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Tischtennis-Star Tom Schmidberger im Interview

Tom Schmidberger sammelt Titel wie andere Briefmarken: er ist vierfacher bayerischer und deutscher Meister und seit den Paralympics 2012 in London auch noch zweifacher Silbermedaillengewinner.
Foto: Peter Krippendorf

Vor kurzem haben die Paralympics 2012 in London stattgefunden. An was erinnerst du dich vor allem?
Tom Schmidberger: Es war ein wunderbares schönes Erlebnis und die Gastgeber haben sich sehr gut präsentiert! Bei der Abschiedszeremonie durfte ich außerdem noch die deutsche Fahne tragen: Den Jubel und das Blitzlichtgewitter im Stadion – das war Wahnsinn!

Du hast 2011 Abi gemacht – wie hat sich das mit der Vorbereitung auf Olympia vertragen?
Tom Schmidberger: Ich habe noch im alten G9-Jahrgang Abitur gemacht und zwar in den Leistungskursen Erdkunde, Religion und Englisch. Wegen des Trainings für Olympia bin ich dann von einem guten Abi auf zufriedenstellend gerutscht. Ich habe mich da zu früh auf London konzentriert.

Nach dem Abi wollte Tom nur ein halbes Jahr Auszeit nehmen, dann kam London dazwischen und die Silbermedaille. Foto: Peter Krippendorf

Nach einer Auszeit hast du angefangen zu studieren ...
Tom Schmidberger: … ja, ich wollte ursprünglich nach dem Abi nur ein halbes Jahr Pause machen, aber dann ist es wegen London doch länger geworden. Ich habe mich mit meiner Familie besprochen und die haben mir grünes Licht gegeben für eine längere Trainingsauszeit. Nur meine Mutter wollte, dass ich gleich anfange zu studieren. Für sie steht Beruf und Karriere immer im Vordergrund (lacht). Ich habe Mitte Oktober ein Sportökonomie-Studium in Bayreuth begonnen, allerdings nur den Theorieteil, da ich wegen meiner Behinderung den praktischen Teil ja nicht absolvieren kann. Diese Ausnahmeregelung wurde an allerhöchster Stelle, dem Bayerischen Kultusministerium entschieden! Es hat mich auch für London beflügelt, dass mit dem Studium dann alles in trockenen Tüchern war.

Wann bist du aufs Tischtennis spielen gekommen?
Tom Schmidberger: In unserem Gymnasium stand eine Tischtennisplatte und ich wollte gern mitspielen, wusste aber nicht, wie es möglich ist. Mein Vater hat dann erst in der Garage eine Tischtennisplatte aufgestellt und später einen richtigen Trainingsraum in unser neues Haus gebaut. Es hat sich dann gezeigt, dass ich Gefühl dafür habe und Talent. In der Schule war ich dann schnell zu gut für die Anderen und ab 2007 habe ich richtig im Verein trainiert. Da gibt es eine lustige Geschichte: Viele haben gesagt, ich könnte mit 16 vielleicht bayerischer Meister werden. Aber dann war ich mit 17 die Nummer eins der Weltrangliste! Das hat so seinen Lauf genommen und mit 18 war ich das erste Mal deutscher Meister.

Auch mit den Größen des deutschen Tischtennis wie Timo Boll hat Tom schon trainiert. Foto: Peter Krippendorf

Du steuerst beim Tischtennisspielen mit einer Hand deinen Rollstuhl und spielst mit der anderen den Ball. Geht das völlig intuitiv?
Tom Schmidberger: Ja, das ist ganz selbstverständlich für mich. Wenn man im Stehen spielt, dann muss man ja auch nicht überlegen, wohin man mit den Füßen soll, sondern bewegt sich automatisch in die richtige Richtung.

In Düsseldorf hast du im Leistungszentrum mit den Größen des deutschen Tischtennis trainiert, unter anderem auch mit Timo Boll.
Tom Schmidberger: Als ich mich auf London vorbereitet habe, war ich mehrmals im Monat für fünf Tage die Woche in Düsseldorf. Es ist unheimlich motivierend, wenn man in der Halle mit den Profis spielt und denkt, man spielt gut und dann schaut man an den anderen Tisch und merkt: das geht noch besser.

Die nächsten Paralympics sind 2016 in Rio de Janeiro – ist das ein Ziel für dich?
Tom Schmidberger (lacht): Die Frage habe ich gefühlte hundert Mal beantwortet! Aber ja: In Rio werde ich dabei sein, wenn alles beruflich und gesundheitlich gut läuft.

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