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Ausbildung zum Sattler

Reitsportsattler/in

Azubi Ramona bei der Arbeit

Ramona Aschbrenner an ihrem Arbeitsplatz: Hier fertigt sie gerade die Backenstücke einer Trense an.

Sattler bei Kieffer

Sascha Schneider mit seinem Lieblingssattel.

Formen von Sattelblättern

Die Sattelblätter der verschiedenen Sättel brauchen Ramona und ihre Kollegen als Vorlage, um die Lederstücke schneiden zu können.

Sie heißen Sterntaler, Paris und Amsterdam und sind die Stars bei der Traditionssattlerei Kieffer: Dressur- und Springsättel werden in München-Daglfing seit 1848 mit viel Liebe zum Detail in Handarbeit angefertigt. Bis zu 80 Bewerbungen treffen bei Kieffer pro Jahr ein. Aber nur drei Azubis bekommen nach dem Probearbeiten auch den heißersehnten Ausbildungsvertrag. Ramonas Traumberuf ist seit jeher eine Kombination aus Handwerk und „was mit Pferden“.

Nach der Mittleren Reife bewarb sie sich bei Kieffer und hatte nach einem einwöchigen Praktikum den Ausbildungsplatz in der Tasche: „Das hat auf Anhieb geklappt!“ strahlt die 19-Jährige noch heute. Ramona ist eine begeisterte Reiterin und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, denn klappernde Hufe gehören hier buchstäblich zum Handwerk.

Kein Ponyhof

Ein Ponyhof ist das Leben der Reitsportsattler allerdings nicht, warnt Ausbildungsleiter Sascha Schneider: „Wer glaubt, dass man hier nur Pferde streichelt und nebenher ein bisschen Sättel anpasst, der irrt.“ Vielmehr sei auch wirtschaftliches Arbeiten in der Produktion der Sättel gefragt und man darf keine Angst vor großen Maschinen haben. „Wir arbeiten mit Schleif- und Spaltmaschinen, die das Leder optimal auf die weitere Verarbeitung vorbereiten, hier darf man keine Berührungsängste haben!“

Dem 25-jährigen Sattler liegt bei der Ausbildung seiner Azubis besonders am Herzen, dass sie von A bis Z alles lernen, was zum Beruf dazugehört. Er selbst kam damals übrigens über seine pferdebegeisterte Freundin zum Reitsportsattler: „Ich war häufig beim Sattelanpassen dabei und bin so überhaupt erst auf die Idee zu diesem Beruf gekommen, obwohl ich selbst gar nicht reite“, erzählt Sascha Schneider und lacht.

Aus 120 Teilen wird ein Sattel

Ganz am Anfang lernt man sein Werkzeug kennen und alle notwendigen Basics: „Wir beginnen meistens mit der Lederverarbeitung: Zum Beispiel müssen die neuen Azubis eine Handnaht lernen und wissen, wie man das spezielle Material Leder überhaupt verarbeitet.“ Natürlich haben die Azubis auch manchmal mit vierbeiniger Kundschaft zu tun. Regelmäßig besuchen sie die Reiterstaffel München in Riem, um dort Sättel anzupassen. Diese Ausflüge zu der rund 40-köpfigen Polizeipferdeschar sind ein sehr beliebtes Ausflugsziel, so Ausbildungsleiter Sascha Schneider.

In der Ausbildung lernen die Azubis auch, wie man Sattelpolster, die auf dem Pferderücken aufliegen, herstellt, Taschen vernäht und gebrauchte Sitze überspannt. Ein Sattel ist übrigens wie ein aufwendiges Puzzle, denn er besteht aus rund 100 Lederteilen sowie aus dem 20-teiligen Sattelbaum – Klammern und Schrauben noch nicht miteingerechnet. Die Azubis müssen ganz genau wissen, welches Teil wo verarbeitet wird.

Naht in Herzform

Auch extravagante Aufträge treffen bei den Sattlern ein: „Einmal wollte ein Kunde eine Naht in Herzform auf dem Sattel haben“, schmunzelt Sascha Schneider. Ihm fiel in seiner eigenen Ausbildung anfangs vor allem das Polstern schwer, da man beide Seiten gleichmäßig füllen müsse. Allerdings ist es jetzt die Aufgabe, die er am liebsten ausübt. Ramona macht vor allem das Handnähen Spaß: „Arbeiten, wo man kreativ werden kann, sind toll! Vor kurzem habe ich ein Stallhalfter mit einem gewölbten Riemen gemacht!“ Darauf ist Ramona so stolz, dass sie es an die Wand ihres Zimmers gehängt hat.

Alle Sättel sind übrigens aus Rindsleder gefertigt, das in ganzen Häuten von der Gerberei angeliefert wird und sehr schwer sein kann. Zimperlich sollte man da nicht sein, so Ramona: „Man muss diese  Lederhäute stemmen, da darf man über einen abgebrochenen Fingernagel nicht jammern!“ Qualitativ hochwertiges Rindsleder erkennt die Auszubildende sofort: „Wenn man das Leder beim Knicken faltenfrei bleibt und das Finish hält, dann lässt es sich schön verarbeiten!“

Finish nennen die Reitsportsattler die schützende Schicht über dem Leder, die durchs Gerben entsteht und dafür sorgt, dass das Leder später nicht feucht wird. All das lernt Ramona auch in der Schule, die sie zusammen mit Autosattlern und Feintäschnern, die kleine Lederwaren anfertigen, besucht.

Lederkunde in der Berufsschule

Im Blockunterricht in der Berufsschule hat Ramona Lederkunde als eigenes Schulfach. Dort lerne sie, wie man Leder hergestellt: „Erst werden die Rohhäute in Lösungen gelegt, dann die Haare entfernt und nach Gerbprozessen und Salzungen spalten wir das Leder auf die gewünschte Stärke.“ Denn bevor das Leder verarbeitet wird, müsse es zuerst maschinell zugeschnitten werden. Am natürlichen Arbeitsmaterial Leder schätzt sie vor allem, dass es weich und anschmiegsam ist. „Ein Geldbeutel oder ein Gürtel aus Leder passt sich genau an die Körperform an und ist, ganz im Gegensatz zu Plastik, auch toll anzufassen!“

Im dritten Lehrjahr wird Ramona in der Berufsschule dann alles über die Muskulatur der Pferde und über ihre Bewegungsabläufe erfahren: Mit diesem Wissen im Gepäck kann sie später den Sattel optimal dem Pferderücken anpassen. Als Satteltesterin für Islandpferde wurde sie auch bereits eingesetzt und musste beurteilen, ob der neu im Programm eingeführte Sattel gut passt. Später kann sich Ramona auch vorstellen, als Pferdeosteopathin zu arbeiten. Es reizt sie, das Pferd und den Sattel von den Hufen bis zu den Ohren genau zu betrachten und dann sagen zu können „wo es zwickt!“