungsrede habe der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gehalten, der zu diesem Zeitpunkt gerade eben von einer Amerikareise zurückgekehrt sei: „Das war natürlich das Highlight, aber wegen des anstrengenden Flugs ist er nur eineinhalb Stunden geblieben.“ Immer wieder gebe es Höhepunkte dieser Art, schwärmt Marc: „Die Ausbildung ist wirklich abwechslungsreich.“

Jedoch seien auch regelmäßige Aufgaben zu erledigen, wie etwa das Weiterleiten und Beantworten von Mails, das die Auszubildenden eigenständig übernehmen: „Man hat schon Verantwortung. Aber man kann auch immer jemanden fragen, wenn man nicht weiter weiß.“

Der Traum vom Studium

Büro statt Werkstatt - Marc Priebusch an seinem Schreitisch
Verwaltungsfachangestellter bei der Arbeit

An der Berufsschule lernen die angehenden Verwaltungsfachangestellten außerdem, mit Gesetzestexten umzugehen. Dies habe ihn anfangs einige Überwindung gekostet, gibt Marc zu: „Da gibt es sehr feine Unterschiede, es kommt auf jedes einzelne Wort an, und vieles bedeutet nicht das, was man zunächst denkt.“ Je mehr er sich mit der Materie befasst habe, desto interessanter sei dieser Bereich seiner Ausbildung für ihn geworden. Zwar seien Verwaltungsfachangestellte keine Volljuristen, räumt er ein: „Wir verstehen juristische Texte aber wesentlich besser als der Normalbürger.“

Weniger gefragt seien in seinem Beruf dagegen mathematische Fähigkeiten. Die Grundrechenarten und den Dreisatz zu beherrschen, sei ausreichend, um in Fächern wie Buchhaltung und Haushaltsrecht mitzukommen, versichert Marc.

Wer im Rahmen der Ausbildung auch das Fachabitur ablegen wolle, müsse allerdings mathematische Aufgaben mit Abiturniveau bewältigen. Ab dem zweiten Lehrjahr wird für die Fachhochschulreife außerdem Physik unterrichtet. Auch Marc wird den Doppelabschluss absolvieren. „Mein Traum wäre, danach an der Hochschule des Bundes zu studieren“, verrät er. Mit einem akademischen Abschluss als Verwaltungswirt könne er später als Beamter im gehobenen Dienst arbeiten.

Zunächst sei sein Ziel jedoch, nach der Ausbildung weiter im Bundeswirtschaftsministerium zu bleiben. Je nach Notenschnitt biete die Behörde ihren Auszubildenden befristete Übernahmeverträge von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren an. Den Anschlussvertrag werde er auf jeden Fall wahrnehmen, sagt Marc: „Aber danach bewerbe ich mich bei der Hochschule des Bundes, und dann – mal sehen.“

Wie die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten funktioniert, welche beruflichen Möglichkeiten der Abschluss bietet und was für Voraussetzungen Bewerber mitbringen sollten, verrät Patrick Listner, Ausbildungsleiter beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, im Stuzubi Experten-Interview.