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Ausbildung oder Studium - So findest du deinen beruflichen Weg

Ausbildungsberatung der IHK

Thomas Michaels von der Ausbildungsberatung der IHK weiß, worauf es Personalern ankommt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) kennt die Anforderungen von Unternehmen wie kaum eine andere Institution. Mit ihrem Know-how unterstützt die Organisation aber nicht nur Betriebe, sondern auch Schüler, die sich für eine Ausbildung interessieren.

Die IHK berät, hilft bei der Lehrstellensuche und vermittelt sogar freie Ausbildungsplätze in Berliner Unternehmen. Wie man herausfindet, ob man sich besser für eine Berufsausbildung oder ein Studium eignet, wie man den passenden Ausbildungsgang findet und wie man auch ohne Bachelor und Master Karriere macht weiß Thomas Michaels von der Abteilung Ausbildungsberatung – Passgenaue Besetzung der IHK Berlin. Stuzubi hat mit dem Experten gesprochen.

Nach dem Schulabschluss müssen sich Schüler entscheiden: Ausbildung, Studium oder Duales Studium. Haben Sie ein paar Tipps, wie ich als Jugendlicher heraus€finden kann, welcher Weg am besten zu mir passt?

Am besten bekommt man heraus, was für ein Typus man ist, wenn man schon frühzeitig Praxisluft schnuppert. Eine gute Möglichkeit sind zum Beispiel Ferienjobs oder auch Nebenjobs, bei denen man sich während der Schulzeit etwas dazu verdient. Hier merke ich meistens sehr schnell, ob ich praktisch veranlagt bin, oder ob ich mich in der Schule wohler fühle. Auch Eltern, Geschwister, enge Freunde oder andere Bezugspersonen können oft Anhaltspunkte geben, sie kennen einen ja gut.

Das Studium gilt landläu€g im Vergleich zum Abschluss einer Berufsausbildung noch immer als höherwertig. Experten betrachten beide Wege inzwischen jedoch zunehmend als gleichwertig. Stehen Absolventen einer Berufsausbildung später die gleichen Karrieremöglichkeiten off€en wie Akademikern?

Eine duale Ausbildung ist erst der Anfang des Bildungsweges. Mit einer Aufstiegsfortbildung, zum Beispiel zum Fachwirt, Meister oder zum Betriebswirt IHK, können Jugendliche einen Karriereweg einschlagen, der gleichwertig ist mit einem Studium. Umgekehrt gibt es auch Akademiker, die nach dem Studium eine Ausbildung machen, um am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Wichtigste Voraussetzung für die Gleichwertigkeit von beruflichem und akademischem Bildungsweg ist die Durchlässigkeit zwischen den beiden Systemen. Am Ende des Tages geht es darum, den individuell passenden Bildungsweg für jeden Jugendlichen zu ƒfinden. Für den einen passt ein Studium besser, für den anderen eine Ausbildung.

Insgesamt gibt es mehr als 300 Ausbildungsberufe. Wie finde ich für mich den Richtigen?

Auch hier kann man erst einmal Freunde und Verwandte fragen. Sinnvoll ist außerdem der Gang zum Berufsinformationszentrum (BIZ) und zur Jugendberufsagentur, dort werden die verschiedenen Berufe vorgestellt, und man kann herausƒfinden, welche Richtung zu einem passt.

Welche Beratungsangebote der IHK gibt es für Jugendliche in Berlin zum Thema Ausbildung?

Wenn die Richtung oder zumindest die Branche feststeht, haben wir bei der IHK für Schulabgänger ein umfangreiches Beratungsangebot und vermitteln sie auch direkt in freie Ausbildungsstellen in Berliner Unternehmen. Insgesamt führen wir jährlich rund 1.000 Gespräche mit jungen Leuten, die einen Ausbildungsplatz suchen. Unsere Experten schauen sich unter anderem die Bewerbungsunterlagen an und machen bei Bedarf Vorschläge, um das Anschreiben und den Lebenslauf zu optimieren. Im Rahmen der Beratung können die Jugendlichen die Situation im Vorstellungsgespräch schon einmal ein bisschen trainieren, um dann später selbstsicherer zu werden. Sie bekommen Feedback zu ihren Stärken und Schwächen, und auch viele Tipps, zum Beispiel zum Outƒfit. Wenn wir einen geeigneten Kandidaten für einen Ausbildungsplatz haben, sprechen wir gegenüber den Unternehmen auch Empfehlungen aus und sagen zum Personaler, „der Bewerber könnte gut passen, schau dir den doch mal an“.

Aktuellen Erhebungen zufolge bricht in etwa jeder dritte Student sein Studium ab. Wie sieht in Berlin die Bilanz bei den Azubis aus?

Bei der Ausbildung ist es nicht viel anders als beim Studium. Die Vertragslösungsquote in Berlin beträgt 34 Prozent. Einer der häuƒfigsten Gründe dafür sind zu unklare Berufsvorstellungen. Die IHK Berlin setzt sich deshalb für eine bessere Berufsorientierung in den Schulen ein. Aber nicht jeder gelöste Vertrag ist ein Ausbildungsabbruch. Viele Jugendliche machen danach eine Ausbildung in einem anderen Betrieb oder wechseln in einen anderen Beruf.

Ist ein Wechsel in eine Berufsausbildung auch nach einem abgebrochenen Studium möglich und sinnvoll?

Um Studienabbrüche zu reduzieren, müssten insbesondere in Gymnasien Jugendliche nicht nur auf ein Studium, sondern auch auf eine duale Ausbildung vorbereitet werden. Viele Studienaussteiger landen sonst erst über Umwege in der dualen Ausbildung - eine Schleife, die eigentlich nicht sein müsste. Gerade für Abiturienten führt die Erwartung, ein Studium beginnen zu müssen, zu einem hohen sozialen Druck. Alle müssen studieren, das ist inzwischen eine Statussache. Aber reine Theorie ist nicht für jeden etwas, für jemanden, dessen Stärken im praktischen Bereich liegen, ist das frustrierend. Ein Wechsel in eine Berufsausbildung ist aber jederzeit möglich. Über das Projekt „Your Turn“ der IHK Berlin fangen wir die Leute auf und zeigen ihnen, dass sie als Studienabbrecher für unsere Unternehmen eine sehr interessante Zielgruppe sind. Wenn sie ihre Kompetenzen in der Praxis entfalten können, führt das meistens zu einer sehr guten beruflichen Entwicklung.