Anmelden: Deine Vorteile
  • Persönliche Stellensuche
  • Magazin kostenlos bestellen
Jetzt anmelden
 

Uni juhe!

Der erste Unitag, das erste Semester – die schönste Zeit, um erwachsen zu werden

Der erste Unitag – lang ist’s her. Naja gut. Fast sechs Semester. Oder knapp 2.000 Tage. Jetzt läuft man schon wie ein alter Hase durch die langen Korridore der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nicht zu vergessen, die mit hölzernen Klappstühlen dekorierten Reihen im Audimax, durch welche man hindurchspaziert wie der eitle Schwan höchstpersönlich. Den langen Hals erst nach links, dann nach rechts geneigt, die bekannten Gesichter suchend, um sich dann an seinen Lieblingsplatz zu setzen, den man ganz wie in der Schule mit einem Kaugummi verziert hat. Am ersten Unitag sah die Lage aber noch ganz anders aus.

Brille tragend in eine bessere Welt
Da stolzierte man dem kolossalen Haupteingang entgegen, den frisch erworbenen schwarzen LMU-Rucksack mit allerlei Reiseproviant bepackt, also Studentenfutter, einem Apfel und neben Textmarker, Bleistift und Kuli ein Brillenetui. Ja, Brilletragen gehört zum guten Ton. Also weg mit den Kontaktlinsen, weg mit der Schule-ist-öde-Attitüde und hin zur Streber-Mentalität. Gott war ich klischeebesessen.

„Alles wird besser!“, denkt man, schließlich ist die Uni um einiges größer als die Schule; und damit auch ein Abziehbild der großen Welt, die man hofft zu betreten, so kurz nach dem Abitur – ohne Schranken und Barrieren. Rückwirkend betrachtet war das wohl etwas naiv gedacht. Denn so eine Welt mit ihren anfangs unendlichen Weiten, die lässt einen vor lauter Freiraum ziemlich klein wirken.

Ein anonymes Geflecht im Großstadtdschungel
Das soll jetzt nicht abschrecken, im Gegenteil. Bloß: Hier läuft nicht der gute, alte Hausmeister auf den Fluren herum und grummelt ein mürrisches Guten-Morgen, kein Lehrerzimmer weit und breit in Sicht, aus dem alle paar Minuten eine stocksteife Person heraustritt, mit Kaffeefahne und schwarzer Aktentasche unterm Arm.

Keine Jungen-Klos, aus denen der Gestank von kalter Asche herauskriecht. Kein: „Herr Marschall, Sie sind aber spät dran!“ Ja, die Universität ist vieles, und wird auch vielen Erwartungen gerecht. Aber eines ist sie nicht: ein familiärer Ort, wie es die Schule in den vergangenen zwölf oder 13 Jahren war. Sie ist ein anonymes Geflecht mitten im Großstadtdschungel.

Kopfnicken mit Gleichverwirrten
Helfersyndrom und trinkfeste Wortestapler

Zurück

 
Suche