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Ausbildung Medienkaufmann / Medienkauffrau

Medienkaufmann/frau

Azubi bei der FAZ

Kim Schultheiß berät lieber Anzeigenkunden, als selbst zu schreiben.

Azubi Kim liest

Kim findet es spannend, sich mit Werbung zu beschäftigen.

Azubine berichtet

„Zu meinem Job gehört es, Zeitungen, Magazine und Newsletter zu lesen und immer wieder die relevanten Seiten im Internet durchzuschauen“, erklärt Kim.

Azubi bei der Arbeit

Sven Wende betreut den Online-Auftritt, twittert, konzipiert Apps und ist Schnittstelle zu technischen Dienstleistern.

„Als ich bei der Zeitung angefangen habe, haben mich meine Freunde gleich gefragt, wann sie denn den ersten Artikel von mir lesen werden“, erinnert sich Sven Wende (22). Auch Kim Schultheiß (24) räumt ein: „Ich schreibe zwar gern, aber eigentlich interessiere ich mich für Werbung und Marketing.“ Als angehende Medienkaufleute haben sich die beiden für einen Berufsweg entschieden, der vielen Abiturienten gar nicht bekannt ist. Ihre Ausbildung absolvieren sie bei einem renommierten Blatt: der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Was mit Medien ohne Studium

Kurz vor dem Abitur ging es Sven und Kim wie vielen Schülern. Fest stand zwar: Sie wollten „irgendwas mit Medien machen“. Eine Vorstellung davon, wie das konkret aussehen könnte, hatten sie aber nicht. Erste Gehversuche in der Branche unternahm Kim in der 10. Klasse bei einer Lokalzeitung in ihrer Region als Praktikantin in der Redaktion. „Um ein Volontariat zu bekommen und Journalistin zu werden, hätte ich aber studieren müssen“, erklärt sie. Dies sei für sie aber nicht in Frage gekommen. Auch Sven erklärt: „Ich wollte in die Medienbranche, aber nicht zur Uni.“

Vom Beruf des Medienkaufmanns hat Kim bei ihrem Redaktionspraktikum erfahren. Die Möglichkeit, mit Kunden umzugehen und das Anzeigengeschäft kennenzulernen, habe sie von Anfang an begeistert. Sven sah in dieser Fachrichtung dagegen eine Möglichkeit, sein Interesse für den Online-Bereich zu vertiefen. Er entdeckte den Berufszweig in der 13. Klasse bei Recherchen im Internet: „Vorher wusste ich noch gar nicht, dass es das überhaupt gibt.“

Ohne Geld keine Artikel

Inzwischen ist sich Kim sicher: „Die Ausbildung ist genau das Richtige für mich.“ Ihr Traum vom Journalismus habe sich inzwischen „erledigt“, betont sie. Stattdessen könne sie nun im Hintergrund die Voraussetzungen schaffen, die das Blatt überhaupt erst ermöglichen: „Die Journalisten und anderen Mitarbeiter müssen bezahlt werden, und dazu trägt das Anzeigengeschäft zu einem Großteil bei.“ Im Printbereich seien die Anzeigen außerdem weniger störend als zum Beispiel im Fernsehen: „Bei uns ist das alles viel unaufdringlicher.“

Selbst im Verkauf tätig ist sie zwar nicht. Jedoch ist sie Ansprechpartnerin für die Kunden, wenn diese etwa Fragen zu Werbemöglichkeiten haben oder wissen wollen, wo ihre Anzeige platziert werden kann. Oft hat sie auch Gelegenheit, zu Kundenterminen mitzufahren, die außer Haus stattfinden: „Ich bin immer bemüht, die Leute auch persönlich kennenzulernen.“

Themenplanung einmal anders

Beteiligt ist Kim außerdem an der Konzeption von Beilagen, etwa zu wichtigen Messen wie der Computermesse Cebit. Auf die Themen Medien, IT und Technologie hat sich Kim im Rahmen ihrer Ausbildung spezialisiert. In diesem Bereich werden von ihr nun vertiefte Branchenkenntnisse erwartet. Das bedeutet: Die Auszubildende muss sich regelmäßig informieren. Wie das in der Praxis aussieht? „Zu meinem Job gehört es, Zeitungen, Magazine und Newsletter zu lesen und immer wieder die relevanten Seiten im Internet durchzuschauen“, erklärt Kim. Diese Aufgabe nehme täglich mehrere Stunden in Anspruch.

