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Ausbildung Kfz-Mechatronikerin

Erfahrungsbericht: Kfz-Mechatronikerin Ann-Kathrin

Azubi als Kfz-Mechatronikerin

Unter der Woche in der Werkstatt, am Wochenende auf der Rennstrecke: für Ann-Cathrin ganz normaler Alltag.

Azubi im Rennwagen

Ann-Cathrin arbeitet im Porsche Carrera Cup für das Team Attempto Racing.

Ann-Kathrin auf der Rennstrecke

Freie Fahrt voraus!

460 PS starke Boliden ins Fahrerlager zurückzufahren, gehört für Ann-Kathrin zum Arbeitsalltag. Nach der Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin will sie unbedingt noch ein Studium anschließen und später als Renn-Ingenieurin arbeiten. Im Interview erzählt sie von ihrer Ausbildung:

Hast du dich schon immer für Technik interessiert und etwa lieber eine Seifenkiste gebaut, als einen Puppenwagen zu schieben?

Ann-Kathrin: Ich habe genauso gern mit Barbie, aber auch mit Playmobil, Lego Technik und der Carrera Bahn gespielt. Die Begeisterung für Autos kam durch meinen Vater, der als Rennfahrer unter anderem bei 24-Stunden-Rennen unterwegs war. Zum ersten Mal war ich im Alter von zwei Wochen auf der Rennstrecke und später mit der ganzen Familie fast jedes Wochenende. Zuhause in Lohne durften mein älterer Bruder, meine ältere Schwester und ich gemeinsam mit unserem Vater auf kleinen Motocross-Bikes im Gelände rumfahren.
Das Rumschrauben an Fahrzeugen zählte zu meinem Alltag.

Wie war dein schulischer Weg?

Ann-Kathrin: Nach der Orientierungsstufe ging ich zunächst auf die Realschule. Dort wiederholte ich sogar die achte Klasse, rappelte mich dann auf und machte die Mittlere Reife. Direkt im Anschluss ging ich auf ein Fachgymnasium für Gesundheit und Soziales.

Wann war dir klar, dass du beruflich eine Technikkarriere einschlagen möchtest?

Ann-Kathrin: Auf dem Fachgymnasium machte ich Abi mit den Leistungskursen Psychologie und Erziehungswissenschaften. Motorsport und Technik war bis dahin nur mein Hobby. Eigentlich wollte ich eher etwas Soziales machen, aber plötzlich zog mich mein Gefühl in die Autowerkstatt, die einem Freund meines Vaters gehört. Ich entschied mich für eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin.

Was hat dich an der Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin gereizt?

Ann-Kathrin: Als ich 16 Jahre alt war, habe ich schon öfter bei älteren Freunden am Auto geschraubt. Das lag daran, dass mein Vater neben dem Motorsport auch eine Autowerkstatt hat. Er ist spezialisiert auf Porsche, Maserati und Oldtimer. Dadurch entstanden bei mir Vorkenntnisse. Der Reiz lag darin, in diesem Bereich immer besser zu werden.

Mit welchen Erwartungen bist du in die Ausbildung gestartet?

Ann-Kathrin: Ich wollte mich in der Männerwelt durchsetzen. Das hat auch gut geklappt. Ich werde ganz normal von den Kollegen behandelt. Auch bei schweren
Arbeiten muss ich ran und das ist auch gut so. Da gibt es keine Bevorzugung als Frau.
Interessant ist, dass ich eigentlich Prüfungsangst habe. Aber bei meinen Zeugnissen
in der Berufsschule hatte ich bislang immer eine 1,0.

Was waren die bisherigen Highlights deiner Ausbildung?

Ann-Kathrin: Im vergangenen Jahr nahm ich für meinen Betrieb, Mercedes Anders in Vechta, am Wettbewerb „Deutschlands beste Kfz-Mechatroniker“ teil. Voraussetzung war, dass ich die Zwischenprüfung abgelegt hatte und im Wettbewerb trat ich dann gegen andere Mechatroniker an. Wir mussten an zehn verschiedenen Stationen eingebaute Fehler in Fahrzeugen finden und eine Strategie entwickeln, um diese zu beheben. Obwohl da ausgelernte Gesellen dabei waren, wurde ich die drittbeste Kfz-Mechatronikerin Deutschlands.

Du hast dich entschieden, neben deiner Ausbildung noch im Motorsport zu arbeiten. Was bedeutet dir das?

Ann-Kathrin: Meine Motorsportwochenenden sind für mich ein absolutes Highlight. Ich arbeite für das Team Attempto Racing im Porsche Carrera Cup Deutschland. Als Team bereiten wir die Fahrzeuge für den Renneinsatz vor. Bei dieser Arbeit fließt Adrenalin in mir, man fiebert unglaublich mit, das macht es aus. Man leidet, wenn etwas schief geht. Kommt das Auto auf dem Abschlepper von der Rennstrecke zurück, bedeutet das eine kurze Nacht. Man freut sich auch unglaublich, wenn die eigenen Fahrer gut sind. Wenn mein Auto, das ich mit vorbereitet habe, gut läuft, dann ist man als Mechaniker auch ein bisschen stolz.

Wie organisierst du die Ausbildung und deine Motorsporteinsätze?

Ann-Kathrin: Zum Glück habe ich mit Hauke Anders einen sehr verständnisvollen Chef. Ich reiche Urlaub für Donnerstag und Freitag ein. Mittwochabends lege ich mich früh hin, schlafe ein paar Stunden und fahre dann nachts zum Rennsportteam Attempto nach Hannover. Frühmorgens geht es dann Richtung Rennstrecke zum Porsche Carrera Cup.

Reizt es dich, einmal selbst einen Rennwagen zu steuern oder arbeitest du lieber im Hintergrund?

Ann-Kathrin: Ich habe sehr viel Respekt vor dem Rennfahren. Wenn die Piloten mit fünf Zentimetern Abstand zum nächsten Auto durch die erste Kurve gehen, dann ist das schon krass. Das Rennfahren überlasse ich lieber anderen. Trotzdem macht es Spaß, einen 460 PS Porsche mal ins Fahrerlager zurückzufahren. Motorsport ist immer wieder ein Erlebnis, kein Tag ist wie der andere.

Wo siehst du dich nach Abschluss deiner Ausbildung? Hast du konkrete Pläne?

Ann-Kathrin: Ich bin im Juli fertig und konnte wegen des guten Notendurchschnitts meine
Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Dann möchte ich Fahrzeugtechnik studieren und als Dateningenieur im Porsche Mobil 1 Supercup, eine Rennserie im Rahmenprogramm der Formel 1, arbeiten. Wenn ich später irgendwann eine Familie gründen will, wäre mein Traumjob in der Fahrzeugentwicklung.