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Stuzubi: Neben Ihrem Job als Chefredakteurin arbeiten Sie auch für die Casting-Show „Germany’s Next Topmodel“ als Gastjurorin. Optisch fallen Sie zwischen Heidi Klum und den Kandidatinnen gar nicht auf. Wäre eine Karriere als Model für Sie auch denkbar gewesen?
Petra Winter: Vielen Dank. Natürlich ist es als Studentin nett, wenn man sich nebenbei Geld als Laienmodel verdienen kann. Das habe ich auch ab und zu gemacht. Aber man muss auch sagen: Ich war nie der skinny Typ. Du musst bei 1,80 Meter Körpergröße schon fünfzig Kilo wiegen, um da professionell mitspielen zu können. Und das habe ich seit ich 1,80 groß bin nie getan. Da ich auch nicht den Ehrgeiz hatte, dafür zu hungern, hat sich die Frage nie ernsthaft gestellt.

Stuzubi: Was halten Sie denn von Castingshows?
Petra Winter: Viele missverstehen das als einen ernsthaften Wettbewerb, um den neuen Superstar zu finden. Es geht natürlich in erster Linie um Unterhaltung – insofern finde ich diese Shows völlig berechtigt.

Stuzubi: Welchen Ratschlag würden Sie den Teilnehmern von Castingshows geben?
Petra Winter: Nehmt es nicht so ernst. Genießt einfach die Zeit. Die meisten Mädchen, die bei GNTM teilnehmen, sind in ihrem Leben noch nie in L.A. gewesen, geschweige denn in Afrika, Asien oder Australien. Das ist ein Abenteuer, das sollte man auch als solches begreifen. Und wenn dabei eine erfolgreiche Karriere herauskommt, dann ist das umso schöner. Aber das passiert, das muss man sich bewusst machen, nur den allerwenigsten.

Stuzubi: Also ist es vielversprechender, wenn man sich bei Cosmopolitan für ein Praktikum bewirbt?
Petra Winter: Das denke ich doch, ja.

Stuzubi: Welche Voraussetzungen muss man haben, um bei Ihnen anfangen zu dürfen?
Petra Winter: Man sollte sein Abitur gemacht haben, womöglich schon angefangen haben zu studieren und gern auch schon zwei, drei andere Praktika vorweisen können. Cosmopolitan ist nicht das richtige Blatt für blutige Anfänger, die sind besser in einer Lokalredaktion aufgehoben. Danach sind aber große Namen im Lebenslauf von Vorteil. Wenn jemand mal bei InStyle oder der ELLE war, wissen wir: Die hat schon auf einem gewissen Niveau gearbeitet und kann sich auf eine Zielgruppe einstellen.

Stuzubi: Sie sagen „die“... Haben Männer keine Chance bei Ihnen?
Petra Winter: Doch, absolut. Wir hatten schon einen männlichen Redakteur und einen Volontär. Es bewerben sich nur deutlich weniger Männer bei uns. Allerdings ist es im Textressort auch schwierig für einen Mann, sich auf die doch sehr weiblichen Themen einzustellen. Ein Redakteur für Cosmopolitan, der braucht schon eine sehr ausgeprägte weibliche Seite.

Stuzubi: Journalismus gilt zwar als Traumjob – hat aber auch den Ruf der brotlosen Kunst. Kann man mit Schreiben reich werden?
Petra Winter: In unserer Branche werden die Leute anständig bezahlt. Nach wie vor. Ein Jungredakteur bekommt um die 3.000 Euro – das ist kein schlechtes Gehalt für jemanden, der 25 oder 26 ist. Als gefragter Autor oder Kolumnist kann man viel Geld verdienen. Aber das sind die Stars der Branche, zusammen mit einer überschaubaren Anzahl von Chefredakteuren sind es also nicht viele, die Manager-Gehälter verdienen. Aber man kann dafür einer Tätigkeit nachgehen, bei der sich persönliche Interessen und Arbeit überschneiden. Ich kenne aus dem betriebswirtschaftlichen Bereich viele Leute, die sagen: „Ich hasse meinen Job und ich mache ihn nur, weil ich damit so viel Geld verdiene.“ Das habe ich von einem Journalisten noch nie gehört.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Winter.

 
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