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Ausbildung Mechatroniker/in

Erfahrungsbericht: Mechatroniker/in

Azubine bei Knorr-Bremse

Unter den auszubildenden Mechatronikern ist Sabrina Siegert die einzige Frau.

Azubi bei Knorr-Bremse

In verschiedenen Praktika hat Josef Deischl mehrere Berufe getestet, bevor er sich für die Ausbildung zum Mechatroniker entschieden hat.

Azubis an der Mechanik

Nach der Ausbildung ins Ausland - für Mechatroniker kein Problem.

Von der Modelleisenbahn zum echten Zug

Schon als Kind hat Josef Deischl gern Modelleisenbahnen zusammengebaut. „Ist doch klar, alle Jungen machen sowas“, sagt der 19-Jährige. Nur Jungen? Keineswegs. Auch Sabrina Siegert (20) hat als Mädchen mit der elektrischen Eisenbahn gespielt. Heute spielen die beiden nicht mehr. Ihrer Leidenschaft fürs Basteln und für Züge sind sie aber treu geblieben. Sie absolvieren eine Ausbildung zum Mechatroniker bei Knorr-Bremse, einem international tätigen Unternehmen mit Hauptsitz in München Moosach, das die Hersteller von Zug- und Nutzfahrzeugen beliefert.

Die Bastelleidenschaft zum Beruf gemacht

Josef hat vieles ausprobiert. „Ins Büro wollte ich nie“, erzählt er. Ein Praktikum bestätigte: Schreibtischarbeit passt nicht zu ihm. Auch, als er einmal in den Arbeitsalltag einer Brauerei hinein geschnuppert hat, konnte er sich nicht zu einer Ausbildung in diesem Bereich entschließen. Anders sah es bei seinem Praktikum als Mechatroniker aus: „Ich habe jeden Tag etwas Neues erfahren.“ Gesehen hat er dort unter anderem, wie man Platinen verkabelt, Werkstücke aus Metall zusammenschraubt und Geräte montiert. „Das war sehr spannend“, schwärmt er noch heute. Sabrina wusste schon als Schülerin, dass ihr Technik liegt. An der Realschule hat sie einen mathematischen Zweig gewählt. „Mathe und Physik mochte ich“, sagt sie.

Besonders gefallen hat ihr an Physik, „dass man dort selbst Sachen ausprobieren kann.“ Auf einer Schulmesse entdeckte sie ihren jetzigen Ausbildungsbetrieb, bewarb sich und wurde genommen. Allerdings ist sie unter den Auszubildenden Mechatronikern die einzige Frau. „Das macht aber nichts, ich komme gut zurecht“, betont sie selbstbewusst. Manchmal braucht man für die Tätigkeiten, vor allem in der Montage, aber auch Kraft. Jedoch seien die meisten Arbeiten auch für eine Frau gut zu bewältigen: „Das geht, ich habe ja Muskeln.“ Außerdem hat sie Josef. „Er hilft mir, wenn ich zum Beispiel mal etwas mit dem Drehmomentschlüssel nicht aufbekomme.“

Aufgabe der beiden ist es, Bauteile exakt zusammen zu setzen. In der Lehrwerkstatt haben sie das ein Jahr lang geübt. Seit dem zweiten Ausbildungsjahr arbeiten sie aber in der echten Produktion mit. Derzeit sind sie in der Montage eingesetzt. Was dort zu tun ist? „Vor kurzem haben wir Komponenten einer Bremssteuerung auf eine Alu-Platte montiert“, berichtet Josef. Anschließend haben die Auszubildenden auch selbst überprüft, ob alles funktioniert.

