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Erfahrungsbericht: Kaufmann Spedition und Logistik - Philipp

Erfahrungsbericht: Kaufmann Spedition und Logistik - Philipp

Philipp hat nach etlichen Praktika die passende Ausbildung gefunden.

Tetris

Das Beladen eines LKWs vergleicht Philipp mit dem Computerspiel der 90er Jahre: Tetris.

Als Philipp vor rund zwei Jahren seine Mittlere Reife abgeschlossen hat, ging es ihm wie vielen Schülern: Er wusste zwar, in welche Richtung er gehen wollte. Sich auf einen bestimmten Beruf festzulegen, fiel ihm aber gar nicht so leicht. „Klar war damals nur, dass ich ins Büro wollte“, erzählt er. Herausgefunden hatte er das über mehrere Praktika – eines davon absolvierte er im Lager, ein weiteres als Elektriker und vier am Schreibtisch: „So habe ich gemerkt, was mir am besten liegt.“

Doch wie findet man unter den zahlreichen, kaufmännischen Ausbildungsrichtungen die passende? Philipp hat das Problem pragmatisch gelöst und bewarb sich für unterschiedliche Berufe, etwa als Bürokaufmann und als Kaufmann im Groß- und Außenhandel. Für die Ausbildung zum Speditionskaufmann erhielt er eine Zusage. „Wie interessant der Beruf ist, habe ich erst richtig gemerkt, als ich angefangen habe“, berichtet der Azubi.

Wechsel durch die Abteilungen

Derzeit arbeitet er im Controlling. Das bedeutet: Er hilft mit, Informationen darüber zu beschaffen, wie viel Geld das Unternehmen wofür ausgibt. Alle drei Monate wechselt er die Abteilung. In der Disposition etwa hat er den Kunden am Telefon die Dienstleistung seines Unternehmens, nämlich Waren zu transportieren, verkauft. „Von all meinen Aufgaben war das bis jetzt das komplexeste, aber auch interessanteste“, schwärmt er. Der Grund: Philipp durfte probeweise selbstständig mit den Kunden verhandeln.

Spannend findet er außerdem den Kontakt zu den Lastwagenfahrern. Hier kommt Philipp seine Begabung für Fremdsprachen zugute: „Schon in der Schule war ich gut  in Englisch.“ Nun kann er diese Fähigkeit im Arbeitsalltag im Gespräch mit den Kollegen anwenden. Viele der Männer, die in diesem Unternehmensbereich hinter dem Steuer dafür sorgen, dass die Ladung sicher ankommt, stammen nämlich aus Polen, Tschechien oder der Ukraine. „Sie erzählen gern von ihren Touren“, verrät Philipp. Oft seien die Berichte sehr lustig und skurril. Jedoch räumt er ein: „Man muss aufpassen, dass man sich nicht verplaudert, sonst dauert alles zu lang.“

Ein bisschen wie Tetris

Allerdings gebe es auch in Ausnahmefällen Fahrer, die der englischen Sprache nicht mächtig seien: „Manche können es gar nicht, andere nur ein paar Brocken.“ Auch hier weiß Philipp sich zu helfen. Entweder redet er „mit Händen und Füßen“, oder er malt das, was er mitteilen will, einfach auf. Noch nicht im Einsatz war Philipp bei der Planung der Strecken. Speditionskaufleute müssen nämlich entscheiden, welche Route die günstigste ist. Grundkenntnisse in Erdkunde sind dafür von Vorteil. „Zumindest sollte man wissen, wo die Metropolen liegen“, sagt der Azubi. Jeden kleinen Ort zu kennen sei aber nicht nötig: „Das macht der Computer.“

Zuständig ist er außerdem dafür, dass der Lastwagen richtig beladen wird. Selbst Hand anlegen muss er zwar nicht. Aber er entscheidet, welche Waren wo auf der Ladefläche platziert werden. Eine Rolle spiele dabei die Verteilung des Gewichts, erklärt er. Außerdem dürfe kein Stauraum verschwendet werden: „Das ist fast ein bisschen wie Tetris spielen.“ Gefragt sei räumliches Vorstellungsvermögen.

Wie man die Beladung von Lastern plant und organisiert, lernt er an der Berufsschule, die er alle drei Monate für vier bis sechs Wochen besucht. Thema im Unterricht ist zum Beispiel außerdem, wer bei einer Beschädigung oder Diebstahl der Ware haftet: „Dazu müssen wir uns auch mit Gesetzestexten befassen.“ Anfangs sei es für ihn nicht ganz einfach gewesen, sich in die Stoffgebiete einzuarbeiten, „das war alles neu für mich.“ Inzwischen komme er jedoch gut im Unterricht mit. Auch seine Noten können sich sehen lassen: Er steht zwischen zwei und drei.

Noch besser sieht seine Bewertung im Praktischen aus. Für seine Arbeitsergebnisse erhält Philipp nämlich von den Vorgesetzten Noten. „Meine Beurteilungen bewegen sich immer zwischen gut und sehr gut“, freut er sich. Deshalb sei er guter Hoffnung, dass er nach seinem Abschluss von seiner Firma übernommen werde: „Das fände ich optimal.“