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Unis testen statt Freiwilligendienst oder Ausland

Auszeit zur Berufsorientierung

Um das richtige Studienfach zu finden, hat Clemens neun Studiengänge getestet.

Wer sich nach der Schule eine Auszeit nimmt, geht meistens ins Ausland oder absolviert einen Freiwilligendienst. Clemens Funk (Name von der Redaktion geändert) hat stattdessen neun Wochen lang unterschiedliche Studiengänge in verschiedenen Städten ausprobiert. Nun studiert er etwas ganz anderes, als er ursprünglich vorhatte – und ist froh, dass er die Auszeit nach dem Abi auf diese unkonventionelle Weise genutzt hat.

Eigentlich hatte Clemens für die Zeit nach dem Abi schon ziemlich genaue Vorstellungen. „Ich wollte was mit Logistik machen“, erklärt der 22-Jährige. Einen Studiengang aus diesem Bereich auszuwählen, fiel ihm aber gar nicht so leicht. Deshalb entschied er sich für einen Testlauf – oder besser gesagt, gleich neun: „Dabei habe ich mich völlig umorientiert“, erzählt Clemens.

Insgesamt neun Wochen lang habe er ganz unterschiedliche Studiengänge in verschiedenen Städten besucht. Organisiert habe er seine Aufenthalte an den Hochschulen mit One Week Experience, einem Berliner Startup, das kostenlose Programme zur Zukunftsorientierung anbietet. Die Teilnehmer können deutschlandweit den Alltag an der Uni kennenlernen und Studierende eine Woche lang begleiten. Oft wohnen sie in dieser Zeit auch in den WGs, Studentenwohnheimen oder den Wohnungen ihrer Gastgeber und verbringen viel Freizeit mit ihnen.

Hochschulen im Vergleich

Clemens erste Erfahrung dieser Art fand in Dresden statt, wo er am Studiengang Materialwissenschaft teilnahm. Danach habe er in anderen Städten unter anderem Wirtschaftsinformatik, einen klassischen Wirtschaftsstudiengang mit BWL, VWL und Wirtschaftspolitik sowie Wirtschaft und Geschichte auf Lehramt ausprobiert. Sein Fazit: „Ein Studium mit Statistik und Mathematik in starker Gewichtung ist mir zu trocken.“

Profitiert habe er aber nicht nur von den Einblicken in die Studiengänge, erklärt Clemens: „Es spielt auch eine Rolle, wie der Campus aufgebaut ist.“ In Leipzig sei die Hochschule zum Beispiel mitten in der Stadt, in Regensburg liege sie dagegen etwas außerhalb. In Würzburg befänden sich die Einrichtungen der Universität verteilt an unterschiedlichen Orten: „Da muss man weite Strecken zurücklegen.“

Inzwischen studiert Clemens Medizin – ein Fach, das er in Bonn getestet hatte. „Ohne die Möglichkeit, Studiengänge auszuprobieren, hätte ich mich wahrscheinlich für Wirtschaft oder Logistik eingeschrieben“, sagt er. „Bis ich akzeptiert hätte, dass mir das nicht liegt, wären sicher einige Semester vergangen.“ Im Nachhinein ist er froh darüber, die Auszeit nach dem Abi so intensiv zur Berufsorientierung genutzt zu haben – eine Entscheidung, die ihm vielleicht sogar einen Studienabbruch erspart hat.


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