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Harald Neubauer, Leiter der Bundesagentur für Arbeit in München

Im Gespräch mit Harald Neubauer über den aktuellen Ausbildungsmarkt in Bayern
Der Leiter der Bundesagentur für Arbeit in München

Stuzubi: Absolventen der Realschulen, Gymnasien und berufsbildenden Schulen konkret dar?

Der Ausbildungsmarkt ist auf der Bewerberseite sehr gut! Rein rechnerisch können wir jeden Jugendlichen, der unsere Beratung in Anspruch nimmt, beinahe zwei Ausbildungsstellen anbieten. Von Vorteil bei der Ausbildungsplatzsuche ist, wenn die Jugendlichen offen für verschiedene Berufe sind und sich nicht auf einen einzigen Beruf oder auf eine Branche versteifen. Ein hoher Bedarf an Auszubildenden besteht vor allem im Handels-, Pflege-, Gesundheits-, Hotel- und Gaststättengewerbe oder IT-Bereich. Allerdings haben wir im Medien-, Elektronik-, KFZ- und in hoch qualifizierten kaufmännischen Berufen nur noch wenige Ausbildungsstellenangebote. Nicht jeder Ausbildungssuchender findet somit seinen Wunsch-Ausbildungsplatz.

In der Metropolregion München gibt es ein sehr breit gefächertes Studienangebot, alle Fachrichtung (Uni, FH, Privat Hochschulen) werden angeboten. Doch auch bei Studiengängen finden nicht alle jungen Menschen ihren Wunschstudiengang aufgrund diverser Zulassungsbeschränkungen. Bemerkenswert ist, dass das Interesse der Unternehmen sowie der Schüler am dualen Studium sehr groß ist.
Für unsere Realschüler in München besteht ein großes Angebot an weiter-führenden Schulen, was auch intensiv genutzt wird. Derzeit liegt die Übertrittsquote
einer Abschlussklasse an die Fachoberschule (FOS) bei etwa 70 %.

Stuzubi: Wie unterscheidet sich die Situation von Stadt zu Land?

Das Thema Berufsausbildung hat in den ländlichen Regionen traditionell einen etwas höheren Stellenwert gegenüber der Stadt. Die Entscheidung, den beruflichen Aufstieg zunächst über die berufliche Bildung, später gekoppelt mit dem Studium, zu starten ist in ländlichen Regionen gefragter als in der Stadt.

Stuzubi: Wir stellen bei unserer Arbeit ein gesteigertes Interesse der Unternehmen an Realschul- und Fachoberschul-Absolventen fest. Diese streben vor allem in die duale Ausbildung, können Sie diesen Trend bestätigen?

Grundsätzlich ist dieser Personenkreis prädestiniert für die gehobene berufliche Bildung in anspruchsvollen Ausbildungsberufen. Der Trend für diesen Personenkreis geht aber eindeutig in Richtung Studium bzw. weiterführende Schule mit Ziel Studium. Wichtig bleibt hier, dass weiterhin ein qualifizierter Nachwuchs den beruflichen Erfolg über das duale Ausbildungssystem startet. Weltweit wird Deutschland beneidet für dieses System, was im großen Stil Jugendarbeitslosigkeit vermeidet.

Stuzubi: Wo liegen die Sorgenkinder in der Ausbildungsplatz-Vermittlung? Und wie wollen Sie die Attraktivität dieser Bereiche steigern?


Es gibt Jugendliche, auf deren schulischem und beruflichem Weg  Hemmnisse liegen.  Hier hilft die Agentur für Arbeit, diese Wege zu ebnen. Dies erfolgt mit individueller Beratung, gezielter Förderung und passgenauer Vermittlung. Es gibt Ausbildungsberufe, die aus teilweise unterschiedlichen Gründen weniger beliebt und nachgefragt sind als andere. Hier gilt es, die Berufe bekannter zu machen, die Jugendlichen zu beraten und ggf. auch Hinweise an Ausbildungsbetriebe zu geben, wie die Ausbildung attraktiver und jugendgerechter werden könnte.

Stuzubi: Welche Bestrebungen gibt es von Ihrer Behörde, der zunehmenden Zahl an jungen Menschen aus dem benachbarten Ausland (vor allem Spanien, Griechenland, Italien) hier eine Ausbildungsperspektive zu geben?

Die Agentur für Arbeit in München bietet jährlich Schülerinnen und Schüler aus mehr als 90 Herkunftsnationen Berufsberatung an. Wenn die Eignung vorliegt und Ausbildungsreife gegeben ist, dann unterstützen wir die Bemühungen um einen qualifizierten Ausbildungsplatz mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten. Voraussetzung dabei sind in jedem Fall ausreichende Sprachkenntnisse  und Schulkenntnisse. Aber auch hier gibt es inzwischen sehr interessante Förderangebote.

Stuzubi: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in Ihrem Amt?

Es darf keine verlorene Generation geben! Eine Herausforderung bleibt der wirkungsvolle Beitrag zur Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit durch gute Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsvermittlung, unterstützt durch gezielte Förderung von Jugendlichen mit Hemmnissen. Der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist und bleibt eine gute Berufsausbildung.

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