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„Es ist fast ein bisschen wie Urlaub.“

Beziehung auf Distanz: Jakob und Natalie

Fernbeziehung: Wer richtig kommuniziert, kann auch auf Distanz glücklich lieben

Das Studium verschlägt uns oftmals in eine andere Stadt. Das ist gut für diejenigen, die ihren Alltagswänden einen ganz neuen Anstrich verleihen wollen. Wer sich allerdings von seinem Partner trennen muss, dem wird sein neues Leben anfangs eher wie eine graue Häuserfassade vorkommen. Auch Natalie (22) und Jakob (23) mussten mit diesem Problem fertig werden.

Ein gutes Jahr leben die beiden nun schon voneinander getrennt. Für ihr Studium ließ Natalie ihren Freund in München zurück: „Ich konnte die Kombination Philosophie mit BWL nur in Berlin studieren“, beklagt sie. Bisweilen macht dem Paar die räumliche Distanz immer noch sehr zu schaffen. „Es ist ab und an schon nervenaufreibend. Wenn man gerade schlecht drauf ist und man sich etwas Zuneigung wünscht oder wenn man gut drauf ist und gerne diesen Moment teilen will, dann geht das natürlich schlecht“, erzählt Jakob.

Das Problem der fehlenden Nähe kennt auch Peter Wendl, Herausgeber des Buches „Gelingende Fernbeziehungen“. Der Kommunikationstrainer für Paare forscht am Zentralinstitut für Ehe und Familie an der katholischen Universität in Eichstätt. Sein Rat: „Wichtig ist vor allem, sich einen gemeinsamen Alltag zu schaffen. Eine Fernbeziehung ist keine Wochenendbeziehung.“

Der gemeinsame Alltag bestehe daher aus regelmäßiger Kommunikation. „Alle schönen, wichtigen, traurigen Ereignisse muss ich mit dem Partner auch auf die Distanz teilen können“, erklärt Wendl.

Jakob muss unter der Woche allein frühstücken.

Das Samstagsproblem

Doch nicht nur die Distanz führt zu Schwierigkeiten. Auch das kurze Wiedersehen am Wochenende birgt Gefahren, die nicht selten im Streit enden. „Man darf keine zu hohen Erwartungen schüren. Man muss den Partner erst ankommen lassen“, empfiehlt Wendl. Da der Sonntag schon von einer gewissen Abschiedsmelancholie geprägt sei, sei der Samstag essenziell für Fernliebende.

Diese Erfahrung haben auch Natalie und Jakob gemacht. „Meistens ist dieser Tag aber komplett überladen. Man will Freunde und Familie treffen, irgendwelche Sachen erledigen, miteinander intim sein. Das ist ab und an schwierig unter einen Hut zu bekommen“, klagt Natalie.

Wendl hingegen rät, gerade samstags viel Platz für Spontaneität und Nichtstun übrigzulassen. Genau das versuchen auch Natalie und Jakob mittlerweile. „Wenn wir wollen, bleiben wir an diesem Tag einfach im Bett. Es ist fast ein bisschen wie Urlaub.“

Doch auch wer sich noch so tief in seinem Kopfkissen vergräbt: Der Sonntag bleibt nicht aus – und es heißt Abschied nehmen. Auf ein Neues. „Ich bin schon immer ziemlich traurig und leer, sobald sich der Zug in Bewegung setzt“, verrät Jakob. Wichtig sei es, an diesem Punkt in sein normales Leben zurückzukehren und dem anderen nicht hinterherzutrauern, erklärt Wendl. Für eine funktionierende Fernbeziehung müsse man den Alltag gut allein bewerkstelligen können.

Ohne Affären fahren Fernliebende besser.

Affären erlaubt?

Auch Eifersucht spielt bei Fernbeziehungen eine Rolle. Gefragt ist entweder eine gewisse Portion Vertrauen oder Fatalismus. Doch sollte man als Fernliebender eigentlich eine offene Beziehung führen oder ist Treue das oberste Credo? „Es gibt dafür keine wissenschaftliche Erklärung, da jedes Paar anders damit umgeht“, meint Wendl.

Allerdings fügt er an: „Aus therapeutischer Sicht lassen sich Rückschlüsse ziehen, wonach Paare, die sich in einer Fernbeziehung treu sind, längerfristig zusammen bleiben.“ Auch Natalie und Jakob haben sich für Treue entschieden. „Ich weiß ja auch, wann ich sie ungefähr wiedersehe“, beschwichtigt Jakob. „Solange wir eine Perspektive haben, lassen sich Gedanken der Eifersucht leichter ertragen.“

Die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft hält auch Wendl für wichtig: „Studenten sind oftmals gezwungen eine Fernbeziehung zu führen. Allerdings ist das Ende des Studiums absehbar und somit ein gemeinsamer Alltag vor Ort alsbald möglich.“ Solange man genügend kommuniziere, stünden die Chancen für eine lange, glückliche Beziehung trotz Entfernung gut.

Ein rein studentisches Phänomen ist die Liebe auf Distanz jedoch nicht. Untersuchungen zufolge leben heutzutage insgesamt zehn bis zwölf Prozent aller deutschen Paare in einer Fernbeziehung – Tendenz steigend. Fast 90 Prozent aller Fernliebenden haben Abitur, ein Großteil ist Akademiker. Wer diese Art Beziehung im Studium schon einmal geübt hat, ist also klar im Vorteil.

 
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