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Ausbildung zum Tierpfleger im Tiergarten

Erfahrungsbericht: Tierpfleger im Tiergarten Nürnberg

Elefant im Tiergarten Nürnberg

Als Tierpfleger im Zoo bist du auch Ansprechpartner für die Besucher.

Zebra im Tiergarten Nürnberg

Die Nähe zu den Tieren ist wichtig im Beruf des Tierpflegers.

Seelöwen beim Training

Versorgung der Seelöwen ist eine der Aufgaben des Tierpfleger in einem Zoo.

Tierpfleger im Tiergarten Nürnberg – Traumberuf mit vollem Körpereinsatz

Jedes Ausbildungsjahr interessieren sich hunderte Jugendliche für die Ausbildungsstellen in der Tierpflege im Tiergarten Nürnberg. Die meisten von ihnen sind junge Frauen. Oftmals kennen sie ihren Traumberuf aus dem Fernsehen. Dort vermitteln Serien und Zoodokumentationen wie die „Nürnberger Schnauzen“ jedoch nur Ausschnitte aus dem Alltag des Tierpflegers. Allgemein gilt, ausgebildete Fachkräfte in der Tierpflege der Fachrichtung Zoo versorgen und betreuen Zootiere. Sie sind für die artgerechte Einrichtung der Tierunterkünfte und deren Sauberkeit zuständig. Darüber hinaus beschäftigen sie die Tiere und helfen bei der Aufzucht von Jungtieren.

„Tierpflege ist Knochenarbeit und daran hat sich auch trotz neuer Anlagen und technischer Hilfsmittel wenig geändert“, sagt einer der es wissen muss. Ludwig Löb schloss gemeinsam mit einem Freund den ersten Jahrgang ausgebildeter Tierpfleger in Europa ab. 1949 begann er seine Lehre mit 14 Jahren im Tiergarten Nürnberg. „Damals kam aber noch hinzu, dass Tiere für den Transport fast mit der bloßen Hand auf der Anlage gefangen wurden. Dabei trieben die Pfleger die Tiere mit Schildern und Stangen in die Enge. Das war nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch gefährlich. Nicht selten wurde ein Pfleger durch das Ausschlagen der Tiere verletzt.“

Der damalige Zoodirektor Dr. Karl Birkmann lernte den zwölfjährigen Ludwig kennen als er einen verletzten Bussard zur Pflege in den Tiergarten brachte. Der gekonnte Umgang des Jungen mit dem großen Vogel begeisterte den Zoodirektor. „Für die Tierpflege braucht man Einfühlungsvermögen“, so Löb. Den Tieren und dem Tiergarten blieb er sein ganzes Berufsleben lang treu. Zehn Jahre lang war er als Springer in den Revieren im Einsatz, das heißt in den Abteilungen im Tiergarten, in denen er gebraucht wurde. Lange Zeit betreute er danach unter anderem die Elefanten. Seit den 1980er Jahren leitete er als Inspektor die Tierpflege in Nürnberg und war auch als Prüfer der Industrie- und Handelskammern für die entsprechende Ausbildung in Bayern zuständig.

Bis 1949 entstammten die Pfleger im Tiergarten Nürnberg diversen Handwerks-berufen und waren Schreiner, Gärtner oder Schlosser. Die damals insgesamt zwölf angelernten Pfleger arbeiteten in einem größtenteils kriegszerstörten Tiergarten, der ihnen neben der Pflege des überschaubaren Tierbestands mit Raubtieren, Kamelen, Zebras, den afrikanischen Watussi-Rindern und diversen Affenarten wie einem Schimpansen, einer Paviangruppe, Gibbons und Rhesusaffen, vor allem handwerkliches Können zum Wiederaufbau der Anlagen und Ställe abverlangte. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Zoodirektor Birkmann in der Konzeption der Tierpflegerausbildung für die Lehrlinge ein Vierteljahr im Straßenbahndepot vorsah, um ihnen Kenntnisse der Holz- und Metallbearbeitung bis hin zum Schweißen beibringen zu lassen. Da es noch keine Berufschule für die Tierpflege gab, besuchte Löb ein Jahr die theoretische Ausbildung der Metzger. Dort lernte er den Körper¬aufbau von Säugetieren kennen. Außerdem durchlief er eine längere Zeit die Landwirtschaftsschule. Sein Wissen über die damals im Tiergarten heimischen Exoten wie Elefanten oder Eisbären brachte ihm der Zoodirektor selbst bei.

Der Alltag der Lehrlinge

Der Alltag der Lehrlinge damals unterschied sich darüber hinaus kaum von der Arbeit der anderen Pfleger. Sie alle waren an sechs Tagen in der Woche im Einsatz. Der freie Tag verschob sich Woche für Woche. Bereits ab dem zweiten Lehrjahr übernahmen die Auszubildenden vertretungsweise die Verantwortung für ein Revier. Das Füttern der Tiere, das Reinigen der Anlagen und selbst das Beschaffen des Futters erfolgten mit einfachsten Mitteln. „Aufgrund der Futterknappheit 1949/50“, erzählt Ludwig Löb, „wurden wir Lehrlinge in den Wald geschickt, um säckeweise Heidekraut für die Elefanten zu schneiden oder Flechten für die Rentiere zusammenzurechen. Am Abend holte uns dann der große Laster ab.“ Außerdem gehörte das Mähen der für den Tiergarten bereitgestellten großen Wiesenflächen, die alten Nürnbergern als „Russenwiese“ bekannt sein dürfte, zu den Aufgaben der Auszubildenden.

