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Erfahrungsbericht: Gesundheits- und Krankenpflege Jennifer

Erfahrungsbericht: Gesundheits- und Krankenpflege Jennifer

Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger

Auch Blutdruckmessen zählt zu den alltäglichen Aufgaben von Jennifer.

Jennifer dokumentiert

Die Auszubildende bei der Dokumentation.

Wer in der Pflege arbeitet, braucht Fingerspitzengefühl

Eigentlich wollte Jennifer Tyüsüz Medizin studieren. „Aber jetzt, wo ich die Umstände im Krankenhaus kenne, bin ich froh, dass ich es nicht gemacht habe“, räumt sie ein. Die 21-Jährige macht nun eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Klinikum Ludwigshafen.

Die Arbeitsabläufe im Krankenhaus kennt Jennifer aus ihrem nächsten familiären Umfeld. Ihre Mutter ist nämlich OP-Schwester. Vom Berufswunsch ihrer Tochter war sie dennoch zunächst einmal nicht begeistert. „Anfangs hat sie mir sogar von der Ausbildung abgeraten, sie fand, das ist zu stressig“, verrät Jennifer. Doch die junge Frau wollte es wissen. In der 10. Klasse absolvierte sie ein Praktikum in der Klinik – unter der Leitung ihrer Mutter. „Das hat mir gut gefallen, und ich durfte natürlich mehr machen als andere Schüler“, erinnert sie sich. Etwa habe sie bei einer Herzoperation das Herz gehalten und unter Aufsicht Medikamente in Spritzen gefüllt.

Bereits damals sei der Entschluss in ihr gereift, ebenfalls Krankenschwester zu werden. Besonders interessiert habe sie der Pflegebereich: „Bei meinem Praktikum habe ich die Patienten ja nur schlafend erlebt, ich wollte sie aber auch
kennenlernen, wenn sie wach sind.“

Als Schwesternschülerin hat man Zeit

Dazu hat Jennifer nun jede Menge Gelegenheit. Etwa zehn Patienten versorgt sie pro Schicht. Sie hilft den Kranken bei der Körperpflege, wäscht sie wenn nötig im Bett, kontrolliert ihren Gesundheitszustand, indem sie Blutdruck, Puls und Temperatur misst und serviert das Essen. Zur Hand gehen muss sie den Patienten gelegentlich auch bei der Nahrungsaufnahme.

„Wir sagen dazu aber nicht füttern, sondern das Essen anreichen, die Leute sind ja keine kleinen Kinder mehr“, betont sie. Überhaupt sei der respektvolle Umgang mit den Patienten, gerade weil es um sehr intime Dinge gehe, besonders wichtig: „Man braucht viel Einfühlungsvermögen und muss nett sein. Sonst kann es zum Beispiel passieren, dass sich die Leute beim Waschen schämen.“

Ganz wichtig: Persönlicher Kontakt zu den Patienten

Um Vertrauen aufzubauen, seien aber auch persönliche Gespräche hilfreich: „Weil ich ein kommunikativer Mensch bin, macht mir das aber Spaß.“ Gerade als Schülerin könne man sich für den einzelnen Patienten noch viel Zeit nehmen, eine Waschung könne bis zu einer halben Stunde dauern. Bei den examinierten Kräften müsse die Arbeit dagegen oft sehr schnell erledigt werden: „Ich hoffe aber, dass ich den persönlichen Kontakt zu den Patienten später, wenn ich mal in der Routine bin, trotzdem so beibehalten kann wie jetzt.“

Zu persönlich dürfe die Verbindung zu den Patienten jedoch nicht werden, warnt Jennifer: „Sonst bekommt man nämlich Schwierigkeiten, sich abzugrenzen.“ Immer wieder werde man im Krankenhaus auch mit schweren Diagnosen konfrontiert, die unter Umständen den Tod bedeuten können. Hier sei es wichtig, zwar Mitgefühl zu zeigen, aber dennoch nicht zuzulassen, dass die Schicksale an der eigenen Substanz zehren: „Mir gelingt das gut, ich nehme nichts von meiner Arbeit mit nach Hause.“

Ernstfälle in der Praxis meistern

Wichtig sei auch, in Notfällen einen kühlen Kopf zu bewahren. Gerät ein Patient in eine lebensbedrohliche Situation, übernimmt die Schwester die Erstversorgung, bis der Arzt kommt. „Das ist mir schon mehrmals passiert“, berichtet Jennifer. Vorkommnisse dieser Art seien eine „echte Herausforderung“, weil man sie nicht üben könne: „Der Ernstfall tritt selten ein, aber wenn es passiert, muss man damit umgehen können.“ Ihr selbst habe es geholfen, zunächst einmal inne zu halten, sich zu sammeln und zu überlegen, was nun zu tun sei. Dann habe sie Schritt für Schritt das Gelernte angewendet.

Anspruchsvoller Unterricht

Wie man Notfälle erkennt, erfahren die Auszubildenden auch an der Berufsschule. Der Unterricht dort erfolgt in mehrwöchigen Blöcken. „Wir lernen viel über Anatomie“, erzählt Jennifer. Dabei erfahren die angehenden Pfleger nicht nur, wo die einzelnen Organe liegen, sondern auch, wie sie funktionieren. Zwar gehe der Stoff nicht ganz so sehr in die Tiefe wie bei einem Medizinstudium: „Aber das ist alles andere als oberflächlich.“ Wichtig sei in dem Beruf deshalb ein Verständnis für Naturwissenschaften, vor allem für Biologie. Wer dies nicht beherrsche, habe in der Schule „keine Chance“.

Gelehrt werden außerdem Innere Medizin, Chirurgie und Chemie, aber auch Psychiatrie und Psychoanalyse, Rechtswesen und Kommunikation. „Ich bin selbst erstaunt darüber, wie viel ich inzwischen an Fachkompetenz dazu gewonnen habe“, sagt Jennifer. Doch auch, was soziale Kompetenzen angehe, habe ihr die Ausbildung einen enormen Entwicklungsschub gebracht. Nach ihrem Abschluss plant sie, ihre Fähigkeiten im Rahmen einer Weiterbildung auszubauen.

Spezialisierung auf ein Fachgebiet

Möglich sei etwa ein Pflegestudium. Wenn Jennifer ihre Ausbildung bestanden hat, erhält sie nämlich automatisch das Fachabitur. Gut vorstellen könne sie sich jedoch auch, sich auf Urologie – den männlichen Unterleib, oder Anästhesie – den Fachbereich Narkose – zu spezialisieren. Abgeschlossen hat sie jedoch mit dem Gedanken, einmal Ärztin zu werden.

Vielmehr ist sie sich sicher, als Krankenschwester genau den richtigen Beruf für sich gefunden zu haben: „Als kommunikativer Mensch hätte ich natürlich auch in eine Bank gehen oder Einzelhandelskauffrau werden können.“ In der Klinik komme man den Menschen aber deutlich näher als beim Kundenkontakt: „Außerdem kann ich dazu beitragen, dass Menschen geheilt werden, das ist mir wichtig.“ Zwar sei die Tätigkeit oft auch anstrengend. Wenn von den Patienten dann ein „Dankeschön“ komme, sei sie sich jedoch sicher: Die Mühe hat sich gelohnt.