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Ausbildung Musikinstrumentenmacher/in

Musikinstrumentenmacher/in: Holz- und Blechblasinstrumente

Reparatur Saxophon

Ein Saxophon zählt zur Gruppe der Holzblasinstumente und kann in Rellingen ebenfalls repariert und gewartet werden.

Azubi von Yamaha

Echte Handarbeit: die Reparatur eines Waldhorns in den Werkstätten von Yamaha in Rellingen

Soviel sei bereits vorangeschickt: Wer Instrumentenmacher werden will, sollte idealerweise selbst ein Musikant sein! So wie Eddie Veit, Metallblasinstrumentenmachermeister im Atelier Hamburg von Yamaha: „Ich habe seit meiner Jugend in einem Musikverein gespielt und dann bot sich die Gelegenheit, immer wieder die Instrumentenbauwerkstatt in meinem Wohnort zu besichtigen.

Als Zehnjähriger hatte ich auch schon die Möglichkeit, bei der Reparatur meiner Trompete zuzusehen“, erinnert sich Eddie noch gerne zurück. Die Eindrücke hatten ihn derart fasziniert, dass ihn der Gedanke, selbst einmal Instrumentenmacher zu werden, nicht mehr in Ruhe ließ. „Es war zum einen die familiäre Atmosphäre des Betriebes, als auch die Faszination, mit den eigenen Händen etwas zum Leben zu erwecken was im Grunde unbrauchbar war
– ein Haufen Metallteile eben“, kleidet Eddie seine Begeisterung in Worte.

Jonas Lange ist Spezialist für den Bau von Holzblasinstrumenten bei Yamaha und hat die Erfahrung gemacht, „dass es sich in der Regel bei seinen Azubis um Musiker handele, aber das sei keine Voraussetzung: „Hier liegt der Fokus eher im handwerklichen Bereich“, so Jonas. Um die Instrumente nach Reparaturen testen zu können, hätten die Azubis die Möglichkeit, diese dauerhaft zu leihen. „So können sie sich mit der Zeit Spielfertigkeiten aneignen“, erklärt Jonas den Hintergrund.

Musik beherrscht die Freizeit

Zielstrebig verfolgten Jonas und Eddie ihr Ziel, den Wunschberuf des Musikinstrumentenmachers zu erlernen. Eddie: „Im Laufe der Ausbildung habe ich gelernt, dass es nicht nur faszinierend ist, etwas vermeintlich Unbrauchbares zum Leben zu erwecken, sondern auch aus ein paar unspektakulären Stücken von Material wunderschön glänzende Instrumente zu bauen“, erzählt Eddie mit leuchtenden Augen. „Dazu muss ich aber auch betonen, dass es zu meiner Jugendzeit wenige Computer gab und noch keine Apps, kein Facebook und mehr. Ich habe jede freie Minute mit Musik verbracht: Blasmusik gehört und selbst musiziert!“

Hinzu kam seine Begeisterung, in der Werkstatt des Vaters zu basteln. Eddie erinnert sich: „Ich glaube, dass diese Situation sich für die heutige Jugend geändert hat. Im Zeitalter von Apps, LAN-Partys und Internet bekommen nur noch wenige den Zugang zu Handwerk, zum Basteln und Musizieren.“

Improvisationstalent

Es gehöre ein hohes Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen dazu, in diesem Beruf erfolgreich zu werden. Eddie bringt es auf den Punkt: „Für Instrumentenbauer gibt es keine Lösungs-App und nichts funktioniert per Touchscreen. Es liegen auch keine fertigen Teile mit Bauplan bereit. Und Jonas ergänzt: „Man muss oft improvisieren und aus „nichts“ etwas machen. Musiker haben oft Wünsche, die zunächst unlösbar erscheinen. Ich muss ihnen die Lösungen bieten!“

Wer sich für eine Ausbildung zum Instrumentenmacher entschließt, erlernt zunächst handwerkliche Grundkenntnisse wie feilen, schleifen und polieren. „Dabei bekommt man schmutzige Hände, wird mitunter auch im Gesicht dreckig  und die Hände schmerzen nach einem langen Arbeitstag“, schildert Jonas ohne Umschweif. Die Azubis sollten also neben dem Durchhaltevermögen auch motorische Geschicklichkeit, Genauigkeit und eine gute Auffassungsgabe mitbringen.

Das einwöchige Praktikum ist Pflicht

Viele Betriebe bieten die Möglichkeit eines Praktikums. Für Ausbilder Eddie Veit und Jonas Lange ist es sogar eine Voraussetzung, den Lehrlingsanwärter zunächst im Praktikum kennenzulernen. „Für mindestens eine Woche sollte er in der Werkstatt mitarbeiten, damit man sich ein Bild davon machen kann, ob er die handwerklichen und persönlichen Voraussetzungen erfüllt“, fordern beide. Schließlich sei der Musikinstrumentenbau kein Beruf für Leute, die noch händeringend eine Lehrstelle suchen, sondern für Menschen, die ein gewisses Maß an Idealismus und Liebe zum Beruf mitbringen. Genau das könne man in einem Praktikum auf die Probe stellen.

Meisterprüfung

Wer die Ausbildung zum Musikinstrumentenbauer erfolgreich absolviert hat, kann danach die Meisterprüfung ablegen und sich damit weiterqualifizieren. „Berufliche Perspektiven bieten sich dann im Grunde weltweit“, schildert Eddie Veit. „Es gibt viele Betriebe, die Musikinstrumente produzieren oder reparieren. Ich bin davon überzeugt, dass ein guter Instrumentenmacher immer eine Arbeit haben wird“, so Eddie.

Allerdings bleibt zu erwähnen, dass man als Instrumentenmacher nicht „reich“ wird. Wenn jemand zum schnellen Geld kommen möchte, ist er in dieser Berufssparte sicherlich am falschen Platz. Und Jonas betont noch: „Da wir im Holzbereich verschiedene Typen von Instrumenten haben und diese auch ihre ganz speziellen Eigenschaften und Tücken haben, lernt man in diesem Beruf nie aus.“ Auch seien die Vorstellungen von Klang und Handhabung sehr individuell und somit müsse man bei verschiedenen Musikern natürlich auch immer andere Dinge optimieren und bearbeiten.

Zur Berufsschule nach Ludwigsburg

Zu der Ausbildung gehört natürlich auch der Besuch der Berufsschule. Seit jeher befindet sich diese in Ludwigsburg und auch schon Jonas und Eddie haben die Oscar-Walcker-Schule besucht. „Im Grunde genommen hat sich dort nicht viel verändert. Auch unsere Azubis sind dort zwei Mal im Jahr 6-8 Wochen am Stück untergebracht und zum Teil unterrichten sogar noch die gleichen Lehrer“, erklärt Jonas.