Gab es zu den frühen Zeiten von Ludwig Löb so gut wie keine Frauen in der Tierpflege, übernehmen in den letzten Jahren zusehends Tierpflegerinnen auch leitende Funktionen. Von den neun Revieren im Tiergarten Nürnberg werden drei von Revierleiterinnen organisiert. Harriet Wolter ist eine von ihnen. Die Vierzigjährige stammt aus der Eifel und kam nach Zwischenstationen in verschiedenen Wildparks vor zehn Jahren in den Tiergarten Nürnberg. Dort organisiert sie seit 2002 das Revier 5, den Kinderzoo. Zu ihren Aufgaben gehören das Aufstellen des Dienstplans für das Revier, die Koordination der Arbeit der Kollegen, Absprachen mit anderen Abteilungen wie den Tierärzten, Gärtnern oder Handwerkern.

Wolter hat die dreijährige Ausbildung zur Tierpflegerin im Wildpark Lüneburger Heide gemacht. „Ein Faible für Tiere hatte ich schon immer.“ Ihr Onkel war Tierarzt und nahm sie auch mal zu „weniger romantischen Einsätzen“ wie dem Einschläfern schwacher Tiere mit. Als begeisterte Vogelbeobachterin hat die Pflegerin schon als Schülerin in einem Wildpark Greifvögel betreut und sich an einer Wiedereinbürgerungsaktion für den Uhu beteiligt. Nach dem Abitur jobbte sie sechs Monate in einer Greifvogelstation in Kanada, begann ein Studium und bewarb sich dann doch für eine Ausbildung zur Tierpflege. Als sie den Ausbildungsplatz in der Tasche hatte, machte sie sich auf vier Monate lang in Australien Nationalparks zu besuchen, um Greifvögel und Schnabeltiere zu beobachten.

„Grundvoraussetzung für den Tierpflegeberuf ist eine Nähe zur Natur und zu Tieren. Gleichzeitig muss man aber auch die eine emotionale Distanz zu den einzelnen Tieren wahren. Es werden immer wieder Tiere abgegeben oder sterben. Da sollte man sein Herz nicht dran hängen“, so Wolter. Der richtige Abstand zum Tier ist auch notwendig, um Futtertiere für die Zootiere töten zu können. „Ganz wichtig“ findet die erfahrene Pflegerin, „ist es für einen Tierpfleger auch, dass er praktisch veranlagt ist und zuverlässig und sorgfältig arbeitet. Man sollte immer dran denken: ein offengelassener Schieber im Löwenkäfig kann das Leben kosten.“ Auch wenn es nicht gleich ans Leben geht, Unfälle sind in der Tierpflege keine Seltenheit. Harriet Wolter hatte bislang Glück. Lediglich eine kleine Narbe über dem Auge deutet auf einen gefährlichen Zwischenfall hin. Ludwig Löb erwischte es heftiger: ein Affe durchbiss seine Achillesferse. Die Verletzung führte dazu, dass der Pfleger nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt monatelang nur mit Krücken gehen konnte.

Der Beruf des Tierpflegers hat sich weiterentwickelt

„Jedem, der sich für den Beruf interessiert, muss klar sein, dass auch noch heute der Tierpflegeberuf zum größten Teil aus körperlicher Arbeit besteht,“ bestätigt Harriet Wolter die Einschätzung von Ludwig Löb. Zunehmend erleichtern allerdings bauliche Maßnahmen den Arbeitsalltag der Tierpfleger. Bei baulichen Veränderungen und neuen Anlagen werden die Pfleger in die Planung einbezogen. Denn nur sie wissen, wie die schweren täglichen Arbeiten durch kurze Wege zum Beispiel besser bewältigt werden können. Um die Arbeit außerdem zu erleichtern, wurden in den letzten Jahren Elektroschubkarren eingeführt und Seilzüge für das Wuchten der Futtersäcke angebracht, doch Füttern und Ausmisten besonders im Freien bleiben harte Arbeit.

Seit den frühen Zeiten von Ludwig Löb hat sich auch der Inhalt des Tierpflegeberufs weiterentwickelt. Dazu gehört der Umgang mit der Öffentlichkeit. Die Tierpfleger sind die ersten Ansprechpartner von Tiergartenbesuchern und stehen nicht selten Journalisten für Beiträge in der Tageszeitung, im Hörfunk oder im Fernsehen Rede und Antwort. Bei kommentierten Fütterungen erklären die Pfleger als Experten einer großen Menschenmenge die Besonderheit der jeweiligen Tierart. In der seit Juli 2003 gültigen Verordnung über die Berufsausbildung zum/r Zootierpfleger/in wird im praktischen Teil der Abschlussprüfung ein 20-minütiges Kundengespräch verlangt. Dies dokumentiert, wie wichtig dieser Aufgabenbereich geworden ist.

Einen wichtigen Anteil der Tätigkeit eines Tierpflegers hat heute die Beschäftigung der Tiere, um sie körperlich gesund zu halten. Tierpfleger und –pflegerinnen stehen heute dem Kurator bei der Veränderung des Tierbestands wie beispielsweise der Anschaffung neuer Tiere oder der Abschaffung vorhandener Tiere beratend zur Seite. Sie unterstützen auch die Zoopädagogen dabei, bei Kindern ein Interesse an der Natur zu wecken.

Alles zu einer Bewerbung als Tierpfleger/in - Fachrichtung Zoo im Tiergarten Nürnberg findest du auf der Karriereseite des Tiergartens.