Anmelden: Deine Vorteile
  • Persönliche Stellensuche
  • Magazin kostenlos bestellen
Jetzt anmelden
 

Bushido statt Mediävistik

Man muss die Schüler in ihren eigenen Lebenswelten abholen, findet Tobias Dreier.
Tobias studiert Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Kunst auf Lehramt Hauptschule

Dass sie diese Fähigkeiten mitbringen, haben beide bei ihren Nebenjobs unter Beweis gestellt. Julia hält in einem Erlebniszentrum Führungen für Kinder und Jugendliche ab, Tobias gibt für Acht- bis Zehnjährige Kletterkurse. „Ein Mädchen hat mich sogar einmal gefragt, ob ich zu ihr an die Schule komme, nachdem ich ihr erzählt habe, dass ich Lehrerin werde“, sagt Julia stolz. Positive Resonanz hat auch Tobias bekommen: „Die Eltern haben mir mehrfach bestätigt, dass ihren Kindern das Klettern bei mir Spaß macht, also mache ich wohl irgendwas richtig.“ Einig sind sich die beiden darin, dass gerade der Umgang mit jungen Menschen das ist, was den Reiz an ihrem Beruf ausmacht. „Dieser Altersgruppe etwas vermitteln zu können ist genau mein Ding“, erklärt Julia. Tobias war während der ersten Semester noch unschlüssig, ob er die nötigen Voraussetzungen mitbringt: „Aber inzwischen bin ich überzeugt, dass ich das kann.“

Unterschiedlicher Ansicht sind die beiden, was den fachlichen Teil des Studiums angeht. Vertieftes Wissen sei wichtig, man müsse den Schülern voraus sein, findet Julia. Tobias hingegen klagt: „Ich muss Mediävistik lernen, obwohl ich das an der Hauptschule gar nicht brauche.“ Erreichen könne man die Schüler wesentlich besser, wenn man sie in ihren eigenen Lebenswelten abhole und mit ihnen etwa einen Liedtext von Bushido interpretiere. Anwenden können werde er die Inhalte seines klassischen Germanistikstudiums später in seinem Beruf kaum: „Gedient wäre mir zum Beispiel mit Integrationsliteratur, aber das wird an der Uni nicht gelehrt.“

Obwohl sie gemeinsam mit den Magister- und Bacheloranwärtern ein vollwertiges Studium absolvieren, erhalten Lehramtsstudenten nach ihrem ersten Staatsexamen übrigens keinen offiziellen Abschluss. Das bedeutet: Wer erst im Referendariat merkt, dass er mit dem Berufsalltag an der Schule nicht zurechtkommt, hat umsonst studiert. Deshalb rät Julia: „Man sollte unbedingt versuchen, zusätzlich zu den vorgeschriebenen auch freiwillige Praktika an Schulen zu machen.“

Trotz aller Schwierigkeiten sei das Lehramtsstudium für vielseitig interessierte Leute jedoch sehr zu empfehlen: „Es ist spannend und abwechslungsreich wegen der vielen Fächer.“ Zwar sei die Ausbildung verbesserungsbedürftig, sie sei sich jedoch sicher, dass ein großer Teil ihrer Kommilitonen später einmal gute Lehrer würden.

„Man muss es ausprobieren“

Zurück

 
Suche