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Schule aus der anderen Perspektive - Lehrer werden

Maximilian Hüttenkofer lernt im Referendariat, wie man im Klassenzimmer für Ruhe sorgt.
Maximilian lernt im Referendariat, wie man für Ruhe im Klassenzimmer sorgt

Studenten kritisieren: In der Ausbildung fehlt es an Praxisbezug
Wer glaubt, Lehrer hätten ständig Ferien und nachmittags frei, täuscht sich gewaltig. „Viele haben ein völlig falsches Bild von dem Beruf“, sagt Julia Brinkmann. Die 29-Jährige studiert an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Englisch, Philosophie, Ethik und Sozialkunde auf Lehramt am Gymnasium.

Was man im Arbeitsalltag in der Schule brauche, werde an der Universität nicht vermittelt, klagt ihr Kommilitone Tobias Dreier (31), der künftig an der Hauptschule Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Kunst unterrichten wird. Mit der Studienorganisation und den Lerninhalten sind beide alles andere als zufrieden sind – bereut haben sie ihren Entschluss, Lehrer zu werden, aber nie.

„Am Anfang meines Studiums habe ich mir gedacht, ist doch nicht so schlimm, bei Vorlesungen mal auf der Treppe zu sitzen“, erinnert sich Julia. Doch inzwischen findet sie: „Besonders sinnvoll ist das nicht.“ Ihr Weg zum Traumberuf ist steinig. Zwar gebe es viele gute Veranstaltungen, an überfüllte Hörsäle müsse man sich an den großen Universitäten jedoch gewöhnen. Es fehle an Personal, „der Staat will für die Lehrerausbildung kein Geld ausgeben.“

Vor allem mangelt es aus ihrer Sicht aber an Praxisbezug. Wie Klausuren aufgebaut würden, wie man Aufsätze korrigiere oder wie man Elterngespräche führe, lerne man bestenfalls in freiwilligen Wahlveranstaltungen. Einblicke in die Abläufe an der Schule erhalte man zwar durch Praktika – doch nicht immer dürfen die Studenten dort auch tatsächlich unterrichten. Oft schauen sie der Lehrkraft nur zu.

Für „absurd“ hält Julia vor allem die sogenannten Orientierungswochen, das in Bayern verpflichtende Vorpraktikum, das vor Studienbeginn absolviert wird und die Schüler vor einer falschen Berufswahl schützen soll. Dies finde nämlich zu einem Zeitpunkt statt, zu dem man als Abiturient gerade selbst aus der Schule komme: „Sich dann schon wieder in ein Klassenzimmer zu setzen bringt überhaupt nichts.“

Trotz vier vorgeschriebener Praktika hätten keineswegs alle Lehramtsstudenten ausreichend Gelegenheit, ihre Fähigkeiten mit echten Schülern zu testen. „Ich bin im vierzehnten Semester und habe insgesamt gerade einmal fünf Stunden gehalten“, berichtet Julia. Ihr Kommilitone schätzt die Lage noch drastischer ein: „Es kann passieren, dass man ins Referendariat kommt, ohne vorher ein einziges Mal unterrichtet zu haben.“ Er selbst hatte bei seinen Praktika allerdings mehr Glück. Kurz vor den Landtagswahlen durfte er innerhalb weniger Wochen acht Stunden in Sozialkunde geben.

Fatale Fehlentscheidungen

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