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FSJ: Das Gap Year der besonderen Art

Lisa hat bei der Caritas ihr FSJ gemacht. Ihre Erfahrungen hat sie für uns festgehalten:

 "Angefangen hat es mit der ganz großen Orientierungslosigkeit. Mit 19 hab ich Abitur gemacht und dann versucht, mich an verschiedenen Unis für Psychologie einzuschreiben.

Trotz meines eigentlich guten Notendurchschnitts hab ich eine Prognose von bis zu 9 Jahren Wartezeit bekommen.

Ich hab mich dann für das soziale Jahr beworben und bin auch angenommen worden. Ich wollte unbedingt etwas im sozialen Bereich arbeiten, denn ich hab gern mit Menschen zu tun. Andererseits bin ich ein Sensibelchen und kann mich schlecht durchsetzen. Da stellte sich die Frage, ob Arbeit im Altersheim wirklich das Richtige für mich wäre? Ins Krankenhaus wollte ich aber nicht, weil ich schon seit ich klein bin beim Anblick von Blut ohnmächtig werde.

Anfangs habe ich es schwer gehabt. Wenn jemand in einen Betrieb kommt, in dem die Mitarbeiter teilweise schon seit Jahren zusammenarbeiten, gut aufeinander eingestellt sind und er noch nie praktisch gearbeitet hat (geschweige denn im pflegerischen Bereich), muss er schon hartnäckig sein, um die ersten Wochen durchzustehen. Anfangs muss man sich so viele neue Dinge auf einmal merken, bei mir wenigstens hat das einige Zeit gebraucht. Ich glaube, in der ersten Zeit ist man erstmal lästig und keine große Hilfe.

Dazu kommt, dass diese Arbeit selbst einen Schock bedeuten kann. Als ich im Pflegeheim angefangen habe, hab ich nicht gewusst, dass viele alte Menschen inkontinent werden, das heißt, dass sie Stuhl und Urin nicht mehr halten können, und meist auch gar nicht mehr merken, ob sie auf Toilette müssen. Auch hab ich nicht gewusst, dass viele Menschen im Alter dement, d. h. verwirrt werden. Ich glaube, dass das daran liegt, dass unsere Gesellschaft diese Dinge einfach ausblendet. Alt und krank werden möchte niemand und etwas wissen will darüber eigentlich auch keiner. Wenn man jung ist, ist es vielleicht schwer, damit umzugehen.

Obwohl es für mich also etwas bedrückend angefangen hat, war dieses Jahr eines der schönsten und wichtigsten meines Lebens. Wenn ich in ein paar Tagen meinen Spint ausräume, werde ich sehr traurig sein. Freunde von mir fragen, was war denn eigentlich jetzt so gut daran? Diese schwere Arbeit, Schichtdienst und so viel Elend und Tod, wieso hat es Dir denn so gut gefallen? Weil ich wirklich das Gefühl hatte, wichtige Arbeit zu machen und Menschen, denen es sehr schlecht geht, das Leben ein bisschen zu verschönern.

Die Heimbewohner sind so dankbar für ein freundliches Lächeln, ein bisschen Aufmerksamkeit und für jede kleine Geste. Ein Heim hat auch etwas sehr Familiäres. Mit der Zeit kennt man die alten Leute sehr gut, und ich zumindest habe sie liebgewonnen. Auch mit ihren Familien hat man zu tun und die Kollegen arbeiten eng zusammen.

Ich weiß jetzt, was mir Spaß macht und was ich arbeiten will. Direkt im Anschluss an das Jahr beginne ich meine Ausbildung zur Krankenpflegerin, beim Anblick von Blut wird mir inzwischen nicht mehr schlecht."

Lisa (DRK LV Berliner Rotes Kreuz e.V.)

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