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Ausbildung als Schiffsmechaniker/in

Schiffsmechaniker/in

Containerschiff verlässt den Hafen

Auf dem Ausbildungsschiff Monte Tamaro waren die Azubis fast fünf Monate unterwegs auf den Weltmeeren.

Ausbildungstruppe

Von links nach rechts (obere Reihe): Janne Wiese, Alexander Simler, Rudolf Hemetsberger, Moritz Piechowiak, Michael Skrzeczkowski (untere Reihe): Ole Klement, Philipp Wichmann, Laura Villamil

Azubi auf dem Schiff

Wer sich für die Ausbildung zum Schiffsmechaniker interessiert, sollte auf jeden Fall eine Affinität zur Technik haben.

Seemannsschule Priwall

In der Seemannsschule Priwall gibt es auch einen Übungshafen für die praktischen Kenntnisse der Lehrlinge.

In vier Monaten und 26 Tagen sind Laura, Alexander, Michael, Philipp und vier weitere Azubis auf dem Lehrschiff „Monte Tamaro“ einmal um die ganze Welt gefahren. Neben ihrer Funktion als reguläres Containerschiff ist die Monte Tamaro nämlich ein Ausbildungsschiff – hier lernen die angehenden Schiffsmechaniker alles über Decks- und Maschinendienst. Im Februar begann ihre Route in Südamerika und führte sie über Asien, Taiwan und Hongkong. Nun sind die Vier wieder zurück in Hamburg und erzählen von ihren Eindrücken, die sie auf ihrer ersten Seefahrtszeit gewonnen haben.

Schiffsmechaniker sind ständig auf Weltreise

Die Monte Tamaro ist eine kleine Welt für sich. 227 Meter lang, kann sie 5.500 Container transportieren und hat sonst noch so einiges zu bieten: An Bord befindet sich neben einer Sauna, einem Schwimmbad und dem Speisesaal, Messe genannt, auch eine mit Drehbank und Schweißarbeitsplätzen ausgestattete Metallwerkstatt. Hier haben die Azubis gelernt, wie man Werkstücke aus Metall herstellt, die man auf einem Schiff zum Reparieren oder Sichern braucht. Philipp Wichmann ist ganz stolz: „Wir haben alle Teile eines Luftkolbenmotors selbst gebaut – der hat dann sogar funktioniert!“

Jeden Tag woanders aufwachen

Der 20-jährige Philipp ist geborener Bremerhavener und wuchs praktisch mit einem großen Hafen vor der Haustür auf. Für ihn kam nie in Frage, „einen Job zu machen, bei dem ich von acht bis 16 Uhr am Schreibtisch sitze.“ Toll an seinem Beruf sei, dass er manchmal an einem anderen Ort aufwache als er einschlafe: „Neulich bin ich abends mitten auf dem Pazifischen Ozean eingeschlafen und im Hafen von Buenaventura wieder aufgewacht“, schwärmt er begeistert.

Zu den Aufgaben der Azubis zählen auch ganz klassische Arbeiten wie Deck schrubben und Farbe waschen. Allerdings habe das allen großen Spaß gemacht. „Das war wie in Filmen aus den 50er Jahren“, lacht Philipp.

Überhaupt sei der Zusammenhalt in der Gruppe, die sich ja erst kurz vor Abfahrt kennenlernte, sehr gut gewesen: „In Rostock haben wir gemeinsam einen Sicherheitskurs gemacht, da haben wir das erste Mal zehn Tage miteinander verbracht“, erinnert sich Philipp und ergänzt, „wir verstehen uns alle super!“

Kontakt halten mit E-Mails und Satellitentelefon

Trotzdem vermisst er nach der langen Zeit unterwegs natürlich seine Familie. Man könne aber per E-Mail und Satellitentelefon mit seinen Freunden und Angehörigen Kontakt halten, sagt Philipp. Allerdings sei gar nicht viel Zeit für Heimweh gewesen, denn „die Reise ist wie im Flug vergangen, weil man so viele neue Eindrücke bekommen hat“, erzählt er begeistert.

Als Mädchen allein unter Jungs? Keineswegs!

Unter den acht Azubis auf der Monte Tamaro waren auch zwei junge Frauen. Die 21-jährige Laura Villamil ist eine davon. Sie kommt aus Kolumbien und ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen. Auch in ihrer Freizeit ist Laura im Wasser in ihrem Element, denn sie segelt gern und begeistert sich fürs Kitesurfen. „An der Schifffahrt finde ich einfach alles faszinierend“, schwärmt Laura.

Für sie ist Schiffsmechaniker keineswegs ein Männerberuf: „Frau Kapitän Fink hat uns viel beigebracht, der zweite nautische Wachoffizier war auch eine Frau und außerdem ist ein weiteres Mädchen unter den Azubis“, erzählt die 21-Jährige. Bei ihrer Arbeit stört es sie nicht, wenn sie dabei dreckig wird, „einmal haben wir im Maschinenraum die Zwischenböden von Schweröl gereinigt und haben geholfen, den Separator komplett zu zerlegen“, erinnert sie sich.

