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Fernsehphysiker Lesch

Obwohl Solarstrom umweltfreundlich ist, hat die Bundesregierung nun die Fördermittel gekürzt.

AbiQ: Was war Ihre Motivation, Physik zu studieren?

Harald Lesch: Neil Armstrong. Ich war besessen von der amerikanischen Raumfahrt. Schon mit sieben, acht Jahren habe ich alle Zeitungsausschnitte dazu gesammelt. An meinem 50. Geburtstag hatte ich dann sogar die Gelegenheit, Neil Armstrong persönlich zu treffen. Das habe ich trotz Geburtstag dann auch gemacht.

AbiQ: Und wie sind Sie zum Fernsehen gekommen?

Harald Lesch:
Eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde. Ein Kollege von mir sollte im Bayerischen Rundfunk eine Sendung über Raumsonden machen und hat das abgelehnt, weil er sich damit nicht so gut auskannte und sich nicht blamieren wollte. Ich hatte mich kurz zuvor in Bonn zu dem Thema habilitiert und bin eingesprungen. Im Deutschen Museum in München habe ich dann so vor mich hingeredet und dachte eigentlich, das streichen sie jetzt. Ich wusste nämlich auch nicht alles und habe das auch gesagt. Aber gerade diese Ehrlichkeit hat den Zuschauern anscheinend gefallen.

AbiQ: Neben Ihrer Tätigkeit an der Ludwig-Maximilians-Universität unterrichten Sie auch an der Hochschule für Philosophie in München. Auch in Ihren Sendungen haben Sie mehrfach mit Philosophen und Theologen gesprochen. Wie sehen Sie die Verbindung zwischen Physik und Philosophie?

Harald Lesch: Beide Wissenschaften setzen sich damit auseinander, die Welt zu deuten. Nur haben Physiker andere Methoden als Philosophen. Früher hieß Physik experimentelle Philosophie. Aber letztlich beschäftigt sich beides damit, woraus die Welt besteht.

In den Sendungen zu dem Thema bin ich zunächst der Frage nachgegangen, warum nicht alle wie ich Physik machen. Den Philosophen Wilhelm Vossenkuhl und den Theologen Thomas Schwartz kenne ich schon sehr lang, das sind also echte Freundesdialoge. Theologie hat noch einmal eine andere Deutungsebene, die auch interessant ist.

Zwar sind theologische Fragen in den Medien kaum präsent, aber die Lust an der Spiritualität ist sehr verbreitet. Die Hochschule für Philosophie wird übrigens von Jesuiten geführt, trotzdem kann ich als Protestant dort unterrichten. Daran sieht man, wie weit inzwischen die Ökumene geht, das ist eine große Freude.

AbiQ: Was würden Sie der Generation, die sich jetzt für physikalische Fächer einschreibt, mit auf den Weg geben?

Harald Lesch: Sie sollten sich beim Studieren Zeit lassen und trotz der schwierigen Bedingungen mit Lust und Freude an die Dinge herangehen. Viele meiner Studenten sind atemlos, getrieben, sie haben nicht mal Zeit für eine ordentliche Mittagspause und überlegen sich, zusätzlich BWL und Chinesisch zu lernen, statt zu schauen, wo das andere Geschlecht seine Partys feiert.

Es hat keinen Sinn, die Sachen so schnell zu machen. Am besten, man sucht sich ein Bundesland ohne Studiengebühren aus, eines, in dem es nicht unbedingt nötig ist, schon nach acht Semestern seinen Bachelor zu haben. Außerdem sollte man auch in andere Fachbereiche schauen und sich mit Künstlern und Musikern treffen. Das Wichtigste ist es, einfach Mensch zu bleiben.

AbiQ: Herr Lesch, vielen Dank für das Gespräch.

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