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Alles rein im Main

Alles rein im Main

Sandro Alessi mit seinem Kollegen Hans Nicolaus

Für eine saubere Umwelt

Eigentlich wollte Sandro Alessi nach seinem Realschulabschluss Chemielaborant werden. Heute ist sein Arbeitsplatz die Kläranlage der Stadt Frankfurt. Sein Interesse für Chemie und Biologie kann der 20-Jährige bei seiner Tätigkeit als Fachkraft für Abwassertechnik hervorragend einbringen. „Dafür habe ich genau die richtige Ausbildung gewählt“, sagt er. Ein Gerücht sei zudem, dass die Arbeit im Klärwerk schmutzig sei: „Eklig ist das überhaupt nicht“, versichert er.

Als Fachkraft für Abwassertechnik sorgt Sandro Alessi für eine saubere Umwelt

Zuständig ist Sandro unter anderem für die Steuerung und Reinigung der Anlage, aber auch für die Kontrolle der Wasserwerte im Labor. An Naturwissenschaften hatte Sandro schon immer Spaß. „Als Kind wollte ich etwas mit Insektenforschung machen“, erzählt er. Neben Bio gehörte aber auch Chemie zu seinen Lieblingsfächern. Deshalb bewarb er sich zunächst als Chemielaborant. Bei der Arbeitsagentur sei ihm jedoch zu einer Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik geraten worden: „Diesen Beruf kannte ich damals noch gar nicht.“

Die Aussicht, dort im Labor arbeiten zu können, habe ihn jedoch überzeugt. Bei der Stadt, die diese Fachrichtung anbietet, wurde Sandro auch sofort genommen. Wie vielseitig die Ausbildung ist, zeigte sich gleich zu Anfang. „Begonnen haben wir mit Metallbearbeitung“, erinnert er sich. In der Lehrwerkstatt lernte er, Werkstücke richtig zuzufeilen. Im Berufsleben brauche er diese Fähigkeit zwar nur noch selten: „Das machen bei uns die Konstruktionsmechaniker.“ In kleineren Anlagen würden von den Fachkräften jedoch zum Teil auch Schlosserarbeiten übernommen.

Biologische und chemische Prozesse helfen beim Reinigen

Nach drei Monaten erhielt er dann einen ersten Einblick in das Klärwerk. Man benötige mindestens drei Jahre, um zu verstehen, wie die Anlage funktioniere, sagt Sandro. Im Rechenhaus, den Sandfängen und der Vorklärung würden zunächst die Feststoffe zurückgehalten. Über chemische Fällungsprozesse findet anschließend eine Reinigung von Phosphaten statt: „So entstehen Salze, die sich absetzen und entnommen werden können.“ Im Labor wird das Wasser untersucht. Dies dient zur Kontrolle des Reinigungsprozesses. Aufgrund der Analysen können verfahrenstechnische Optimierungen vorgenommen werden.

„Wir erhöhen zum Beispiel den Sauerstoff, damit die Bakterien besser arbeiten können.“ Gesteuert wird dies über Schaltwarten oder den Computer. Besondere Informatikkenntnisse sind dafür aber nicht nötig: „Wir müssen nur wissen, wie man die Geräte bedient.“ Mit zu seinen Aufgaben gehört außerdem die Reinigung des Systems. So verfangen sich manchmal etwa Lumpen oder Pfropfen in den Rohrleitungen, die mit Wasser herausgespült werden müssen.

Gelegentlich muss Sandro auch in das Abwasser hineingreifen: „Das ist aber nicht schlimm, man trägt dabei Handschuhe.“ Auch unangenehme Gerüche sind die Ausnahme: „Das kommt nur bei der Rechenanlage vor und auch da hängt es davon ab, wie der Wind steht.“ Neben der Tätigkeit im Labor mache ihm das Säubern der Anlage sogar am meisten Spaß: „Es ist schön zu sehen, wie das Wasser dann wieder richtig durchfließt.“

Weiterbildung zum Techniker
Wie das  Klärwerk funktioniert, erfährt Sandro auch in der Berufsschule. Zwar räumt er ein: „Der Stoff dort ist schwieriger als an der Realschule.“ Allerdings hat er die Anforderungen gut bewältigt. Seine Lieblingsfächer sind Biologie und Elektrotechnik. Wichtig sind aber auch Physik und Mathematik: „Man muss zum Beispiel ausrechnen können, wie viel Fällungsmittel man braucht, um die im Wasser vorhandenen Phosphate zu binden.“ Der Unterricht findet in zweiwöchigen Blöcken in Frankenberg bei Kassel statt. Dorthin kommen Auszubildende aus ganz Hessen.

„Das liegt daran, dass der Beruf so selten ist“, erklärt Sandro. Nach seinem Abschluss wird er übrigens von der Stadtentwässerung Frankfurt am Main übernommen. Die reguläre Arbeit findet dann im Schichtdienst jeweils von 6 bis 14 Uhr, von 14 bis 22 Uhr und von 22 bis 6 Uhr statt. Die Nachtschichten konnte Sandro in seiner Ausbildung bereits ausprobieren: „Damit bin ich gut zurechtgekommen, ich gehe ohnehin gern spät ins Bett und stehe spät auf.“

Im Labor arbeiten wird er jedoch nur noch an den Wochenenden und während der Nachtschichten. Deshalb plant er, sich zum Techniker weiterzubilden. Auch das ist als Fachkraft für Abwassertechnik nämlich möglich. Sein Ziel: „Nach der Weiterbildung will ich voll im Labor arbeiten.“ Mittelfristig hofft er auf eine Anstellung im Labor des Betriebs. Die Chancen dafür stehen gut.