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Tierpfleger im Tierpark Hellabrunn

Erfahrungsbericht: Tierpfleger im Tierpark Hellabrunn

Kattas

Kattas lieben Obst und Gemüse (Foto: Tierpark Hellabrunn)

Nashorn

Nashorn-Dame Rapti ist 25 Jahre alt, der Tierpark wartet sehnsüchtig auf Nachwuchs. (Foto: Tierpark Hellabrunn)

Pinguine

Revierleiter Helmut Kern mit den Felsenpinguine in der Polarwelt (Foto: Tierpark Hellabrunn)

Elefanten

Ludwig und Temi im Elefantenhaus. (Foto: Tierpark Hellabrunn)

Ein Tag mit Tierpflege-Azubi Anna Hagemann

In Hellabrunn gehen pro Jahr 300 Bewerbungen ein – wer am Ende einen Ausbildungsvertrag unterschreiben darf, entscheidet unter anderem der Zoologische Inspektor Robert Müller. Als Tierpfleger arbeite man in erster Linie für die Tiere, aber nicht mit ihnen, so Robert Müller: „Wer wirklich direkten Kontakt mit Tieren haben will, sollte Bereiter oder Dresseur werden. Tierpfleger ist ein reiner Pflegeberuf: Wir sorgen dafür, dass die Tiere gut versorgt sind.“

Der Arbeitsalltag eines Tierpflegers könne man so zusammenfassen, schmunzelt Robert Müller: „Putzen, saubermachen, putzen, saubermachen.“ Oft werde ein falsches Bild vom Beruf des Tierpflegers vermittelt, denn Füttern und Streicheln mache einen minimalen Prozentsatz des Arbeitsalltags aus: „In der Früh machen die Tierpfleger eine sogenannte Papierrunde durch den Tierpark und sammeln Müll ein, machen Bänke sauber und putzen die vielen Glasscheiben des Tierparks.“

Obstsalat für Faultiere

Anna Hagemann ist seit September 2012 im ersten Ausbildungsjahr. Dem zierlichen Mädchen scheint die körperliche Arbeit nichts auszumachen. Nur am Anfang haben ihr am Abend die Füße wehgetan, erzählt sie: „Ich laufe sicherlich mehrere Kilometer täglich durch den Tierpark!“ Als wir sie treffen, entkernt sie gerade im Tierparkteil Afrika mit Engelsgeduld Weintrauben: „Der Magen von Faultieren ist sehr empfindlich und außerdem sind sie auch sehr verwöhnt,“ lacht sie. Bei den Faultieren wohnen auch die beiden Panzernashörner Rapti und Nico. Anna weiß: „Nashörner sehen nicht so gut, deshalb muss man mit ihnen sprechen, sobald man sich nähert, sonst erschrecken sie.“

Inka Ehm, die seit über 20 Jahren als Tierpflegerin in Hellabrunn arbeitet und uns mit Anna durch „Afrika“ begleitet, erklärt: „Rapti und Nico dürfen täglich baden und ins Außengehege – nur wenn es kälter als minus 10 Grad ist, dann lassen wir sie nicht mehr hinaus.“ Wir gehen auf das Außengehege der Nashörner, wo die ausgelassenen Wassergräben vom Schlamm gereinigt werden müssen. Um zu verhindern, dass wir von einem Nashorn überrascht werden, gibt Inka Ehm ihrer Kollegin Bescheid.

Von den Nashörnern zur Bateng-Kug Gina

Anna erläutert: „Es wäre nicht so lustig, wenn plötzlich ein Nashorn vor einem steht.“ Und ergänzt: „Auch wenn Rapti und Nico ruhig wirken, sie könnten einen mit Leichtigkeit umrennen oder an die Wand quetschen“, so Anna. „Rapti, das Weibchen, wiegt zwei Tonnen und hat gefährliche Schneidezähne. Man muss immer daran denken, dass es keine Haustiere sind.“ Im Anschluss an das Nashornhaus geht es zur Banteng-Kuh Gina weiter, die sich die Klauen aufgeschürft hat. Inka Ehm nähert sich vorsichtig und nimmt den Fuß von Gina auf, die ihn ihr bereitwillig gibt – nun kann Anna Salbe darauf verreiben.

Mädchen können gut anpacken

Im Tierpark Hellabrunn gibt es zwei Zootierärzte, 72 Tierpfleger und 15 Azubis, die für rund 19.000 Tiere sorgen. Obwohl die Arbeit körperlich hart ist, sind es meistens die Bewerberinnen, die gut anpacken können, erzählt Robert Müller: „Wenn man Jungs und Mädchen sagt, sie sollen sich Werkzeug holen, packen sich die Mädchen Schaufel und Besen und marschieren los. Bei Jungs ist es schon mal vorgekommen, dass einer den Besen am äußersten Ende hinter sich herzog“, lacht er.

Wer Tierpfleger werden möchte, weil er Tiere süß findet, sei in dem Beruf falsch, meint Robert Müller: „Es ist ein anstrengender Beruf, man ist bei Wind und Wetter draußen. Auch wenn Schubkarren teilweise automatisch entleert werden, braucht man viel Kraft!“ Weil das Gelände oft unwegsam sei, müsse man gut zu Fuß sein und dürfe keinerlei körperliche Einschränkungen haben, ergänzt der Ausbildungsleiter.

