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Zwischen Handballtor und Reederei

Max-Henri Herrmann (links) gab auf der Stuzubi Hamburg 2013 Autogramme, neben ihm die Champions League Trophäe.
Nachwuchstalent des HSV Handball: Max-Henri Herrmann

Max-Henri Herrmann ist gleich in zweifacher Hinsicht international unterwegs. Das Top-Torhütertalent des HSV Handball holte in der letzten Saison mit den Profis den Champions League Pokal und spielt als Deutsch-Franzose in Frankreichs Nationalmannschaft. Gleichzeitig macht der 19-Jährige eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann. Wie er es schafft, beides miteinander zu verbinden, und warum ein „Plan B“ für die Zeit nach dem Handballsport so wichtig ist, verrät er im Interview mit Stuzubi.

Stuzubi: Wie bist du zum Handball gekommen?


Max-Henri: Das war eigentlich zufällig. Ich habe mit fünf Jahren angefangen, also ziemlich jung. Meine Eltern haben überlegt, was ich machen könnte, und unser Nachbar hat vom Kindertraining beim Handball erzählt. Das wäre eine ganz tolle Sache, die Kinder hätten viel Spaß dabei. Ja, und dann habe ich da mitgemacht. Es hat sich herauskristallisiert, dass mir das sehr viel Spaß macht und ich mich auch nicht ganz so schlecht anstelle. Mit 14 bin ich aufs Sportinternat gegangen, um den Handball besser mit der Schule kombinieren zu können.

Stuzubi: Wie siehst du deine Rolle in der U23 und in der 1. Mannschaft des HSV Handball?

Max-Henri: Bei den Profis bin ich klar der Youngster. Ich nehme jede Trainingseinheit mit, jeden Moment, der mich weiterbringt. Ich versuche, jede Chance, die ich bekomme, voll zu nutzen. In der letzten Saison habe ich viel in der Ersten gespielt. Unser Torhüter ist kurzfristig mitten in der Saison nach Qatar gegangen. Dann wurde gesagt: Max, wir vertrauen dir, wir denken, dass du das auch schaffen kannst. Da bin ich zu vielen Einsätzen gekommen, auch wenn es manchmal nur ganz kurz war. Aber  gerade im Viertelfinale und im Halbfinale der Champions League, das waren richtig tolle Erlebnisse. In der U23 sagt der Trainer, dass alle, die Ambitionen haben, höher zu spielen, sich in der Mannschaft als Leader hervortun und versuchen müssen, die anderen mit anzutreiben.

Stuzubi: Im vergangenen Jahr hast du mit dem HSV die Handball Champions League gewonnen. Welche sportlichen Ziele hat man nach so einem Erfolg noch?

Max-Henri: Ich glaube, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich an den Moment zurückdenke. In dem Moment, in dem ich den Pokal hochgehalten habe, stand für mich fest, dass ich noch mehr von diesen Augenblicken erleben möchte. Das merke ich auch jedes Mal im Training. Jedes Training ist dafür da, um noch mal solche Momente zu erleben. Nicht nur in der Champions League, sondern generell Spiele gewinnen und auch mal in der A-Nationalmannschaft nominiert zu werden.

Stuzubi: Neben deiner sportlichen Karriere machst du gerade eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bei CMA CGM. Ist das ein Beruf, den du dir nach deiner sportlichen Laufbahn vorstellen kannst? Was macht dir daran Spaß?

Max-Henri: Ich kann mir durchaus vorstellen, diesen Beruf später auszuüben. Zwar war für mich nie klar, dass ich in die Schifffahrt möchte, aber die ganze Logistik hat mich schon sehr interessiert. Dadurch, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, in der Schule Englisch gehabt habe und auch ein bisschen Spanisch spreche, wollte ich immer global arbeiten. Und ich glaube, globaler als in einer Reederei kann man gar nicht arbeiten.

Stuzubi: Hältst du es für wichtig, neben der sportlichen Laufbahn einen „Plan B“ für die Zukunft zu haben?

Max-Henri: Für mich stand immer fest, dass ich noch was nebenbei machen möchte, denn das Problem mit dem Sport ist: Man weiß nie so ganz, bis wann man das machen kann. Beim Handball verdient man nicht so viel Geld wie beim Fußball, dass man danach sagen kann, ich lege mich jetzt mal auf die faule Haut.

Stuzubi: Wie lassen sich eine Sportlerkarriere im Handball und eine Ausbildung miteinander verbinden? Beschreibe uns doch einmal deinen Tagesablauf.

Max-Henri: Das ist nicht ganz so einfach. Meinen Tagesablauf muss ich ziemlich kurzfristig planen. Ich habe das Glück, dass mein Arbeitgeber mich zu 100 Prozent unterstützt. Heute zum Beispiel hatten wir von 10 bis 12 Uhr Training, Von dort aus bin ich direkt in die Firma gefahren und dann gegen 18 Uhr wieder zum U23-Training. An anderen Tagen fahre ich morgens zur Arbeit und habe um 16 Uhr Training. Das sind immer vollgepackte Tage. Im Mannschaftssport ist so eine Planung schwieriger als bei Einzelsportlern. Natürlich könnte ich auch Einzeltraining machen, aber ein Torhüter ohne Bälle, die aufs Tor kommen, ist nicht sehr sinnvoll.

Stuzubi: Bleibt neben so vielen Verpflichtungen eigentlich noch Zeit für private Dinge? Was machst du, wenn du Freizeit hast?

Max-Henri: Ich versuche, viel zu schlafen. Dadurch, dass ich noch in der Nationalmannschaft bin, fängt für mich im Sommer, wenn die anderen frei haben, die WM- oder EM-Vorbereitung an. Dadurch merke ich schon, dass ich einfach kaputt bin. An Tagen, die ich zum Durchatmen habe, bin ich aber fast noch kaputter, weil mein Körper das gar nicht mehr gewohnt ist. Wenn es aber mal so weit kommt, dass ich freihabe, versuche ich, viel rauszugehen, zum Beispiel an die Elbe.

Stuzubi: Vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine Zukunft!

 
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