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Naturwissenschaftliches Arbeiten geht auch ohne Uni

Eine Ausbildung als Chemikant beim Chemiekonzern Bayer

Als Chemikant arbeitet Dominik an großen Produktionsmaschinen.

Chemie mal anders

Begeisterung für Bio, Chemie und Physik hat viele Facetten – und findet nicht nur an Universitäten statt. Ebenso spannend wie die Versuche in den Laboren wissenschaftlicher Institute sind die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Arbeit. Und die lassen sich bei einer Ausbildung oft besser entdecken als im Studium. „Viele unserer Azubis haben Abi“, sagt Dominik Lennertz (25), der kürzlich beim Chemiekonzern Bayer eine Lehre als Chemikant abgeschlossen hat und in der Auszubildendenvertretung des Unternehmens aktiv war.

Wer die Hochschulreife hat, weiß zwar, was Chemie ist. Die Frage, was ein Chemikant ist, dürfte aber so manchen Abiturienten ins Stocken bringen. Schließen kann diese Wissenslücke Dominik, der eine Ausbildung in diesem Beruf absolviert hat. „Unsere Arbeit ist ziemlich vielfältig“, sagt er. Im Moment sehe sein Berufsalltag so aus, dass er im Bayer-Werk in Dormagen am Rechner sitze und große Produktionsanlagen zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln starte und überwache. „Da muss man sich schon auskennen“, betont er. Das Wichtigste sei, einen relevanten von einem irrelevanten Alarm unterscheiden und es zum Beispiel richtig einordnen zu können, wenn auf eine zu geringe Menge an Stickstoff hingewiesen werde.

An anderen Tagen arbeite er aber auch direkt an der Anlage, berichtet Dominik: „Mit Kränen füllen wir aus bis zu 800 Kilo schweren Säcken Rohstoffe in die Maschine, ziehen Proben und reinigen auch mal ein verstopftes Rohr.“ Zu tun haben Chemikanten dabei teilweise auch mit giftigen Stoffen. Gefährlich sei die Arbeit aber nicht, versichert Dominik: „Wir tragen dann Schutzanzüge.“ Jedoch Weitere Angebote unter stuzubi.de 31 komme es – etwa bei der Entnahme von Proben – durchaus vor, dass es zische und dampfe. „Da denkt man sich am Anfang auch schon einmal ‚oh, was ist denn das‘, wenn die Stoffe plötzlich reagieren“, sagt Dominik und lacht.

Viele Azubis haben Abi

Seine Begeisterung für Chemie hat er allerdings erst spät entdeckt. An der Schule habe ihn das Fach überhaupt nicht interessiert, gibt er zu: „Das war bei uns aber auch nur Auswendiglernen, Versuche wurden gar nicht gemacht.“ Vor seiner Ausbildung als Chemikant hat Dominik die Mittlere Reife und eine Lehre als Industriemechaniker absolviert. Seine Erfahrungen als Auszubildendenvertreter haben jedoch gezeigt: „Naturwissenschaftliche Ausbildungen sind auch für Abiturienten interessant.“ In der Regel gebe es in den Berufsschulklassen der Fachrichtungen Chemikant, Chemielaborant und Biologielaborant etwa 20 Prozent Abiturienten und drei Prozent Studienabbrecher.

Auch das Starten und Überwachen der Produktionsanlagen am Rechner gehört zu Dominiks Tätigkeiten.
Bayer Ausbildung als Chemikant Schreibtisch

Besonders spannend sei für Abiturienten, die sich für Chemie begeistern, die Fachrichtung Chemielaborant, sagt Dominik: „Da taucht man noch tiefer in die Naturwissenschaften ein als bei den Chemikanten.“ Sein Beruf hingegen locke mit einem sehr attraktiven Gehalt, das sich unter anderem aus den Zuschlägen für den Schichtdienst ergebe. Aus Kostengründen müssen die teuren chemischen Produktionsanlagen nämlich rund um die Uhr laufen. Für Dominik bedeutet dies, dass seine Arbeitszeiten variieren. Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr und endet um 14 Uhr, von 14 Uhr bis 22 Uhr ist Spätschicht, und von 22 Uhr bis 6 Uhr wird in der Nachtschicht gearbeitet. Die Schichtzeiten wechseln alle drei Tage, und zwischen dem Übergang von der Spät- zur Nachtschicht ist ein Tag frei. Nach diesem zehntägigen Turnus gibt es zusätzlich zum regulären Urlaub jeweils eine ganze arbeitsfreie Woche.

„Ich komme gut mit dem Schichtdienst zurecht“, sagt Dominik. Oft nutze er seine freie Woche, um spontan zu verreisen: „Ich mache gerne Städtetrips, war aber in dieser Zeit auch mal auf Kreuzfahrt im westlichen Mittelmeer.“ Die Tätigkeit und die Ausbildung seien zwar anspruchsvoll, man werde aber auf alles sehr gut vorbereitet: „Man fängt in Fächern wie Chemie und Mathe eigentlich bei null an, und das wird dann langsam gesteigert.“ Gerade Abiturienten falle der Unterricht oft relativ leicht, so dass viele die eigentlich dreieinhalbjährige Ausbildung um bis zu ein Jahr verkürzen könnten. In seiner Klasse habe es vier Schüler mit Hochschulreife gegeben, die von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hätten.

Beliebt sei es bei Azubis mit Abi auch, nach Abschluss der Ausbildung ein Studium anzuschließen: „Ich kenne einige, die danach zum Beispiel Verfahrenstechnik studiert haben.“ Eine weitere Option sei, die Prüfung zum Meister oder zum Techniker abzulegen. Beides lasse sich in seinem Betrieb auch gut mit einer Berufstätigkeit verbinden: „Das Unternehmen unterstützt das mit flexiblen Arbeitszeiten und übernimmt beim Meister unter bestimmten Voraussetzungen sogar die Hälfte der Kosten.“ Auch er selbst ziehe im Moment eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker in Erwägung: „Aber ich bin bei dem Thema noch in der Findungsphase.“ Denkbar sei für ihn auch eine ganz andere Richtung. Die Mitarbeiter des Konzerns haben Dominik nämlich kürzlich in den Betriebsrat gewählt: „Deshalb kann ich mir auch gut vorstellen, dass ich mich jetzt in dieser Richtung weiterbilde.“