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Stuzubi-Interview: Mit Hochschulreife einen Ausbildungsplatz finden

Sandra Gehde mit ihrem Sohn Levi

Buchautorin und Personalmanagerin Sandra Gehde mit ihrem Sohn Levi.

„Von Abiturienten wird mehr erwartet“

Noch immer zieht es die meisten Schüler nach dem Abi an die Uni. Allerdings absolviert knapp ein Viertel aller Abiturienten nach dem Schulabschluss eine Ausbildung – Tendenz steigend. Was Schüler mit Hochschulreife bei ihrer Bewerbung als Azubi erwartet und worauf sie besonders achten sollten, weiß Sandra Gehde, Personalmanagerin bei der Akademie Handel und Autorin des Ratgebers „Ausbildungsplatzsuche für Durchstarter“.

Stuzubi: Studium oder Ausbildung – für viele Abiturienten ist das die erste Grundsatzentscheidung. Haben Sie ein paar Tipps, wie man herausfindet, ob eine Ausbildung nach dem Abitur das Richtige ist?

Sandra Gehde: Das kann man am einfachsten durch ein paar Praktika testen. Wer Spaß an der Arbeit hat und eher praktisch veranlagt ist, der ist in einer Ausbildung sicher gut aufgehoben. Für Abiturienten ist aber auch das Duale Studium mit akademischem Abschluss und betrieblicher Ausbildung interessant. Außerdem bieten viele Unternehmen Abiturientenprogramme an, die Azubis auf Führungspositionen vorbereiten.

Stuzubi: Bekommen Abiturienten leichter einen Ausbildungsplatz als Real- und Mittelschüler?

Sandra Gehde: Das Abi erhöht die Chance, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Aber von Abiturienten wird auch mehr erwartet als von Real- oder Mittelschülern, zum Beispiel, was die Allgemeinbildung, die Umgangsformen oder Kenntnisse über das aktuelle Tagesgeschehen angeht.

Stuzubi: Wie finden Abiturienten heraus, welche Ausbildung zu ihnen passt?

Sandra Gehde: Gut ist zum Beispiel, eine Liste anzufertigen mit Tätigkeiten, die einem Spaß machen, und auch Eltern oder Freunde zu fragen, was passen könnte. Auch Tests im Internet wie der Orientierungstest auf Stuzubi.de geben Anhaltspunkte. Vorsichtig wäre ich bei kostenpflichtigen Angeboten.

Stuzubi: Plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen. Wie läuft das Bewerbungsverfahren bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen ab?

Sandra Gehde: Zuerst werden die Anforderungen, die ein Bewerber erfüllen muss, genau definiert und in einer Stellenanzeige veröffentlicht. Bewerbungen, die dem Anforderungsprofil nicht entsprechen, werden meistens beim Vorsortieren der Unterlagen aussortiert. Deshalb ist es wichtig, die Stellenanzeigen genau zu lesen und im Anschreiben und Lebenslauf herauszuarbeiten, dass man die gewünschten Kriterien mitbringt. Der häufigste Fehler bei Bewerbungen ist es, den Fokus auf eigene Wünsche zu legen, statt zu zeigen, dass man den Anforderungen der Position gerecht wird. Teilweise wird die Eignung der Bewerber auch über Online-Tests geprüft.

Den Bewerbungsprozess strukturiert durchzugehen, lohnt sich.
Bewerbungsprozess strukturiert durchgehen

Wer in Frage kommt, wird per E-Mail, telefonisch oder manchmal auch per Post zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Beim Vorstellungsgespräch ist es am wichtigsten, den Eindruck zu vermitteln, dass man die Ausbildung erfolgreich abschließen wird. Eine Rolle spielt aber auch das Auftreten. Außerdem wird getestet, ob der Bewerber sich vorbereitet hat. Deshalb sollte man sich im Internet über die Firma informieren und den eigenen Lebenslauf gut kennen. Übrigens werden auch die Antworten von Online-Tests beim Vorstellungsgespräch oft noch einmal abgefragt. Wer den Test nicht selbst gemacht hat, fliegt dann auf. Bei Abiturienten kann es außerdem sein, dass sie zu einem Gruppeninterview oder Assessmentcenter eingeladen werden.


Stuzubi: Gibt es Möglichkeiten, sich auf Gruppeninterviews und Assessmentcenter vorzubereiten?

Sandra Gehde: Ja, einiges kann man vorher üben. Oft wird zum Beispiel verlangt, Ergebnisse von Aufgaben vor der Gruppe zu präsentieren. Damit haben viele Bewerber Schwierigkeiten. Das kann man mit Freunden oder auch allein vor dem Spiegel trainieren. Außerdem wird das Verhalten in der Gruppe beobachtet. Vordrängeln und anderen ins Wort zu fallen kommt nicht gut an, man sollte aber auch nicht zu zurückhaltend sein und zeigen, dass man sich wenn nötig durchsetzen kann.

Stuzubi: Auf welchem Weg haben Sie Ihren Ausbildungsplatz gefunden?

Sandra Gehde: Ich wusste damals wenig über das Thema und habe mich einfach drauf los beworben. Dass es nach nur drei Bewerbungen geklappt hat, war glaube ich Glück. Aber mit meinem Sohn Levi bin ich den Bewerbungsprozess strukturiert durchgegangen, und das hat sich gelohnt. Er hat zwei Bewerbungen verschickt und wurde beide Male zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei einem der zwei Unternehmen hat er seine Ausbildung zum Chirurgiemechaniker begonnen.