Anmelden: Deine Vorteile
  • Persönliche Stellensuche
  • Magazin kostenlos bestellen
Jetzt anmelden
 

„In mehreren Medien denken und agieren“

"Vieles ist erlernbares Handwerk", meint Prof. Steinbrecher zum Journalismus
Journalismus-Professor Michael Steinbrecher

Über 21 Jahre moderierte er das „Aktuelle Sportstudio“, bevor Michael Steinbrecher 2009 als Journalismus-Professor an die TU Dortmund ging. Dort warnt er leidenschaftlich vor gefälligem (Sport-)Journalismus und setzt sich für eine qualitativ hochwertige Ausbildung ein. Welche Voraussetzungen Schulab-gänger heutzutage für eine Karriere im TV mitbringen müssen, erklärt er im Interview mit abiQ.

abiQ: Wie würden Sie einem Schulabgänger den Status quo der deutschen TV-Medienlandschaft beschreiben?

Michael Steinbrecher: Fernsehen ist und bleibt ein faszinierendes Medium, mit all seinen Stärken und Schwächen. Von der preisgekrönten Doku bis hin zum Trash-TV ist alles dabei. Die Öffentlich- Rechtlichen bleiben die Instanz für Qualität im deutschen Fernsehen, aber leider nicht immer ein Ort für Experimente. Bei den privaten Sendern geht die Qualitätsschere sicher sehr auseinander, aber sie haben den Öffentlich-Rechtlichen auch wichtige Impulse gebracht. Im TV-Business gibt es spannende berufliche Perspektiven, auch wenn die Konkurrenz
groß ist, und längst nicht jeder kann am Ende vor der Kamera stehen.

abiQ: Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man grundsätzlich mitbringen, wenn man als Schulabgänger eine journalistische Karriere im TV-Bereich plant?

Michael Steinbrecher: Für die klassischen journalistischen Tugenden sollte eine Grundanlage vorhanden sein: Neugier, Sorgfalt, ein kritischer Geist. Eine sprachliche  Begabung schadet sicher auch nicht, ebenso wenig wie ein Gespür für den Umgang mit Bildern. Dennoch ist der Journalistenberuf alles andere als ein reiner Begabungsberuf. Vieles ist erlernbares Handwerk, wie etwa eine ordentliche Recherche oder ein sauber formulierter Nachrichtentext.

abiQ: Ist ein Studium einer dualen Ausbildung im Medienbereich vorzuziehen?

Michael Steinbrecher: Das lässt sich nicht generell beantworten. Wenn eine journalistische Karriere über ein Studium erreicht werden soll, dann ist sicherlich darauf zu achten, dass Praxiserfahrung eine große Rolle spielt, sei es in Form von Praktika, freier Mitarbeit oder eines Volontariats. Aus voller Überzeugung kann ich ein universitäres Journalistik-Studium empfehlen. Das Institut für Journalistik an der TU Dortmund beispielsweise steht für die Verbindung von Theorie und Praxis. Das wird unter anderem eingelöst durch ein integriertes einjähriges Volontariat.

abiQ: Mit welcher beruflichen Bildung hat ein junger Mensch eine besonders gute Perspektive in der deutschen Medienlandschaft zu erwarten?

Michael  Steinbrecher: Allein die deutsche TV- Medienlandschaft bietet eine Vielzahl von völlig unterschiedlichen Berufswegen. Will ich Kameramann oder -frau werden? Cutter, Producer, Filmemacher, Redakteur, Regisseur? Für all diese Berufe werden verschiedene Qualifikationen gebraucht. Das Berufsfeld ist auch deswegen so spannend, weil es durchaus möglich ist, in der beruflichen Entwicklung mehrere dieser Positionen auszufüllen oder sie sogar miteinander zu verbinden. Deswegen lässt sich nicht die eine Qualifikation benennen, die erfolgsversprechend ist.

abiQ: Macht es Sinn, sich so früh wie möglich auf ein Thema zu spezialisieren?

Michael  Steinbrecher: Ein Journalist braucht heutzutage ein Profil. Dies kann eine besondere inhaltliche Qualifikation sein. Aber es werden nach wie vor auch Journalisten gebraucht, die sich dank einer guten  Allgemeinbildung schnell in viele komplexe Themen einarbeiten können und die unterschiedliche journalistische Darstellungsformen  beherrschen. Heute gehört es auch dazu, inmehreren Medien denken und agieren zu können.

abiQ: Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus und wie erging es Ihnen dabei?

Michael  Steinbrecher: Ich habe das Glück gehabt, sehr jung als Moderator, Redakteur und Filmemacher den Einstieg in den TV-Journalismus zu finden. Parallel dazu habe ich nach dem Journalistik-Studium in Dortmund immer den Kontakt zur Wissenschaft gepflegt. Seit vier Jahren bin ich nun Professor für Fernseh- und Crossmedialen Journalismus. Meine Überzeugung ist: Wissenschaft und Praxis sollten sich nicht misstrauisch beäugen, sondern erkennen, dass sie voneinander profitieren können. Deswegen kann ich jedem angehenden Journalisten nur empfehlen, sich auch aus theoretischer Perspektive mit dem zu befassen, was ihn täglich in der Praxis bewegt.

abiQ: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

zurück zu Studium

 
Suche