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Soziologen bauen keine Windräder

Harald Lesch in seinem Büro in der Universitätssternwarte in München.

AbiQ: In Ihren Sendungen bereiten Sie Themen aus der Physik für den Laien verständlich und unterhaltsam auf. Wie sind Sie als Professor, vermitteln Sie die Themen an der Uni ähnlich wie im Fernsehen?

Harald Lesch:
(lacht) Nein, meine Vorlesungen sind nicht mit meinen Auftritten im Fernsehen vergleichbar. Als Moderator muss ich die Dinge knackig und präzise auf den Punkt bringen. An der Uni habe ich wesentlich mehr Zeit und arbeite viel systematischer. Außerdem gehe ich bei meinen Studenten viel mehr in die Tiefe. Ich unterrichte übrigens verzweifelt gerne, ich bin ein absoluter Vorlesungsjunkie.

AbiQ: Im vergangenen Dezember sind Sie vom Hochschulverband zum Professor des Jahres 2011 gewählt worden. Hat das in erster Linie mit Ihrer Tätigkeit an der Uni oder eher mit Ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit zu tun?

Harald Lesch:
Die Auszeichnung habe ich dafür bekommen, wie ich den Beruf des Professors präsentiere. Professoren gelten als grau und weltfremd, irgendwie neben der Spur. Das sind immer diejenigen, die in den Talk-Shows nicht verstanden werden. Dem Hochschulverband hat glaube ich gefallen, dass ich ein anderes Bild zeige.

AbiQ: Dabei hat gerade Physik den Ruf, besonders abgehoben zu sein. Woran liegt das?

Harald Lesch:
Keine Ahnung, die Gesellschaft nimmt anscheinend nicht wahr, dass hinter jeder Technik, die wir benutzen, Physik und Mathe stecken. Trotzdem wollen viele Schüler mit diesen Fächern nichts zu tun haben und denken, Ingenieurswissenschaften wären abartig und Naturwissenschaftler hätten einen an der Waffel.

Eigentlich ist das ein Grund, um in den Schulen an die Front zu gehen und den Leuten zu sagen, dass es Vergnügen macht und sinnvoll ist, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Immer noch schreiben sich viele Abiturienten, die etwas verändern wollen, für Soziologie ein. Es sind aber die Ingenieure, die Windräder bauen, und nicht die Soziologen.

AbiQ: Auch an der Uni gibt es Vorbehalte, Physikstudenten halten die Ingenieurswissenschaften zum Teil für profan, umgekehrt gelten Physiker tendenziell bei den Ingenieuren als weltfremd. Ist da was dran?

Harald Lesch: Da wird ein Popanz aufgebaut, der eigentlich nicht nötig wäre. Das eine sind eben die Grundlagen, das andere die Anwendungen. Aber letztlich mischt sich beides. Man sollte sich danach richten, was einen mehr interessiert, Bewertungen dieser Art braucht es nicht, das sollte kein Thema sein.

"Es muss Interesse dasein, um etwas zu verstehen"
Fernsehphysiker Lesch

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