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300 Fehlstunden in der Schule

Auch die ganz Großen des internationalen Fußballs wie Real Madrid haben schon Interesse an Leon angemeldet
Tore schießen: Das Schönste am Fußball

Die Mehrfachbelastung – Fußball, Schule, zuletzt kam auch noch die Fahrschule dazu – scheint ihm nichts auszumachen, auch wenn ihm an der Schule nicht alles so leicht fällt wie auf dem Platz. Seine Mathe-Note hat er jüngst auf eine 3+ verbessert, für ihn ein echter Grund zur Freude. 2014 will er am Alice-Salomon-Kolleg sein Abitur bauen. „Wir sind auf einem guten Weg“, berichtet seine Lehrerin Ulla Kaupp, „Leon gelingt der Spagat zwischen Profifußball und Schule gut.“ Sie sagt das, obwohl ihr Schützling pro Jahr rund 300 Fehlstunden anhäuft, eine Folge der vielen Auswärtsfahrten mit Verein und Nationalmannschaft. Aber Leon holt den Stoff nach, und insofern ist das überhaupt kein Problem. Auch für seine Mitschüler nicht, von denen sich anfangs etliche Autogramme holten. Die Zahl derer ist aber deutlich kleiner geworden. „Nur ab und zu will jemand was für Verwandte oder Freunde haben, wenn die mitbekommen haben, dass ich ein Mitschüler bin.“ Viele seiner Kumpels sind auch an der Schule, die meisten ebenfalls Fußballer. Auch wenn sich nicht alles ums Runde dreht, bleibt der Lieblingssport selbst in der Freizeit Thema. Ob er sich selbst schon im Videogame FIFA 13 gespielt habe, will einer der Journalisten wissen. „Na klar“, lacht Goretzka, den an der Schule alle nur „Gorre“ rufen, „aber ich finde, ich habe viel zu schlechte Werte und komme viel zu schlecht weg. Aber“, schließt er im feinsten Ruhrpott-Deutsch, „dat kriegen wir auch noch hin.“

Übungsleiter-Schein C in der Tasche
Wenn er wie erhofft sein Abitur auch noch hinkriegt, dann hat er zudem schon seinen ersten Trainerschein in der Tasche. Da es sich bei seiner Schule um ein Berufskolleg handelt, werden die Schüler parallel zur schulischen Ausbildung durch Praktika auf die Arbeitswelt vorbereitet. Der Schüler Goretzka, mit den Leistungskursen Sport und Biologie, erwirbt gerade seinen Übungsleiter-C-Schein. Dazu paukt er Methodik und Didaktik und wendet das Erlernte in diversen Trainingseinheiten bei der U16 des VfL an. „Es macht Riesenspaß, weil die Jungs gut mitziehen und zu einem aufschauen. Ich hoffe, dass ich durch meinen Werdegang Vorbild für einige von ihnen sein kann.“ Was seinen weiteren persönlichen Werdegang angeht, vor allem in sportlicher Hinsicht, darüber lässt er lieber andere spekulieren. „Klar ist das erst einmal ein großer Schock für mich, wenn mich Freunde ansprechen und mir erzählen, dass Real Madrid an mir interessiert sei. Ich will aber erst einmal mit dem VfL erfolgreich sein, und dazu müssen wir zukünftig regelmäßiger punkten. Wir haben noch ganz wichtige Spiele, die wir unbedingt gewinnen wollen.“

Die Journalisten lassen in dem Punkt nicht locker und wollen wissen, was nach 2014 mit dem Abiturienten passiert. Bayern Münchens Bochumer Junge, Hermann Gerland, habe ja schon ein Auge auf ihn geworfen. „Ich komme aus Bochum und der VfL ist der Verein, dem ich am meisten zu verdanken habe. Klar, dass ich hier erst einmal bleiben möchte. Aber ich weiß auch, dass die Anfragen da sind. Glücklicherweise muss ich mir darum keinen Kopf machen, das regeln meine Familie sowie ein juristischer Berater für mich.“ Dass der vielseitig Talentierte im Falle des Falles gleich eine weitere Fremdsprache lernen müsste, erscheint unwahrscheinlich. „Ins Ausland zu gehen, wäre ein richtig großer Schritt. Ich denke, dass es für meine Entwicklung gut ist, wenn ich einen Schritt nach dem anderen mache.“

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