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Ausbildung im öffentlichen Dienst mit Fachhochschulreife

Ausbildung im öffentlichen Dienst

Die Auszubildenden im Ministerium arbeiten oft eigenverantwortlich, können aber immer jemanden fragen.

Patrick Listner ist beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für die Ausbildung der Verwaltungsfachangestellten der Fachrichtung Bundesverwaltung zuständig. Im Stuzubi-Interview erklärt er, welche Voraussetzungen Bewerber mitbringen wie die Ausbildung abläuft und welche Karrieremöglichkeiten der Abschluss bietet.

Wer sich für die Ausbildung entscheidet, kann zum Beispiel

  • berühmte Persönlichkeiten aus der Politik treffen - vom Bundesminister bis zur Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • einige Wochen ins Ausland gehen und an Veranstaltungen wie der Bundespressekonferenz teilnehmen
  • eigenverantwortlich komplexe Aufgaben übernehmen
  • mit einem sicheren Arbeitsplatz in der öffentlichen Verwaltung rechnen
  • das Fachabitur absolvieren und an der Hochschule des Bundes studieren

Stuzubi: Für das kommende Jahr bietet Ihre Behörde wieder Ausbildungsplätze für den Beruf des Verwaltungsfachangestellten an. Wer kann sich bewerben?

Listner: Bewerben können sich im Prinzip alle, die Abitur oder einen Mittleren Schulabschluss mit guten Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch haben.

Stuzubi: Viele Schüler sind entweder in Mathematik oder in Sprachen gut. Sucht das Bundeswirtschaftsministerium Allround-Talente, die beides können?

Listner: Nein, der Schwerpunkt liegt bei uns eindeutig im Bereich Deutsch. Wer Spaß am Verfassen von Texten hat und sich mündlich und schriftlich gut ausdrücken kann, ist bei uns richtig. Mathematik ist nicht ganz so wichtig. Allerdings überprüfen wir die Fähigkeiten unserer Bewerber in Deutsch, Mathematik und Englisch in einem Einstellungstest.

Stuzubi: Sind auch bestimmte persönliche Voraussetzungen ausschlaggebend?

Listner: Das Berufsfeld des Verwaltungsfachangestellten ist sehr vielfältig. Wir brauchen offene, extrovertierte Mitarbeiter, die organisieren und netzwerken, aber auch introvertierte Leute, die still in ihrem Kämmerlein Schriftsätze und Tabellen bearbeiten. Wichtig ist aber auf jeden Fall Organisationstalent, das sollte man mitbringen. Von Vorteil ist außerdem natürlich auch Interesse an Politik und an wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Stuzubi: Und die sprichwörtliche Genauigkeit, für die deutsche Behörden so bekannt sind?

Listner: Sorgfältiges und genaues Arbeiten muss natürlich sein, bei uns darf man nicht den Schlendrian walten lassen. Aber es gibt auch das Vier-Augen-Prinzip, so dass immer noch jemand drüber schaut. Ansonsten wäre mein Tipp: Die Sachen erst einmal weglegen, und am nächsten Tag selbst noch einmal kontrollieren.

Stuzubi: Ist Kreativität in dem Job erwünscht, oder eher ein Hindernis?

Listner: Ein Schuss Kreativität muss schon sein, weil die Auszubildenden für viele Aufgaben eigenständig nach Lösungen suchen müssen. Das bedeutet auch, von Anfang an viel Verantwortung zu übernehmen. Aber ich sehe immer wieder, wie die jungen Leute an diesen Herausforderungen wachsen und sich entwickeln.

Mit der Erfolgsquote seiner Azubis ist Ausbildungsleiter Patrick Listner sehr zufrieden - sie liegt bei fast 100 Prozent.
Ausbildungsleiter Patrick Listner

Stuzubi: Wie sieht der Arbeitsalltag ihrer Auszubildenden konkret aus?