Genauigkeit und Geduld ist gefordert

Beim Zusammenbauen der Teile folgen er und Sabrina einer genauen Anleitung. „Jede Schraube und jede Mutter ist nummeriert“, erklärt Sabrina. Aufgezeichnet ist außerdem, in welcher Position das jeweilige Element angebracht werden muss. Manchmal müssen sich die Auszubildenden die Einzelteile, die sie brauchen, selbst zusammen suchen: „Oft bekommen wir aber auch fertige Sätze, das ist dann wie ein Baukasten.“

Die Zeichnungen, nach denen sie vorgehen müssen, zu verstehen, ist allerdings nicht ganz einfach. Wie das Lesen von Plänen funktioniert, haben Josef und Sabrina in Ansätzen aber schon in der Schule erfahren. Beide hatten Unterricht im technischen Zeichnen. Zu ihren Aufgaben zählt jedoch auch, ihre Tätigkeiten selbst in Zeichnungen und Beschreibungen genau zu dokumentieren. „Wir müssen das so darstellen können, dass auch ein Laie es versteht“, sagt Sabrina. Dazu müsse man sich in einen Leser ohne technische Vorkenntnisse hineinversetzen können, ergänzt Josef. Angefertigt werden die Zeichnungen mit besonderen Programmen am Computer – Inhalt der Ausbildung ist deshalb auch der Umgang mit der berufsspezifischen Software.

Das theoretische Wissen für ihre Tätigkeiten lernen Josef und Sabrina an der Berufsschule. Zusätzlichen Unterricht erhalten sie außerdem im Betrieb – etwa in Englisch. In diesem Fach mussten die beiden sogar einen firmeninternen Test ablegen, bevor sie ihre Ausbildung bekommen haben. Durchfallen konnten sie dabei aber nicht: „Das wurde nur gemacht, damit wir richtig eingestuft werden konnten“, berichtet Sabrina. Im Unternehmen werden nämlich Kurse für unterschiedliche Leistungsniveaus angeboten.

Kundenbetreuung auf Englisch

Wichtig sind gute Englischkenntnisse vor allem deshalb, weil die beiden nach Abschluss ihrer Ausbildung wahrscheinlich auch im Ausland eingesetzt werden. „Wenn ein Gerät nach Ägypten oder Indien geliefert wird, müssen wir den Leuten dort erklären können, wie die Maschinen funktionieren“, sagt Sabrina. Nötig ist dafür vor allem technisches Englisch, aber natürlich müssen die Fremdsprachenkenntnisse auch die Kommunikation im Alltag ermöglichen. Josef freut sich schon jetzt darauf, später einmal Dienstreisen antreten zu dürfen: „Das ist ein großer Pluspunkt an diesem Beruf.“

Die Kleinen an der Drehmaschine

Um die Allgemeinbildung der Auszubildenden zu fördern, gibt es im Betrieb außerdem Zusatzunterricht in Sozialkunde. Anwendung findet dieser Bereich aber auch in der Praxis: Zur Ausbildung im Unternehmen gehört nämlich auch die Durchführung eines sozialen Projekts. Josef und Sabrina haben das Freizeitheim „Kinder- und Jugendland“ in Milbertshofen gemeinsam mit den 13- bis 16-jährigen Besuchern renoviert und ihnen einen Einblick in ihr Berufsfeld gegeben. „Das haben Sabrina und ich ganz alleine hochgezogen“, sagt Josef stolz.

Zunächst haben sie die Räume zusammen mit den Jugendlichen entrümpelt und die Wände gestrichen. Eingerichtet haben sie dort außerdem eine kleine Lehrwerkstatt, in der die Jungen und Mädchen ein Mühlespiel aus Metall angefertigt haben. „Sie durften auch an die Drehmaschine“, erzählt Josef. Einige der Jugendlichen sind dabei auf den Geschmack gekommen: „Unser Projekt hat sie davon überzeugt, ein Praktikum als Mechatroniker zu machen.“ Sabrina versucht außerdem regelmäßig beim Girls-Camp des Unternehmens, Mädchen für technische Berufe zu gewinnen: „Sie arbeiten gut mit und es macht ihnen viel Spaß.“ Manche von ihnen sieht sie später als Praktikantinnen in ihrem Betrieb wieder.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Übrigens: Mechatroniker haben nach erfolgreich bestandener Ausbildung zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten. Etwa können sie an einer Abendschule den Techniker erwerben oder die Meisterschule besuchen. Auch Josef plant, noch einmal die Schulbank zu drücken: Er will zur Berufsoberschule (BOS) gehen und dort sein Abitur nachholen. Seine Firma unterstützt ihn dabei. Auch Sabrina hat vor, sich fortzubilden: „Vielleicht mache ich es wie Josef.“ Mit einer konkreten Entscheidung will sie sich aber noch Zeit lassen.