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„Musik ist ein Fulltime-Job“

Frida Gold mit Hund Nua.

Stuzubi: Wie war euer Auftritt gestern?
Alina:
Es war eher ein kleiner Club, wir waren komplett ausverkauft. Aber es war ein großes Publikum. Zwar nicht, was die Anzahl der Leute betrifft. Aber darauf kommt es auch nicht unbedingt an. Es geht vielmehr um die Intensität, darum, in offene Gesichter zu schauen. Und das war gestern der Fall.

Stuzubi: Inzwischen seid ihr ja ziemlich erfolgreich. Ihr füllt große Hallen, seid auf MTV zu sehen und euer Album „Juwel“ ist in den deutschen Album-Charts auf Platz 18 eingestiegen. Wie sieht der Alltag aus, wenn man als Pop-Musiker den Durchbruch geschafft hat?

Andi:
Das kommt drauf an, was wir gerade machen. Wir sind viel unterwegs, in den letzten zwei Wochen sind wir ungefähr 6.000 Kilometer gefahren. Wenn wir auf Tour sind, brechen wir zwischen 6 und 10 Uhr morgens auf. Wenn wir angekommen sind, bauen wir auf und spielen uns ein. Dann machen wir uns schick fürs Konzert. Nach dem Auftritt unterhalten wir uns noch mit den Fans und einer von uns verkauft jeweils CDs. Danach bauen wir ab. Alles in allem haben wir meistens einen zwölf- bis 18-Stunden Tag.

Alina: Dass Musiker viel schlafen können, ist ein Vorurteil. Das geht vielleicht höchstens mal während der Albumproduktion.

Andi: Bei unserem letzten Album war das aber nicht so …

Stuzubi: Das klingt nach Stress. Macht es trotzdem Spaß?

Alina:
Es ist ein Fulltime-Job und ein Lebensweg. Wir sind das, was wir machen.

Andi: Der Konflikt ist, dass es beim Konzert darum geht, im Hier und Jetzt zu leben, wir aber auch langfristige Entscheidungen treffen müssen über Dinge, die erst in einem halben Jahr passieren sollen. Wir sind ja auch eine Firma. Aber in unserem Produkt steckt sehr viel von unserer eigenen Persönlichkeit.

Stuzubi: Habt ihr Tricks, um den Kopf frei zu bekommen?

Alina: Meine Ruhequelle ist meine Hündin Nua. Ich habe sie von Spaniens Straßen, aber eigentlich habe nicht ich sie, sondern sie mich gerettet. Sie ist immer mit auf Tour und garantiert mir jeden Tag zwei Stunden unter freiem Himmel. Morgens und abends gehe ich immer eine halbe und mittags eine ganze Stunde mit ihr raus.

Videodreh zu

Stuzubi: Musik zum Beruf zu machen gilt als risikoreich, nicht viele können davon leben. Alina, du hast dich gleich nach deinem Abitur für diesen Weg entschieden und ein Querflötenstudium begonnen. Wie fanden deine Eltern das?

Alina:
Ich wusste schon immer, dass ich Musik machen wollte. Mein Vater wollte, dass ich Lehramt studiere, aber letztlich haben mich meine Eltern dann doch in dem, was ich wollte, unterstützt. Als ich das Stipendium an der Folkwang Universität in Essen bekommen habe, war für sie die Welt erst mal in Ordnung. Der nächste Schock kam, als ich das Studium aufgegeben habe, und hielt bis vor kurzem an. Erst als wir im Frühjahr mit Kylie Minogue auf Tour waren, kam langsam Verständnis auf für das, was ich mache.

Die eigenen Vorstellungen und das, was sich Eltern für einen wünschen, kann lange auseinander laufen, um sich dann wieder zu treffen. Jetzt ist es eine Bereicherung für meine Familie, vor allem für meinen Bruder und meine Schwester. Ich kann ihnen mit auf den Weg geben, dass es möglich ist, seinen Traum zu leben.

Stuzubi: Gibt es keine Eifersüchteleien zwischen euch Geschwistern?

Alina:
Nein, überhaupt nicht. Jeder von uns geht seinen eigenen Weg. Nach dem Abitur haben die beiden erst mal eine Weltreise gemacht, im Moment sind sie noch unterwegs.

Stuzubi: Falls ihr mit eurer Musik nicht erfolgreich gewesen wärt – hattet ihr eine Art Plan B?

Alina:
Einen Plan B hatten wir nicht. Manchmal funktioniert es nur so. Beim Projekt Frida Gold war von Anfang an der Grundgedanke, wir wollen groß werden, große Melodien, eine große Produktion, ein großes Publikum. Wenn es nötig ist, kann man immer noch einen Plan B finden. Das erschließt sich einfach, wenn man in Bewegung ist, ergibt sich auch was Neues.

Stuzubi: Lässt euch eure Karriere noch Zeit, euch mit anderen alten Freunden zu treffen?

Andi:
Wir sind meistens fünf Tage am Stück unterwegs. Wenn ich dann wieder zuhause bin, treffe ich mich schon mit alten Kumpels, zum Beispiel zum Fußball spielen. Aber das ist ein ganz anderer Bereich meines Lebens, ich muss mich da jedes Mal erst wieder rein finden.

Alina: Ich habe oft Heimweh nach dem Ruhrgebiet. Hier nehmen einen die Menschen so, wie man ist. Aber man ist nach der Tour nicht mehr so eingebunden und muss sich kümmern, eben aktiv wieder auf die Leute zugehen.

Stuzubi: Alina und Andi, vielen Dank für das Gespräch.

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