Zugute kommt ihr das aktuelle Branchenwissen unter anderem bei der Planung von Zeitungsbeilagen. An der Konzeption ist sie von der ersten Idee bis zur Umsetzung mit dabei. Das Team, in dem sie arbeitet, bespricht zunächst die Themen. Dabei kann Kim auch eigene Vorschläge einbringen: „Das ist bei uns alles sehr offen.“ Anschließend wird die Organisation bis zum Druckunterlagenschluss abgewickelt.

Genauigkeit und mathematisches Verständnis

Wichtig sei hier vor allem genaues Arbeiten. Dies gelte vor allem für die Abstimmung mit den Kunden, betont die Auszubildende. Bei den Anzeigen gehe es nämlich um sehr viel Geld: „Eine Seite in der FAZ kostet in etwa so viel wie ein neuer Kleinwagen.“ Ihr Tipp: „Man muss sich alles, was besprochen wird, aufschreiben, dann kann nichts passieren.“

Exaktheit ist aber auch bei vielen anderen Aufgaben gefragt – etwa bei der Erstellung von Quartalsberichten, bei denen die vierteljährlichen Umsätze und Ausgaben im Unternehmen erfasst werden. Dies sei eine „große Herausforderung“, erklärt Kim. Nötig sei dafür auch mathematisches Verständnis: „Man muss kein Überflieger sein, aber zumindest im Mittelfeld liegen.“

Selbstständig fragt sie die Daten im System ab und muss beurteilen, welche davon für die Aufstellung gebraucht werden und welche nicht. Allerdings trägt sie die Verantwortung nicht alleine. Ihre Ergebnisse werden von einem Kollegen kontrolliert: „Das funktioniert immer nach dem Vier-Augen-Prinzip.“ Abschließend wird der Bericht ihrem Chef vorgelegt.

Witzig und kreativ

Auswerten muss die angehende Medienkauffrau auch, welche Anzeigen in anderen großen Blättern wie der Financial Times oder der Süddeutschen Zeitung geschaltet werden. Sich mit Werbung zu beschäftigen findet sie spannend. Auch wenn sie die Inhalte nicht selbst gestaltet, bekommt sie in ihrem Beruf einen umfassenden Einblick, wie das Ganze funktioniert: „Unter Kollegen unterhält man sich auch über die Anzeigen, vieles davon ist informativ, sehr witzig und kreativ.“

Diskutiert werden die Inhalte außerdem im Fach „Anzeigen“ in der Berufsschule, die die Auszubildenden zweimal in der Woche besuchen. Im Unterricht lernt sie aber auch, wie man eine Anzeige richtig kalkuliert: „Wir rechnen überhaupt viel.“ Weitere Fächer sind unter anderem Buchführung, Kosten-Leistungsrechnung und Marketing.

Anzeigenschaltung und Werbung

Auswerten muss die angehende Medienkauffrau auch, welche Anzeigen in anderen großen Blättern wie der Financial Times oder der Süddeutschen Zeitung geschaltet werden. Sich mit Werbung zu beschäftigen findet sie spannend. Auch wenn sie die Inhalte nicht selbst gestaltet, bekommt sie in ihrem Beruf einen umfassenden Einblick, wie das Ganze funktioniert: „Unter Kollegen unterhält man sich auch über die Anzeigen, vieles davon ist informativ, sehr witzig und kreativ.“

Diskutiert werden die Inhalte außerdem im Fach „Anzeigen“ in der Berufsschule, die die Auszubildenden zweimal in der Woche besuchen. Im Unterricht lernt sie aber auch, wie man eine Anzeige richtig kalkuliert: „Wir rechnen überhaupt viel.“ Weitere Fächer sind unter anderem Buchführung, Kosten-Leistungsrechnung und Marketing.

Strategie und Planung

Eher kritisch sieht die Berufsschule hingegen Sven. „Meine Erwartungen an die Berufsschule wurden nicht erfüllt“, räumt er ein. Aber zusammen mit dem, was er im Betrieb lerne und den internen Schulungen fühle er sich gut auf die Prüfungen vorbereitet. Auch er kann bereits in der Ausbildung sehr selbstständig arbeiten. Sein Team ist für den Online-Auftritt der Zeitung zuständig. Gefragt sind in diesem Bereich auch immer wieder neue Ideen.