Dass es im Maschinenraum oft heiß und laut ist, darf für Azubis kein Problem sein. Neben Reparatur und Instandhaltung von Motoren und Anlagen steht auch Navigation auf dem Stundenplan: Mithilfe nautischer Instrumente beobachten Laura und ihre Kollegen die Schiffsdaten auf dem Radarschirm und der Kompassanzeige. „Wenn das Wetter es zuließ, durften wir Brückenwache gehen. Unter Aufsicht haben wir gesteuert oder den Kompass kontrolliert, ob wir auch die richtigen Koordinaten haben.“ Außerdem lerne man die Position des Schiffs zu bestimmen, um diese ins Schiffstagebuch eintragen zu können, erläutert Laura.

Besonders spannend fand sie den Landaufenthalt in China und Taiwan, wo die Leute kein Englisch sprechen: „Es war immer witzig, sich mit den Leuten zu verständigen, nicht nur einmal haben wir mit Händen und Füßen kommuniziert“, lacht Laura. Am Ende hätten sie aber immer die Dinge bekommen, die sie kaufen wollten. Michael Skrzeczkowski (20) hat besonders die Millionenstadt Hongkong fasziniert. „Das ist wie in einem Ameisenhaufen, eine Wahnsinnsstadt, da ist viel los!“

Ein Azubi hätte sich dort eine X-Box gekauft, ein anderer einen Anzug schneidern lassen. Aber der Landgang ist kurz, der Fahrplan der Schiffe hat oberste Priorität: „ Wenn man einen guten Orientierungssinn hat, dann kann man schon viel sehen – aber Zeit ist auch in der Containerschifffahrt Geld!“

Durch seinen Vater, der Kapitän war, kam Michael bereits sehr früh in Kontakt mit der Schifffahrt. Schon als Kind sei er häufig durch die Hamburger Speicherstadt gefahren und habe seinen Vater dort besucht. „Mit Kaffeegeruch in der Nase und den Schiffen dort bin ich aufgewachsen. Mein Vater hat mich dazu motiviert, möglichst viele Praktika im Bereich Seefahrt zu machen“, erzählt Michael. „Weil ich gut im Praktischen bin, wäre ein Studium nicht für mich in Frage gekommen“, weiß der Kapitänssohn und freut sich: „In der Ausbildung erfahre ich all das, was einen guten Seemann ausmacht!“

Beruf für Fernwehkranke

Alexander Simler (21) kommt aus München und bezeichnet sich als „Menschen, der ein unheimliches Fernweh hat.“ Deswegen kam er auch auf den in Bayern eher unüblichen Ausbildungsberuf, zu dem ihn unter anderem sein Hobby, das Segeln, geführt hat. Und sein verrückter Physiklehrer, der mit einem Segelboot in die Antarktis gefahren ist. Das hat Alexander begeistert. „Es waren mehrere Faktoren, die mich zu der Ausbildung bewogen haben,“ erinnert er sich. Als er seiner Mutter erzählte, dass er Schiffsmechaniker in Hamburg werden will, hat diese geglaubt, ihr Sohn führt sie an der Nase herum. Aber „mittlerweile sind meine Eltern sehr stolz auf mich und mit der Zeit haben sie erkannt, dass der Entschluss vernünftig war“, sagt der 21-Jährige. Heute vermisse er München auch gar nicht mehr so sehr, denn das Meer sei ihm zu einer zweiten Heimat geworden.

Alexander hat sich in den Kopf gesetzt, später einmal Kapitän zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er nach seiner Ausbildung, die er wegen des Abis um ein halbes Jahr verkürzen kann, Nautik studieren. Danach kann er als nautischer Offizier auf einem Schiff anheuern und muss eine Pflichtfahrzeit von 24 Monaten ableisten – erst dann darf er Kapitän werden. „Aber Kapitän wird nur, wen die Reederei für fähig hält“, weiß Alexander schon heute.

Weil Techniker gesucht sind, sehen es die Reedereien auch gern, wenn sich die Azubis für den Beruf des Chief Engineer entscheiden, erklärt Frau Caroline Baumgartner, die die Leitung des Crewing Department bei der Columbus Shipmanagement hat. Dabei gibt es nicht nur eine riesige Hauptmaschine zu warten, sondern auch ein Wasserwerk, ein Elektrizitätswerk und eine Kläranlage – alles, was die schwimmende Kleinstadt so braucht, so Baumgärtner.

Blockunterricht an der Seemannsschule

Laura, Michael, Alexander und Philipp müssen neben ihrer praktischen Ausbildung auf See auch drei Berufsschulblöcke absolvieren, und zwar an der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule in Lübeck-Travemünde. Dort lernen die Azubis den theoretischen Unterbau für die Metallbearbeitung, den Fahrbetrieb Brücke und die Instandsetzung von Maschinen sowie Ladungs- und Umschlagstechnik in je zweimonatigen Kursen.

Im angegliederten Internat wohnen die angehenden Schiffsmechaniker während der Schulzeit gleich neben der Schule. Neben den Maschinentechnik- und Metallwerkstätten gehört selbstverständlich ein kleiner Hafen mit dem Schulboot Priwall III und einigen Rettungsbooten zur Seemannsschule, mit denen unter anderem Manövrieren und das Retten von Schiffsbrüchigen geübt werden.