Listner: Die Auszubildenden können in allen Abteilungen und Referaten eingesetzt werden, zum Beispiel in der Registratur, die natürlich digital ist und nur noch vereinzelt aus Handakten besteht, in der Poststelle und vor allem in den einzelnen Referatsbüros. Hier gilt es, den anfallenden Telefon- und Schriftverkehr souverän zu meistern, oder etwa eine Reise vorzubereiten. Eine Aufgabe wäre zum Beispiel, zu recherchieren, wie ein Referatsleiter am besten zu einem Termin in einer anderen Stadt kommt, ob er besser die Bahn nimmt oder mit dem Dienstwagen fährt. Dazu wird dann ein Antrag ausgefüllt, der an unsere Reisestelle geht.

Stuzubi: Dürfen die Auszubildenden bei den Reisen auch einmal mitfahren?

Listner: Schwerpunkt liegt in der Vorbereitung und Abrechnung der Reisen. Bei der Organisation von Veranstaltungen kann es aber durchaus sein, dass der Auszubildende teilnimmt. Einer unserer Auszubildenden war zum Beispiel auf der Schifffahrt-Konferenz in Hamburg und hat dort die Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen. Außerdem ist ein Auslandsaufenthalt Bestandteil der Ausbildung, bei dem wir die Auszubildenden für vier Wochen an die Westküste nach England schicken. Dort machen sie einen Sprachkurs und lernen das britische Bildungs- und Wirtschaftssystem kennen. Einmal in ihrer Ausbildung fahren sie auch für fünf Tage nach Bonn, um die Stätten der alten Bundesregierung zu besichtigen und die Kolleginnen und Kollegen im zweiten Dienstsitz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie kennenzulernen.

Stuzubi: Man kommt also durchaus auch einmal aus dem Büro heraus?

Listner: Ja natürlich, mitunter hat man auch die Chance, in den Bundestag oder auf Bundespressekonferenzen mitgenommen zu werden, und nimmt in der Ausbildung auch schon an Dienstbesprechungen teil. Das finden viele sehr spannend.

Stuzubi: Und wie steht es um die Leistungen Ihrer Auszubildenden? Ist die Durchfallquote hoch?

Listner: Wenn es mit den schulischen Leistungen Probleme gibt, bieten wir an und organisieren zum Beispiel Nachhilfe. Man kann aber sagen, dass eigentlich alle unsere Auszubildenden ihren Abschluss schaffen, 95 Prozent von ihnen auf Anhieb, und der Rest beim zweiten Anlauf. Die Erfolgsquote bei den Prüfungen zur Fachhochschulreife liegt sogar noch höher.

Stuzubi: Was machen Ihre Auszubildenden nach dem Abschluss?

Listner: Rund 20 Prozent machen weiter und studieren, die allermeisten an der Hochschule des Bundes, das bietet sich ja an. Arbeiten kann man als Verwaltungsfachangestellter der Fachrichtung Bundesverwaltung bei allen Behörden des Bundes, aber auch bei der Landesund der Kommunalverwaltung. Allen Absolventen, die in den letzten beiden Jahren nach der Ausbildung bei uns bleiben wollten, konnten wir sogar die quasi unbefristete Übernahme anbieten.

Konkret bedeutetet das zunächst einen Einjahresvertrag, der nach Ablauf in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis umgewandelt wird, wenn der Mitarbeiter sich nichts zuschulden kommen lässt und nicht gerade den goldenen Löffel klaut. Und auch wenn die Stellensituation mal nicht so rosig wie derzeit sein sollte, wird keiner fallengelassen. Dann greift unser Weiterbeschäftigungskonzept mit befristeten Verträgen, deren Dauer sich nach den Leistungen in der Ausbildung richtet. Die Perspektiven sind also richtig gut.

 

Weiterlesen: Erfahrungsbericht zur Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten beim Wirtschaftsministerium

Ausbildung beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie - die Fakten im Überblick

Bewerbungsvoraussetzungen:mindestens Mittlerer Schulabschluss (MSA)
Bewerbungsfrist:bis 30. November 2018 für den Ausbildungsbeginn am 1. August 2019
Ausbildungsdauer:drei Jahre, bei sehr guten Leistungen Verkürzung um sechs Monate möglich
Ausbildungsgehalt:1.018,26 im ersten Lehrjahr, 1.068,20 im zweiten Lehrjahr, 1.114,02 im dritten Lehrjahr
Urlaub: 30 Tage im Jahr