An den Meetings, in denen die Projekte besprochen werden, nimmt der Auszubildende teil. Er und seine Kollegen planen zum Beispiel neue Apps, in denen Video- und Audioinhalte der Internetseite auf das I-Pad geladen werden können: „Wir überlegen uns, ob wir damit Geld verdienen wollen, wer die Zielgruppe sein und wer das Ganze vermarkten und technisch  umsetzen soll.“

Außerdem betreut Sven einige Twitter-Accounts seiner Zeitung. Auch hier geht es um Strategie und Kreativität: „Da das Nutzerverhalten bei sozialen Netzwerken ständig im Wandel ist, muss die Vielfalt der Twitter-Accounts immer wieder hinterfragt werden. Es kann also sein, dass ich bestehende Accounts zusammenlege oder durch neue ersetze.“ Er schreibt Einleitungstexte fürs Netz, arbeitet an Wettbewerbsanalysen mit, etwa zum Thema Mobile, und prüft, ob die Online-Anzeigen richtig auf der Seite platziert sind. Werden redaktionelle Inhalte durch ein Werbebanner verdeckt, macht er davon einen Screenshot und schickt ihn an die Technikabteilung.

Wissen, worum es geht

Mit Kunden hat Sven dagegen relativ wenig zu tun. Sein Schwerpunkt ist vielmehr die Abstimmung zwischen den Mitarbeitern im Haus und technischen Dienstleistern. Ein gewisses technisches Grundverständnis sei daher wichtig, erklärt er: „Ich muss nicht bis ins kleinste Detail wissen, wie die Dinge funktionieren, aber die Zusammenhänge verstehen, um handeln zu können.“ Regelmäßig beobachtet er auch, wie intensiv das Online-Angebot von den Lesern genutzt wird.

Zur Auswertung der Zahlen gehört, bei eventuellen Einbrüchen nach Erklärungen zu suchen: „Ziel ist natürlich, dass die Frequenz möglichst hoch ist.“ Außerdem übernimmt er kaufmännische Aufgaben wie das Prüfen von Rechnungen. Auch das ist eine große Verantwortung – denn wenn die Beträge nicht stimmen, muss sein Verlag vielleicht ungerechtfertigter Weise zu viel bezahlen. Mit der Ausarbeitung von Budgets ist er aber noch nicht betraut: „Dafür braucht man mehr Erfahrung.“

Überall dabei

Neben vertieften Einblicken in Einzelbereichen erhalten Kim und Sven aber auch einen Überblick über das große Ganze. Während ihrer Ausbildung durchliefen sie fast alle Abteilungen des Verlags. Das sei sehr abwechslungsreich und spannend gewesen, schwärmt Sven: „Die Leute in der Redaktion sind zum Beispiel ganz anders als die im Archiv.“ Auch die Kommunikations- und PR-Abteilung, den Abo- und Kundenservice sowie die Produktion haben die Auszubildenden kennengelernt. „Medienkaufleute können in viele verschiedene Richtungen gehen“, erklärt Sven.

Ihm haben die zwei Monate bei den elektronischen Medien jedoch am meisten Spaß gemacht. Seine ursprüngliche Absicht, sich auf den Online-Sektor zu spezialisieren, habe sich dadurch bestätigt. Auch Kim ist mit ihrer Position in der Anzeigenabteilung mehr als zufrieden: „Ich bin ständig mit neuen Themen und neuen Menschen konfrontiert.“ Immer wieder Kontakte knüpfen und pflegen zu können, empfinde sie als das Reizvollste an ihrem Beruf.

Studieren oder arbeiten

Vorstellen kann sie sich inzwischen auch, später einmal in den Verkauf zu gehen. Bestimmte Karrierepläne verfolgt sie aber nicht. Wenn sie den Abschluss geschafft habe, habe sie „ihr Ziel erst einmal erreicht“. Anschließend wolle sie in ihrem Beruf arbeiten und „so viel wie möglich an Erfahrungen mitnehmen“. Ein Übernahmeangebot haben sie und ihr Kollege bereits bekommen, schon jetzt arbeiten sie in den Abteilungen, in denen sie später fest angestellt sein werden. „Der Verlag versucht, seine Azubis zu halten“, erzählt Sven. Da viele Medienkaufleute nach der Ausbildung studieren wollen, fördert der F.A.Z.-Verlag berufsbegleitende Studiengänge. „Das haben schon viele unserer Vorgänger genutzt. Sie wurden übernommen und studieren nebenbei.“

Auch Sven überlegt inzwischen, in einigen Jahren vielleicht doch noch zu studieren. Ins Visier genommen habe er die Fachrichtung Medienmanagement: „Aber etwas Konkretes steht noch nicht fest.“ Zunächst einmal will auch er in der Firma bleiben: „Die praktische Arbeit macht mir Spaß.“ Wie es danach weitergehe, werde man sehen.