Tierpfleger besitzen außerdem großes Wissen über Tiere, erklärt Robert Müller: „Man muss ihre Ansprüche kennen. Früher haben wir die Herde sofort von dem toten Elefanten getrennt: Die haben aber noch tagelang nach ihm gerufen. Heute wissen wir es besser und lassen den toten Elefanten ein bis zwei Stunden liegen – die Elefanten haben da ein Ritual: Sie bilden einen Kreis um ihn und verabschieden sich.“ Außerdem braucht man ein Gefühl für die Tiere, so der Ausbildungsleiter: „Man darf nicht einfach ins Gehege stürmen, sondern muss sich vorsichtig nähern und dabei sprechen oder pfeifen. Und man muss in der Lage sein, zu erkennen, wann ein Tier krank ist.“

Den richtigen Umgang lernen die Azubis aber während der Ausbildung, beruhigt der Ausbildungsleiter. Unterricht gäbe es neben der Berufsschule auch intern in Hellabrunn: „Futtermittelkunde, Tiergartengeographie, Anatomie und Tierbeschäftigung sind Inhalte der Schulungen, mit denen sich die Azubis auch auf die Gesellenprüfung vorbereiten können.“ Des Weiteren bräuchten Tiere auch Beschäftigung und ein attraktiv gestaltetes Gehege, so Robert Müller.

Beliebtes Revier: Die Polarwelt

Anna hat den Umgang mit Tieren in die Wiege gelegt bekommen: „Meine Eltern haben beide in Hellabrunn eine Ausbildung zum Tierpfleger gemacht.“ Deswegen interessiere sie vor allem die Polarwelt als Arbeitsplatz, wo früher ihre Mutter gearbeitet habe. Wir gehen zusammen mit ihr in die Polarwelt, zu den beiden kalifornischen Seelöwen, Lenny und Luis. Bereits im Eingang riecht es stark nach Fisch, dem Hauptnahrungsmittel der zwei jungen Robben.

Wir sind hier im Kindergarten der Seelöwen, die von Azubi Barbara Ehrhard betreut werden: „Die beiden sind superschlau und können Kunststückchen machen.“ 2012 hatte sie das Glück, bei der Geburt einer Mähnenrobbe dabei sein zu dürfen und schwärmt: „Das war toll, dass ich ausgerechnet an diesem Tag da war!“

Mähnenrobben sind im Umgang sehr gefährlich, erklärt Barbara, man müsse die Robben immer alle im Blick haben, wenn man ihr Gehege betrete: „Einmal haben sie einfach die Tür zugedrückt und mich nicht mehr gehen lassen.“ Wie Menschen haben sie ganz unterschiedliche Charaktere, erzählt Barbara mit leuchtenden Augen: „Luis ist ein Schreihals und Lenny ist eher zurückhaltend.“ Als Anna mit einem Eimer voller Fische zu den Seelöwen geht, springen sie wild durchs Wasser. Barbara lacht: „Ja, die machen ganz schön Welle!“ Lebhaft springt Luis auf den Stein, der aus dem Wasser ragt und holt sich ein Fischstückchen nach dem anderen von Anna – Lenny schaut neugierig zu: Er wartet schüchtern, bis ihm ein Stück Makrele zugeworfen wird.

Durch alle Kontinente des Tierparks

In der Ausbildung müssen die Azubis alle Reviere durchlaufen: Amerika, Afrika, Europa, den Kinderzoo, die Polarwelt und das Elefantenhaus. Die beiden letzteren sind sehr beliebt bei den angehenden Tierpflegern. In welches Revier sie später kommen, entscheiden die Mitarbeiter und Azubis gemeinsam, so Robert Müller, nachdem auch der Stellenplan berücksichtigt wurde: „Das Team muss zusammenpassen!“ und ergänzt: „Das Elefantenhaus ist sehr beliebt bei den Pflegern, weil man da viel direkten Kontakt zu den Tieren hat.“

Aber der Umgang mit den vier Tonnen schweren Dickhäutern sei nicht einfach, meint er. „Tierpfleger sind hier theoretisch immer in Lebensgefahr, deswegen tastet man in der Ausbildung langsam an, ob sich ein Azubi für das Elefantenhaus eignet.“ Wer als Pfleger zu den Menschenaffen wolle, müsse auf Zack sein, meint Robert Müller: „Die sind hochintelligent und wenn man sie von den anderen separieren muss oder hin- und hersperren, muss man aufpassen, dass sie einen nicht überlisten.“ Auch Seelöwen seien im Umgang „nicht ohne“ meint Robert Müller.

Nicht nur streicheln ist angesagt

„Gelernte Tierpfleger müssen auch Futtertiere töten können, selbst wenn sie Veganer oder extreme Tierfreunde sind“, sagt Robert Müller. Außerdem lernen die Azubis in den internen Schulungen der Schlachterinnung auch das Zerwirken, also Zerlegen, von ganzen Tieren wie zum Beispiel Rindern.

Das Motto „Der Kunde ist König!“ gilt auch in Hellabrunn. In der Ausbildung wird viel Wert gelegt auf das Gespräch mit dem Tierparkbesucher: „Die Azubis müssen sich auf dem Gelände auskennen und den Besuchern höflich antworten, aber diese auch in ihre Schranken weisen, wenn sie sich falsch verhalten – zum Beispiel an die Scheiben klopfen oder Grenzen übertreten.“